Diakonin soll sie sein ...

Diakonischer Dienst und Diakonen-Konvent in der Alt-Katholischen Kirche

 

Bischof: „Liebe Hilde, da Dir nun der Dienst einer Diakonin anvertraut werden soll, so bedenke die Aufgaben, die Du damit übernimmst. Die Diakonin kümmert sich um die Armen, die Kranken und die Notleidenden. Sie stärkt die Gläubigen, nimmt sich der Zweifelnden an und bemüht sich um die Gleichgültigen. Sie verkündigt das Evangelium. Sie unterstützt den Bischof und seine Priesterinnen und Priester bei der Feier des Gottesdienstes, besonders bei der Austeilung der heiligen Kommunion. Der Bischof und die Pfarrerin sowie der Pfarrer können sie zudem beauftragen, die Taufe zu spenden und weitere seelsorgerliche Aufgaben zu übernehmen.

Liebe Hilde, diese Aufgaben warten auf Dich. Ich frage Dich nun vor der ganzen Gemeinde: Bist Du bereit, den Dienst als Diakonin in der Kirche zu übernehmen?“ Hilde: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Bischof: „Versprichst Du, Christus nachzufolgen, nach seinem Evangelium zu leben und in Gemeinschaft mit Deinem Bischof der Kirche Gottes treu zu dienen?“ Hilde: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Bischof: „Bist Du bereit, den Glauben, den wir zusammen mit der alten, ungeteilten katholischen Kirche bekennen, durch Wort und Tat zu bezeugen?“ Hilde: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Bischof: „Lasst uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er unsere Schwester, die er zur Diakonin berufen hat, und der ganzen Kirche Gnade und Segen in Fülle schenke.“

 

Mit diesen Worten erhielten wir Diakoninnen und Diakone bei unserer Weihe durch unseren Bischof unseren Diakonischen Auftrag. Alle erhielten wir denselben Auftrag – dennoch hat ein jeder von uns sein ganz individuelles diakonisches Profil entwickelt.

Die Ständigen Diakoninnen und Diakone unseres Bistum sind nicht im Hauptamt tätig, sondern im Nebenamt, im Zivilberuf, mit Zivilberuf, im Ehrenamt, als Nebenamtler. Viele Bezeichnungen, alle sagen aus: die Diakoninnen und Diakone haben einen zivilen Beruf und versehen ihren Dienst in der Kirche ohne Entgelt. Die Individualität im diakonischen Profil entwickelt sich durch den zivilen Beruf. Und dieser ist nicht immer unbedingt ein sozialer.

So kommen wir im Hauptberuf mit vielen Menschen, vielen Geschichten und Schicksalen zusammen. Den diakonischen Auftrag lassen wir nicht im Gemeindezentrum zurück. Durch die Weihe und unser Weiheversprechen stehen wir immer als Diakone im Leben.

Das ist spannend. Das ist manchmal nicht leicht, aber immer interessant. Es befruchtet unsere Aktivitäten in der Gemeinde, in der Kirche. Vergleichbar ist diese Verknüpfung von geistlicher Berufung und ‚säkularem’ Broterwerb mit der Situation der Priester im Zivilberuf, die in großer Anzahl ihren Dienst im Bistum tun.

 

Der diakonische Auftrag prägt uns im zivilen Beruf und der zivile Beruf wiederum prägt unser Diakonisches Handeln. Eine Symbiose, die stark ist und stark macht.

 

Diakonenkonvent

 

2004 gründeten wir mit ausdrücklicher Genehmigung und starker Anteilnahme und Begleitung durch unseren damaligen Bischof Joachim Vobbe den Diakonenkonvent. Die Diakone im ständigen Diakonat unterstehen traditionell dem Bischof direkt. 

 

Ausgelöst wurde die Gründung des Konventes durch den Wunsch, uns in unserer Vielzahl der Aufgaben und Lebenssituationen auszutauschen, uns zu stärken und in Krisenzeiten gegenseitig beizustehen, uns fortzubilden und gemeinsam an theologischen Themen zu arbeiten. Seitdem treffen wir uns einmal im Jahr, fast immer im März, von Freitag bis Sonntag in Schloss Friedewald.

 

Durch die Konstitution des Konventes haben sich sehr positive Veränderungen für uns ergeben. Alle, die möglichst regelmäßig an den Tagungen teilnehmen, sind einander näher gekommen. Wir kennen uns und unsere persönlichen Situationen. Wir können einander aufrichten und begleiten. Als Gruppe können wir Anliegen formulieren und uns Gehör verschaffen. Im engen Kontakt mit unserem Bischof sind wir fest mit dem Bistum verbunden. Eine große Freude ist für uns, dass sowohl Bischof Joachim als auch, seit seiner Wahl und Weihe, Bischof Matthias an jedem Konvent teilgenommen haben.

 

Natürlich könnten wir noch mehr sein, die im Schloss Friedewald zusammen kommen. Und wir wünschen uns noch mehr Aktivität in unseren Reihen. Jedoch verhindern gerade die Anforderungen unserer zivilen Berufe manchmal die Teilnahme.

 

Als wir uns unsere Satzung gaben, legten wir fest, dass der Konvent einen Sprecher und einen Stellvertreter hat. Alle zwei Jahre wird gewählt, abwechselnd Sprecher und Stellvertreter, falls nicht aus persönlichen oder dienstlichen Gründen vorzeitig eine Änderung notwendig ist. Inzwischen sehen sich beide Sprecher als gleichwertig an und agieren geschwisterlich miteinander. Zurzeit sind die Sprecher des Konventes Michael Weiße und ich.

 

Die Diakoninnen und Diakone sind darüber hinaus mit zwei Mitgliedern im fünfköpfigen Sprecherkreis der Geistlichen im Zivilberuf vertreten. Auch in diesem Gremium wird konstruktiv und mit gegenseitiger Wertschätzung gearbeitet und auch hier wünschen wir uns eine noch größere Beteiligung von innen und eine stärkere Wahrnehmung von außen.

 

Als sich der Konvent gründete, war es erklärtes Ziel, dass auch die Diakone, die sich auf das Priesteramt vorbereiten, obligatorisch Mitglied sind. Bislang konnte dies aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert werden, was wir sehr bedauern. Aber wir würden uns freuen, wenn sich die neuen Diakone, die am 3. Oktober in Koblenz geweiht werden, dem Diakonen-Konvent zugehörig fühlen und am nächsten Treffen vom 2. bis 4. März 2012 in Friedewald teilnehmen. Ich lade sie herzlich dazu ein.

 

Hilde Freihoff, Diakonin in Krefeld