Potemkinsche Dörfer

 

Der Besuch des Papstes ist nun schon einige Wochen her, die Erwartungen, soweit es denn welche gab, haben sich wieder im Alltagsgeschehen verloren. Die Ökumene hat und wird wohl auch weiterhin, wenn überhaupt, nur ganz kleine Schritte nach vorne machen. Dass es Reformen geben wird, ist keinesfalls anzunehmen, da Papst Benedikt zum Abschied klargestellt hat, dass es keine Reformen braucht, sondern die Menschen einfach mal nur mehr glauben müssten. So weit, so schlecht, denn die Menschen glauben ja, werden aber an diesem starren Konstrukt langsam aber sicher irre.

 

Am Sonntag, den 25. September, wurde dann noch eine pompöse riesige Freilandmesse in Freiburg gefeiert, wo man winkende und vor allem junge Menschen sehen und erleben konnte. Im Alltagseinerlei, so wird aus römisch-katholischen Pfarrgemeinden berichtet, und wer möchte, kann sich ja auch selber überzeugen, findet man dieses junge Klientel allerdings so gut wie gar nicht, und schon gar nicht winkend oder gar jubelnd. Nicht wenige haben so den Eindruck, als ob hier, ähnlich wie beim Weltjugendtag 2005 in Köln und zuletzt in Spanien, potemkinsche Dörfer aufgebaut wurden.

 

In Düsseldorf und Freiburg, und vielleicht noch an anderen Orten, haben wir Alt-Katholiken ganz bewusst, leider auch fast unbemerkt, ökumenische Mahlfeiern gehalten. Irgendwie fragt man sich doch, warum wir nur ca. 15.500 Kirchenmitglieder zählen. Denn das, was wir leben und feiern, fordern so viele Menschen in den katholischen Pfarreien und auch evangelischen Gemeinden, in Gesprächskreisen und Glaubensforen, in Theologenmemoranden und wo auch sonst noch immer, ist ja schon existent und wird jede Woche mit Leben gefüllt. Man wird das Gefühl nicht los, dass zu unseren Kirchenmitgliedern noch mindestens zehn Mal so viele gehören, die den Schritt zu uns aus welchem Grund auch immer aber nicht tun. Auch diese Erkenntnis aus dem Papstbesuch dürfte uns aber als Alt-Katholiken stärken: „Wir sind eigentlich viel mehr!!“, wenn man sich die Aussagen und Kommentare verschiedener Persönlichkeiten und Medien anhört.

 

Dirk Hemmerich