Lasst dem Diakonat die Krankensalbung

Ein Plädoyer

 

Im deutschen Alt-Katholischen Bistum haben Diakoninnen und Diakone die Möglichkeit, stellvertretend für die Priesterin oder den Priester das Sakrament der Krankensalbung zu spenden. Da die Krankensalbung traditionell eng mit dem Sakrament der Buße und der Vergebung der Sünden verbunden ist, die dem priesterlichen Dienst zugeordnet sind, gibt es über diese Möglichkeit allerdings auch immer wieder Diskussionen.

 

Ich hatte es mir seit meiner Diakonatsweihe zur Regel gemacht, mindestens zweimal im Jahr im Rahmen eines Sonntagsgottesdienstes die Krankensalbung zu spenden – liturgisch problemlos auch ohne Bußsakrament und Sündenvergebung realisierbar. Einmal in der vorösterlichen Fastenzeit, einmal im Advent. Eine Tradition, die ich auch nach meiner Weihe zum Priester beibehalten habe.

 

Es war und ist mir ein Anliegen, die Krankensalbung vom noch immer verbreiteten Geruch nach der ‚letzten Ölung’ zu befreien und sie als eigenständiges Sakrament, als eigenständiges Heilszeichen Gottes für die Menschen, wieder erlebbar zu machen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es den Menschen gut tut, gesalbt zu werden und den mit diesem Sakrament verbundenen Zuspruch zu vernehmen: „Durch das Gebet der Kirche und durch diese Salbung stärke Dich der barmherzige Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, im Heiligen Geist. Er richte Dich auf und schenke Dir sein Heil.“

 

Ich kann dabei manchmal regelrecht spüren, wie sich seelische Schmerzen bei Salbung und Zuspruch auflösen und die Menschen sich von Gottes Heilswillen einhüllen und aufrichten lassen. Das Sakrament der Krankensalbung wird zu einem eindringlichen und hautnah spürbaren Zeichen der Nähe, die Gott dem Menschen schenkt. Ein Zeichen von Gottes Wunsch nach Heil für jeden Menschen.

Um wie viel mehr benötigen gerade auch die Menschen, die körperlich krank sind, diesen Zuspruch. In der Weiheliturgie zum diakonischen Dienst wird der Diakonin oder dem Diakon gerade dieser Dienst besonders ans Herz gelegt: Sich um die Kranken zu kümmern.

Deswegen finde ich das Sakrament der Krankensalbung bei den Diakoninnen und Diakonen am vollkommen richtigen Ort. Gerade sie sollten beim Besuch von Kranken die Möglichkeit haben, diesen im Sakrament der Krankensalbung Gottes Heilswillen zuzusagen und sie spüren lassen zu können: Gott will Dich heil.

 

Walter Jungbauer