Brot

 

Brot ist mehr als Brot. Es ist Symbol. In der Umgangssprache bedeutet Brot bis heute Nahrung und Lebens-unter-halt. Es symbolisiert also alles, was mit der materiellen Exis-tenz zu tun hat, und Broterzeu-gung meint mensch-liche Arbeit schlecht-hin.

Schon in früher Zeit wurde die Ver-gütung der Arbeitskraft mit Na-tura-lien durch die Entlohnung mit Geld er-setzt. Dennoch blieb der Gedanke des „Broterwerbs“ bis heute. Brot steht also für Geld und Lebens-unterhalt allge-mein: Man verdient seine Brötchen; Arbeit-neh-mer haben einen „Brötchen-geber“ – früher nann-te man ihn den „Brot-herrn“; man spricht neben dem „Brot-erwerb“ auch manch-mal von „brot-loser Kunst“. Dass der Mensch sein Brot „im Schweiße sei-nes An-gesichts es-sen“, also hart da-für arbei-ten muss, erklärt schon die Bibel (Gen 3,19), und die Römer wussten, dass man das Volk ruhig halten kann, wenn man ihm „Brot und Spiele“ gibt. Das Sprichwort „Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing“ zeigt, in welche Abhängigkeit der Mensch aus Sorge um seinen Le-bens-unterhalt geraten kann.

Wenn der Berliner ausdrücken will, dass etwas nichts kostet beziehungsweise ihm keine (finanziellen) Aufwendungen ent-stehen, sagt er „Det frisst ja keen Brot.“ Arme Leute hingegen „sparen sich das Brot vom Munde ab“, um über die Runden zu kommen oder sich mal etwas Be-sonderes zu leis-ten. Manch-mal muss man auch „kleine Bröt-chen backen“.

 

Im Vaterunser beten wir „unser täg-liches Brot gib uns heute“. Viele Menschen machen aller-dings die Er-fahrung: „Man kriegt heut-zu-tage nichts mehr ge-schenkt. Sein Brot muss man verdienen, wer das nicht kann, erhält staatliche Hilfe, die kommt aus den Steuern, die wie-de-rum von den Ver-dienern…“ - „Täglich Brot“ also nur für den, der’s auch ver-dient?

 

Das Le-ben lehrt – Gott sei Dank! – noch etwas Anderes, und das feiern wir an Erntedank, jenem „Okto-ber-fest“, des-sen Tradition in un-se-ren Brei-ten vor allem in den Kir-chen ge-pflegt wird.

Mit dem Erntedankfest soll einerseits dankend an die Ar-beit in Land-wirt-schaft und Gär-ten er-innert werden, an-derer-seits daran, dass es nicht allein in der Hand des Men-schen liegt, über aus-rei-chend Nah-rung zu verf-ügen. Wer Erntedank fei-ert, be-kennt sich durch-aus zu seiner und der anderen Leis-tung, aber eben auch dazu, dass der Mensch letzt-lich ein Be-schenkter ist. Der Mensch kann viel tun, aber nicht alles machen.

Davon spricht auch das Ern-te--danklied von Matthias Claudius:

 

„Wir pflügen, und wir streuen

den Samen auf das Land,

doch Wachstum und Gedeihen

steht in des Himmels Hand:

der tut mit leisem Wehen

sich mild und heimlich auf

und träuft, wenn heim wir gehen,

Wuchs und Gedeihen drauf.

Alle gute Gabe

kommt her von Gott dem Herrn,

drum dankt ihm, dankt,

drum dankt ihm,

dankt und hofft auf ihn!“

 

Ich wünsche unseren Gemeinden, dass wir immer mehr lernen, den Bo-den zu bereiten, die gute Saat zu säen, zur rechten Zeit zu ernten und dem dan-ken zu können, der allem Wachs-tum, Gedeihen und Hoffnung gibt.

 

Christian Edringer