Gerechter Friede

Die Konvokation von Jamaika

 

Die internationale ökumenische Friedenskonvokation des ökumenischen Rates der Kirchen endete am 25. Mai in Kingston, Jamaica. Unter den tausend Delegierten der 349 Mitgliedskirchen waren drei Vertreter der alt-katholischen Kirchen. Neben dem Delegationsleiter, Erzbischof Joris Vercammen, gehörten die Schweizer Pfarrer Ioan Jebelean und Christoph Schuler der alt-katholischen Gruppe an. Nach der Eröffnung durch den Generalsekretär, Pfarrer Olav Fykse Tveit, sprach auch der jamaikanische Ministerpräsident Bruce Golding. Das Thema der Konferenz war „Gerechter Frieden“. Dazu wurden Gottesdienste, Bibelarbeiten und 160 Workshops angeboten.

 

Mahnungen

 

In einem beeindruckenden Referat sprach der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion über wachsende Gewalt, Aggressivität, Ausbeutung und Terror in unserer Welt. Die Gewalt habe heute strukturellen und systematischen Charakter angenommen, da sie nicht mehr von Einzelpersonen, sondern von Strukturen ausgeübt wird. Diese Art von Gewalt nannte er Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Deren Ergebnis: die reichen Länder werden immer reicher und die armen Länder immer ärmer. Der Metropolit forderte die Kirchen dazu auf, über die Ursachen zu reden, ohne Angst zu haben, ihren Ruf in den Augen der Machthaber zu beschädigen. Weiter meinte Metropolit Hilarion, dass so bald wie möglich ein System organisiert werden müsse zum Schutz der Christen vor Verfolgung. Den Weg zum Frieden zeige uns das Evangelium: Wir müssten Frieden aufbauen und stärken, ohne unsere Feinde zu töten, aber indem wir die Feindschaft töteten. Die Zukunft der Menschheit solle auf Frieden und Gerechtigkeit aufbauen, wie Gott es uns geboten habe. Andernfalls werde es keine Menschheit mehr geben.

Danach betonte Dr. Margot Käßmann die entscheidende Rolle der Religion bei den Friedensanstrengungen und der Überwindung der Gewalt. Es sei an der Zeit, dass die Religion sich weigere, missbraucht zu werden, indem Öl auf das Feuer des Krieges und des Hasses gegossen werde. Es sei an der Zeit, konsequent zu verneinen, dass es theologische Argumente für Gewalt gebe. Es gebe keinen gerechten Krieg, es gebe nur gerechten Frieden. Hier in Kingston seien wir ans Ende der Dekade zur Überwindung von Gewalt gekommen, was aber einen neuen Anfang für die Kirchen markieren sollte. Wir brauchten klare theologische Überzeugungen und wir müssten deutlich sagen, dass Gewalt in keiner Weise von der Religion legitimiert wird. Wir sollten für die Gewaltlosigkeit eintreten. Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg. Als Christen müssen wir die Mächte der Gewalt herausfordern. Unsere Berufung ist es, Gewalt zu überwinden.

 

Als Höhepunkt des ersten Tages der Eröffnungsversammlung wurde das Referat von Dr. Paul Oestreicher empfunden. Er ist ein weltweit anerkannter Friedensaktivist, der sein Leben in den Dienst von Frieden und sozialer Gerechtigkeit als Zeugnis christlicher Liebe gestellt und sich dem hoffnungsvollen Motto „eine andere Welt ist möglich“ verpflichtet hat. Der anglikanische Priester sprach über die Möglichkeit der Abschaffung des Krieges und des Waffenhandels. Sie sei möglich, genauso, wie die Abschaffung der Sklaverei möglich war, die die Geschichte der Jamaikanischen Nation bis heute durchdringt. Wenn wir es nicht lernen, unsere Konflikte zu lösen, dann haben die Kinder unserer Kinder keine Zukunft mehr. „Ein Ja zum Leben bedeutet ein Nein zum Krieg. Einfache Menschen, die sich keines Nobelpreises rühmen können, haben den Weg geebnet. Inmitten patriotischen Eifers, haben sie einfach nein gesagt.“

