Vom Bauen mit der Alt-Katholischen Gemeinde Augsburg

Ein Interview mit dem Architekten Dipl. Ing. Frank Lattke

 

Herr Lattke, was bedeutet es für Sie, heute als Architekt eine Kirche zu planen und zu bauen?

 

In der heutigen Zeit werden Kirchen umgenutzt, umgebaut oder abgerissen. In Augsburg entsteht ein Neubau. Ein mutiger Schritt für eine kleine Kirchengemeinde und ein spannender Prozess, den ich mit meinen Mitarbeitern begleiten darf. Als ich das erste Mal die Gemeinde traf, gab es einen konkreten Wunsch, aber noch keinen festen Ort. Die Chance, einen Bauherren oder eine ganze Gruppe so früh zu begleiten, bedeutet ein Kennenlernen und wachsendes Vertrauen, um von Anfang an die Dinge zusammenzubringen und aus einer Idee Wirklichkeit werden zu lassen.

 

Wir haben vor kurzem unser Grundstück erworben. Sie habe uns im Vorfeld bei der Suche nach dem Ort unterstützt und eine Untersuchung angestellt. Wie haben Sie sich der Aufgabe angenähert?

 

Abwägung - am Anfang stand eine Untersuchung, um aus mehreren Möglichkeiten den Standort der neuen Kirche auf dem Areal einer ehemaligen Kaserne im Westen von Augsburg zu bestimmen.

Ausgangspunkt - im Herzen des neuen Stadtteils, an einem weitläufigen Park mit Blick in Blumenwiesen und alte Bäume, in direkter Nähe neues Wohnen und Arbeiten. Die Kirche besetzt den Ort und bildet eine neue Mitte an der Schnittstelle von Park, Wohnen und Arbeiten. Bei der Wahl des Ortes wurden bewusst vorhandene Potenziale ausgelotet, um der Gemeinde von Anfang an die Möglichkeit zu geben, angemessen wahrgenommen zu werden und zu wachsen. Kommunikation und Miteinander möchten gelebt werden und sollen in der Wahl des Ortes und der Architektur ihren Ausdruck finden.

 

Normalerweise bauen Sie eher mit wenigen Bauherren, mit einer Gemeinde zu bauen heißt auch, dass es viele Menschen gibt, die sich mit dem Bau beschäftigen. Wie ist das für Sie?

 

Von Anfang an liegt die Herausforderung im Entwurf des Neubaus für und mit der gesamten Kirchengemeinde. Die einzelnen Themen der Architektur werden in einer offenen und transparenten Herangehensweise herausgearbeitet und mit der Gemeinde erörtert. Ziel unserer Arbeit ist es, von Anfang an ein Verständnis für eine angemessene Antwort zu finden, die ihre Architektursprache aus dem schöpft, was schon vorhanden ist - der Ort, die Menschen und die spezifischen Anforderungen an den Kirchenbau.

Die Gebäude und Räume entstehen im Einklang von Volumen und Proportion, von Materialität und Konstruktion, von Licht und Stimmung. Der enge finanzielle Rahmen erfordert Disziplin im Entwurf und ist Spielraum für die Einfachheit der Lösung. Die regelmäßigen Treffen mit dem Bauausschuss und die Abstimmung der Gemeinde über die jeweiligen Meilensteine sind gemeinsamer Lernprozess und Prüfung zugleich. Das demokratische Verständnis der Alt-Katholischen Kirche erfordert große Aufmerksamkeit, um jeden Einzelnen im Entstehungsprozess mitzunehmen; die große Anteilnahme der Gemeinde am Projekt bedeutet für uns zusätzliche Motivation.

 

Das Interview führte Sabine Kigle