Im Zeichen der Versöhnung

Ökumenische Lima-Liturgie auf dem Kirchentag

 

Am Donnerstag, 2. Juni 2011, fand im Rahmen des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dresden eine ökumenische Eucharistiefeier nach der Lima-Liturgie statt. Das Motto lautete: „Lasst euch versöhnen mit Gott“. Den Gottesdienst in der Diakonissenhaus-Kirche leitete der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel). Mitliturgen waren der anglikanische Bischof von Croydon, Nicholas Baines, die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Petra Bosse-Huber und der ‚Canon for Reconciliation’ an der Kathedrale von Coventry, David W. Porter. Die Predigt hielt der alt-katholische Bischof Matthias Ring. Mit rund 500 Teilnehmenden war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt.

Das Besondere an der Feier in diesem Jahr war der symbolische Brückenschlag zwischen den beiden im 2. Weltkrieg zerstörten Städten Dresden und Coventry durch die Mitwirkung von Canon Porter. Porter betete zu Beginn des Gottesdienstes mit den Teilnehmenden das Versöhnungsgebet von Coventry, welches an jedem Freitag zur Mittagsstunde in den so genannten Nagelkreuz-Zentren als Orten des Friedens und der Versöhnung gesprochen wird.

Solche ökumenischen Gottesdienste wie die Lima-Liturgie auf dem Kirchentag feiern zu können, sei ein Symbol dafür, „dass wir die biblisch verheißene Einheit aller Christinnen und Christen beispielhaft erfahren können. Diese Einheit existiert, auch wenn wir sie in unserer Welt nur bruchstückhaft erleben. Gerade deswegen sind diese Gottesdienste so wichtig: Sie geben uns spürbar Anteil an Gottes Versprechen, dass wir alle eins sind und zu ihm gehören“, machte Vizepräses Bosse-Huber im Vorfeld deutlich.

Landesbischof Weber betonte zu Beginn des Gottesdienstes, dass ihm dieser mittlerweile schon zur Tradition gewordene Ökumenische Gottesdienst der liebste im ganzen Kirchenjahr ist. Und er wünsche sich, dass der Weg zur Einheit weiter fortschreiten möge. „Dass ich das so sagen muss, ist der eigentliche Skandal der getrennten Christenheit. Das Zeugnis der Christen verlangt die Gemeinschaft“, so Weber.

Der alt-katholische Bischof Matthias Ring ging dann in seiner Predigt auf das Thema des Gottesdienstes „Lasst Euch mit Gott versöhnen“ (2. Korintherbrief 5) ein. Eindrücklich machte er deutlich, dass die Versöhnung ein Angebot Gottes zur Gemeinschaft sei. Diese Versöhnung komme von Gott, der sich durch Christus mit uns versöhnt hat. Die Einladung gelte uns, aber wir sollten sie auch weitertragen.

Eingehend auf die Schuldhaftigkeit der deutschen Vergangenheit im zweiten Weltkrieg sprach er davon, wie wichtig und notwendig die Vergebung sei, um die Gemeinschaft wieder herzustellen.

Im Blick auf Gott würden sich viele schwer mit dem Begriff „Versöhnung“ tun. Hier komme sehr schnell die Frage, wie der Tod Jesu am Kreuz zu verstehen ist. Spätestens wenn es auf Ostern zugehen würde, tauche diese Frage immer sehr schnell in kirchlichen Publikationen auf. Wir würden bei der christlichen Botschaft häufig das Falsche in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen: Statt der Einladung Gottes zur Gemeinschaft würde die Sündhaftigkeit des Menschen immer wieder überbetont, die menschliche Untat, welche Versöhnung überhaupt erst notwendig macht.

Und auf kurzem Wege sei man dann dort, wo der Mensch im Staub vor der göttlichen Majestät landet und um Vergebung bittet. Ein Gottesbild, unter dem viele Menschen gelitten haben und unter dem heute noch viele Menschen leiden. Ein Bild, welches falsch sei, denn Gott biete diese Versöhnung von sich aus an. Gott selbst lade ein zur Gemeinschaft und habe dies in Christus schon getan. Gott selbst biete uns diese Versöhnung an, ohne eine Vorleistung zu erwarten. „Er selbst hat eine Vorleistung gebracht in der Gestalt von Jesus“, so Ring. Schon gar nicht erwarte er, dass wir uns vor ihm in den Staub werfen. Wenn man das begriffen habe, dann könne man auch darüber nachdenken, was der Tod Jesu in diesem Kontext zu bedeuten hat. Aber erst dann.

Versöhnung ist ein Angebot Gottes zur Gemeinschaft. Die Versöhnung kommt von Gott, der sich durch Christus mit uns versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Und diese Großzügigkeit Gottes können auch wir Christinnen und Christen uns als Maßstab und Vorbild nehmen. Auch in Blick auf Abendmahl und Eucharistie.

Walter Jungbauer