 

Die Friedensbotschaft

 

Zum Abschluss haben die fast tausend Teilnehmenden eine Friedensbotschaft veröffentlicht. Sie spricht über die gemeinsame einwöchige Erfahrung der Erkundung eines gerechten Friedens in der Welt. Die Teilnehmenden bringen ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass Krieg illegal werden sollte, und dass Friede das Herzstück aller religiösen Traditionen sei. Eine Intensivierung interreligiöser Dialoge soll helfen, gemeinsame Antworten aller Weltreligionen zu finden. Die Kirchen sollen sich zusammen mit sozialen Bewegungen für den Frieden engagieren und öffentlich Zeugnis ablegen.

 

Friede in der Gemeinschaft

 

Die Botschaft betont, dass die Kirchen dabei helfen müssen, die Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, wirtschaftliche Gerechtigkeit sowie Einheit und Frieden zu stärken und bewusst zu machen. Die Kirchen müssen Gewalt gegen Frauen und Kinder als Sünde benennen. Sie sollen ihre Stimme erheben, um unsere christlichen Schwestern und Brüder sowie alle Menschen, die aus Gründen religiöser Intoleranz diskriminiert und verfolgt werden, zu schützen.

 

Friede mit der Erde

 

Die Botschaft spricht über die Sorge um die Erde und um die Menschheit. Diese Sorgen gehören zusammen. Es wird empfohlen, die natürlichen Ressourcen und gemeinsamen Güter der Menschheit gerecht zu verteilen. Es wird empfohlen, die Wirtschaft ökologisch nachhaltig umzugestalten, Verantwortung für den Klimawandel mit der Reduktion der CO2-Emissionen zu übernehmen und einen Ausstieg aus der Atomenergie anzustreben.

 

Friede in der Wirtschaft

 

Die Teilnehmenden bezeichneten es als einen Skandal, dass gewaltige Geldsummen für Militärhaushalte, die Lieferung von Waffen und den Waffenhandel ausgegeben werden, während dieses Geld dringend für die Beseitigung von Armut in aller Welt und die Finanzierung einer ökologisch und sozial neuen Ausrichtung der Weltwirtschaft gebraucht würde. Die Kirchen sollen der Korruption entgegentreten und sich für effiziente Regeln im Finanzmarkt einsetzen.

 

Friede zwischen den Völkern

 

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Gewalt gegen den Willen Gottes ist und keine Konflikte lösen kann. Es gibt deswegen keinen gerechten Krieg, sondern nur gerechten Frieden. Es soll den Ursachen von Gewalt vorgebeugt und diese wenn möglich vermieden werden.

 

Die Botschaft ist viel mehr als nur ein Text, es ist eine ökumenische Erfahrung. Die Fragen, über die in Jamaika diskutiert wurden, erfordern weitere Arbeit, Reflexion und Aktion. Prof. Dr. Fernando Enns sagte: „Die Kirche nimmt entweder den Aufruf zum gerechten Frieden an oder aber sie ist nicht die Kirche!“

Die drei Vertreter der alt-katholischen Kirchen haben neben den Generalversammlungen, Seminaren und Gottesdiensten auch intensive Gespräche mit verschiedenen Teilnehmern geführt. Pfarrer Christoph Schuler sprach mit mehreren anglikanischen Exponenten aus Afrika über Projekte des Schweizer christkatholischen Hilfwerks „Partner sein“. Pfarrer Ioan Jebelean pflegte Kontakte zu den Abgesandten des Vatikans sowie zu zahlreichen Delegationen aus Südamerika und der Karibik.

 

Erzbischof Joris Vercammen,

Pfr. Ioan Jebelean