Der Papst und der Frauensonntag

Pastoralkonferenz des Bistums spannt weiten Bogen

 

So leicht kann uns niemand vorwerfen, wir würden das Thema Papstamt nicht ernst nehmen! Dieser Gedanke kam mir irgendwann während unserer Konferenz der hauptamtlichen Geistlichen in Neustadt. Ausführlich haben wir uns in Vorträgen und Gesprächsrunden damit befasst, sicherlich mehr als es die meisten römisch-katholischen Geistlichenkonferenzen tun. Aber schließlich hat uns das Dialogpapier „Kirche und Kirchengemeinschaft“ der alt-katholisch/römisch-katholischen Dialogkommission einen Arbeitsauftrag hinterlassen. Und so ist es richtig, dass wir uns bei der Theologenkonferenz, bei der Synode, in vielen Gemeindekreisen und nun auch als Pastoralkonferenz hier in Neustadt damit befasst haben.

 

In einem Punkt ließen die beiden Referenten Urs von Arx, emeritierter Professor der christkatholischen Fakultät der Universität Bern, und Andreas Krebs, Wissenschaftlicher Assistent am alt-katholischen Seminar der Uni Bonn, keinen Zweifel aufkommen: Die alt-katholische Ablehnung der Papstdogmen von 1870 (Unfehlbarkeit und Universalprimat) kann nicht aufgeweicht werden. Der historische, bibelwissenschaftliche, soziologische, theologische Blick darauf lassen keine andere Erkenntnis zu. So stellt sich die Frage, ob trotz des nach wie vor bestehenden Dissenses in der Frage der Stellung des Papstes eine Kirchengemeinschaft mit dem Papst, nicht unter dem Papst, denkbar ist.

 

Natürlich liegt die Überlegung nahe, ob die päpstliche Kurie sich denn wirklich auf die weit gehenden Vorschläge der Kommission einlassen würde. Aber wie Urs von Arx betonte, ist das nicht unser Thema; diese Frage muss in Rom gestellt werden. Unser Thema ist, ob wir uns darauf einlassen können, ob wir in Gemeinschaft treten können mit einer Kirche, an deren Struktur wir fundamentale Anfragen haben. Es versteht sich von selbst, dass wir die Frage nicht bei der Konferenz abschließend behandeln konnten. Wenn eine Kirchengemeinschaft greifbarer wird, wird es noch mancher Diskussion in unserer Kirche bedürfen.

 

Da wir in Neustadt schon einmal bei der theologischen Auseinandersetzung mit ökumenischen Konsenspapieren waren, blieben wir gleich dabei und sprachen über das Ergebnis der Gespräche mit der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD). Auch hier gab es die einfache Lösung nicht. Wie entscheidend ist die Existenz eines sakramentalen Bischofs- und Priesteramtes? Und wie kann Kirchengemeinschaft möglich sein und gelebt werden, wenn in dieser Frage unterschiedliche Auffassungen bestehen? Auch hier wird die Diskussion noch weiter gehen müssen.

 

Viele weitere Themen gab es noch auf unserer Tagesordnung: Wie sind die Dekane verortet zwischen Kirchenleitung einerseits und Gemeinden und Geistlichen ihres Dekanates andererseits? Können sie auch Anwälte für die Geistlichen gegenüber Bischof und Synodalvertretung sein oder sollte besser eine Mitarbeitervertretung diese Aufgabe für die Hauptamtlichen übernehmen? Um eine gerechtere Besoldung vor allem für die jüngeren Geistlichen haben wir gerungen, aber auch über das Geistliche Leben und unser Jahrbuch gesprochen, gebetet, Gottesdienste gefeiert, einen Geistlichen Abend erlebt. Auch hier sind wir bei den meisten Themen nicht zu einem Abschluss gekommen. Dennoch blieb der Eindruck, dass wir bei den meisten einen guten Schritt weiter gekommen sind.

 

Breiteren Raum haben wir dem Gespräch mit dem Bund altkatholischer Frauen (baf) eingeräumt, der durch Lydia Ruisch, Ingeborg Hempel, Anneliese Harrer und Dirgis Wansor vertreten wurde. Der Wunsch zum Gespräch kam auf, weil einige Pfarrer im Vorfeld Zweifel am Sinn des Frauensonntags in seiner jetzigen Gestalt geäußert haben. Das Gespräch zeigte ebenso wie eine Umfrage unter den anwesenden Geistlichen, dass sowohl der baf wie der Frauensonntag einen guten Rückhalt im Klerus haben, dass das allerdings nicht durchgängig für alle Pfarrer und Gemeinden gilt. Auf beiden Seiten entstand nach dem anregenden Nachmittag der Wunsch, insbesondere über liturgische Fragen im Gespräch zu bleiben und auch im nächsten Jahr Raum dafür zu geben.

 

Noch ein Vorwurf, den man uns Geistlichen nicht machen kann: wir würden uns in Neustadt eine schöne Urlaubswoche machen. Es war wirklich ein volles Programm, jeden Tag bis in den Abend hinein, mit wenig Pausen und zu wenig Gelegenheit zum Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, von denen man die meisten ja nur einmal im Jahr sieht. Doch dass ein ausgesprochen gutes Klima unter uns herrscht, das war deutlich spürbar und hat uns getragen. Ein Dank ist der bayerischen Geistlichenkonferenz zu sagen für die ausgezeichnete Vorbereitung und souveräne Leitung der Tagung und für die Gestaltung der Gebetszeiten.

 

Gerhard Ruisch