Orthodoxie

Studienreise zum Kennenlernen der Orthodoxen Kirche nach Kreta

 

Diese Reise war im Herbst 2010 von der Orthodox/Alt-katholischen Arbeitsgruppe (OAAG) konzipiert und im Detail von Prof. Grigorios Larentzakis (Graz und Chania) vorbereitet worden. Der Besuch der semi-autonomen Kirche von Kreta, die zum Ökumenischen Patriarchat gehört, war gedacht als ein erster Schritt, interessierten Alt-Katholikinnen und -Katholiken eine vertiefte Begegnung mit orthodoxen Gläubigen und Einsichten in ihr kirchliches Leben zu vermitteln.

Obwohl die Zahl von elf alt-katholischen Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus dem Raum der Utrechter Union unter den Erwartungen der Organisatoren blieb, wurde der Gruppe mit der Zeit bewusst, wie ernst ihre Anwesenheit genommen wurde, und dass sie gleichsam als eine offizielle Delegation der Alt-katholischen Kirche behandelt wurde. Das zeigte sich am deutlichsten bei den Begegnungen mit den Bischöfen, die alle in einer die Delegation ehrenden Weise vor sich gingen. Der Bischof von Kisamos und Selinon, der zugleich der Präsident der Orthodoxen Akademie von Kreta ist, lud die Gruppe nach dem Nachtessen am Samstag zum Gottesdienst am darauffolgenden Sonntag ein und schloss dort beim „Grossen Einzug“ die alt-katholische Delegation zusammen mit den ebenfalls als Delegation behandelten orthodoxen Begleitern in das Kommemorationsgebet ein – das ist streng genommen ein Ausdruck bestehender Gemeinschaft. Der Erzbischof von Kreta empfing die Gruppe im Saal der Synode zum Mittagessen und wandte sich jedem Gast in einer Weise zu, die einen an Mk 10,43 denken liess. Der anfängliche Widerstand einiger Alt-Katholiken angesichts der im Programm angekündigten Hierarchentreffen zulasten geplanter Wanderungen oder Badefreuden (zu denen wir aber dennoch ausgiebig kamen) war spätestens hier verflogen ...

Von orthodoxer Seite wurde eine Mehrzahl von (deutsch sprechenden) Referentinnen und Referenten aufgeboten, um den alt-katholischen Gästen verschiedene Aspekte der Orthodoxie, der Geschichte von Kreta wie auch der vielfältigen Tätigkeit der OAK näher zu bringen.

Die Akademie erwies sich nicht nur von der Lage direkt am Meer und von der großzügigen Infrastruktur her als ein idealer Ort für Tagungen und Begegnungen, sondern auch vom dort herrschenden Geist der Offenheit, der offensichtlich auch das Engagement und die Anliegen des Ökumenischen Patriarchates in Sachen Ökumene sowie Einsatz für Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung widerspiegelt. Wiederholt und eindringlich wurde uns besonders von Prof. Larentzakis versichert, dass es der Wille des Ökumenischen Patriarchen sei, dass der Dialog und die Beziehungen mit der Utrechter Union unbedingt fortgesetzt, ja intensiviert werden solle. Und das ungeachtet der Probleme, die es auf beiden Seiten, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen, gibt, und die eine rasche Verwirklichung von Kirchengemeinschaft, wie sie der offizielle Dialog ins Auge gefasst hat, nicht als möglich erscheinen lassen. Dabei ist die alt-katholische Ordination von Frauen zum priesterlichen Dienst offenbar nicht das zentrale Problem – sie ist auch nach Ansicht vieler orthodoxer Theologinnen und Theologen keine dogmatische Unmöglichkeit –, sondern vielmehr das Auseinanderklaffen von eucharistischer und ekklesialer Gemeinschaft, also von Abendmahlsgemeinschaft bei nach wie vor fehlender Kirchengemeinschaft auf Grund von (im Wesentlichen) gemeinsamen Glauben, Kultus und Verfassung.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studienreise ihr Ziel erfüllt hat und den Teilnehmenden tiefere Einblicke in die Welt der Orthodoxen Kirche ermöglicht hat.

 

Maja Weyermann, Urs von Arx