Liturgishe Animation

 

11.30h Gottesdienst mit liturgisher Animation - stand auf einem Plakat, das in mehreren Sprachen auf die Gottesdienste in der Kathedrale von Saint Malo in der Bretagne hinwies. Als wir während unseres diesjährigen Sommerurlaubs diese etwas unglückliche Übersetzung aus dem Französischen entdeckten, konnten mein Mann und ich uns das Lachen nicht verkneifen. Denn „Animation“ erinnert ja erstmal an Club Med oder an andere All-inclusiv-Hotels, wo die Gäste von Animateuren professionell bespaßt werden. Wir stellten uns vor, wie in der prächtigen Kathedrale von Saint Malo vorne der Pfarrer steht und mit den Gottesdienstbesuchern Karaoke spielt, oder wie die Ministranten eine eingeübte Choreografie auf die Melodie zu „Großer Gott wir loben Dich“ zum Besten geben. Und so abwegig ist diese Vorstellung gar nicht. Manch ein Gottesdienst, egal welcher Konfession, erinnert ja durchaus an so eine Veranstaltung – allenfalls mit dem kleinen Unterschied, dass die Animateure in der Kirche nicht T-Shirts mit Clublogo sondern liturgische Gewänder tragen.

 

Dabei sehnen sich heute viele in den Kirchen nach mehr Stille, mehr Besinnung und mehr Anbetung. Auf dem evangelischen Kirchentag in Köln zum Beispiel waren die orthodoxen Vespergottesdienste, die durch ihre Gesänge und Rituale sehr mystisch wirken, überfüllt von evangelischen und katholischen Christen, die diese Art und Weise des Gottesdienstes in ihren Kirchen vermissen. Die Antwort auf diese Sehnsucht kann aber nicht die schlichte Rückkehr zur alten lateinischen Messe sein, wie in der römisch-katholischen Kirche immer wieder angeregt wird, denn dort ist die Gemeinde nichts anderes als frommes Publikum.

 

Animation heißt wörtlich übersetzt „beleben“. „Liturgische Animation“ ist von daher gesehen eigentlich ein sehr schöner und wichtiger Gedanke. Die Gottesdienste sollen beleben und uns befähigen, im Geist Gottes unser Leben zu gestalten. Denn der Geist Gottes ist in der Liturgie der Animateur, um im Bild zu bleiben, und nicht der Priester oder die Priesterin.

 

Ein Anliegen der alt-katholischen Bewegung war es übrigens von Anfang an, diese Animation des Heiligen Geistes in den Gottesdiensten wiederzuentdecken. So wurde schon bei der ersten Übersetzung des eucharistischen Hochgebets die Epiklese wieder eingeführt, das heißt die Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben und die Gemeinde.

Wo wir diese „Animation“ aus dem Auge verlieren, wird Liturgie wirklich entweder zum heiligen Schauspiel oder zum bunten Abend. Gottesdienst „machen“ nicht einige geistliche Profis, sondern wir „feiern“ ihn gemeinsam: fröhlich, besinnlich, voller Dank, aber auch voller Ehrfurcht vor Gott, dessen Söhne und Töchter wir uns nennen dürfen. Der Heilige Geist belebt und bewegt uns alle als ganze Gemeinde. Und die tägliche Herausforderung an uns ist es, diesen Animateur nicht nur in den Gottesdiensten, sondern auch im Alltag immer neu zu entdecken und sich von ihm beleben zu lassen!

 

Henriette Crüwell