Hinsetzen! Nachdenken!

Das Ökumenische Forum christlicher Frauen in Europa

 

Seit drei Jahren nehme ich als Vertreterin des Bundes altkatholischer Frauen (baf) bei den Treffen des „Ökumenischen Forums christlicher Frauen in Europa“ („ÖFCFE“) teil. In diesem Verband sind sowohl die kirchlichen Frauenverbände als auch Einzelpersonen („Freundinnen“) vertreten. Das „Forum“ engagiert sich in Gesellschaft und in den Kirchen für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und für Fortschritte hin zu einer umweltschonenden Lebensweise und gerechten Gesellschaft. Diese Themen werden ausdrücklich aus der Sicht der Frauen und ihrer Lebenswirklichkeit bearbeitet.

Beginnen möchte ich mit meiner Erinnerung an den Vortrag der Schweizer Theologin Ina Prätorius auf der Generalversammlung letztes Jahr: Sie begann mit der Frage, was Frauen denn heutzutage tun sollen und empfahl: Hinsetzen! Nachdenken! Frauen hätten schon lange genug geputzt, gekocht und alles am Laufen gehalten.

 

Und im Folgenden begann sich dann meine Sicht auf die „Frauenperspektive“ zu ändern: Seit Aristoteles denken die Leute, dass es einen „höherwertigen“, den Männern zugesprochenen Bereich gibt, in dem gedacht, geplant, verhandelt und entschieden wird, und einen „niedrigeren“ Bereich, in dem Frauen und Sklaven dafür sorgen, dass das Essen auf dem Tisch steht, die Wohnung geputzt ist, die Kinder, Kranken, Älteren versorgt sind. Wirklich wichtig fand Aristoteles den „höheren“ Bereich. Heutzutage sind in diesem „höheren Bereich“ Begriffe wie „Wirtschaftswachstum“, „Produktivitätsgewinn“, „Mehrwert“ angesiedelt, denen sich die Menschen mit ihren ganz konkreten Bedürfnissen unterzuordnen haben.

Was Aristoteles entgangen ist (und vielen Menschen immer noch entgeht), ist die Tatsache, dass er gar nicht zum Denken und Entscheiden (und Produzieren…) käme, wenn andere nicht dafür arbeiteten, dass für seine Lebensgrundlage gesorgt ist – und dass diese Sorge um die Lebensgrundlagen der Mittelpunkt ist und die Voraussetzung für alles Weitere. Heute gehört dazu auch: ein schonender Umgang mit der Schöpfung, eine verantwortungsvolle Verwendung moderner Technik, eine humane Gestaltung der Arbeitswelt und so weiter.

Ina Prätorius plädierte dafür, die Dinge im Kopf wieder zurechtzurücken, damit das, was wichtig ist, auch wieder wichtig genommen wird. Ganz einfach. Genial!

 

Und eben das ist es was den ÖFCFE-Frauen so viel Schwung gibt:

Konkret arbeiten sie mit beim Weltgebetstag der Frauen, organisieren u.a. „Ökologische Sommerschulen“, die „Nachbarinnentreffen“, an denen Frauen aus benachbarten Ländern zusammenkommen (das letzte mit Frauen „Rund um die Ostsee“), den „Schöpfungstag“, der inzwischen an vielen Orten gefeiert wird, und den „Egeria-Pilgerweg“.

Zum einen fördern diese Projekte die ganz konkrete Fortbildung zu größerer friedenspolitischer Wachsamkeit und ökologischem Bewusstsein und die Entwicklung von ganz konkreten Ideen, wie die damit verbundenen Ziele in den so unterschiedlichen Teilen Europas verwirklicht werden können. Damit das alles Hand und Fuß hat, bringen auch viele kirchlich engagierte Naturwissenschaftlerinnen ihr Fachwissen mit ein.

Zum anderen finden im gemeinsamen Beten, Nachdenken und Ringen um eine christliche Antwort auf politische und ökologische Herausforderungen Frauen aus ganz unterschiedlichen Lebenszusammenhängen zueinander. Ich schätze ganz besonders das große Engagement, das die Frauen aus Osteuropa mit einbringen möchten und durch die dafür erbrachten finanziellen Hilfen auch können.

 

Immer wieder werden die Workshops in konkrete Anregungen und Selbstverpflichtungen „übersetzt“, die dann auch andere zum Mittun anregen können.

Ein ganz wunderbares Beispiel für die Arbeit des „Forums“ ist für mich der Egeria-Pilgerweg: auf den Spuren der hl. Egeria pilgern Frauen in 11 Etappen von Spanien nach Jerusalem. Unterwegs werden sie von Menschen aus dem jeweiligen Reiseland begleitet, beherbergt und ganz lebensnah über das jeweilige Land informiert. Im Gegenzug unterstützen die Pilgerinnen Projekte in den besuchten Ländern. Die sehr lebendigen, anschaulichen Reiseberichte und sonstige Informationen kann man gut auf der Website nachlesen: egeria-project.eu.

Wer jetzt Lust hat sich weiter zu informieren, bei Projekten mitzumachen oder mitzuteilen, dass das alles grenzenloser Blödsinn oder – besser noch - ganz genial ist, kann die jeweiligen Websites besuchen (für das ÖFCFE: oekumeneforum.de)  und sich auch gerne bei mir melden: inanikol@web.de. Und natürlich: die baf-Jahrestagung besuchen!

Ina Nikol