Hat Gott Humor?

 

Aber natürlich! Sonst gäbe es die Alt-Katholiken nicht!

Obwohl ich jetzt schon über ein halbes Jahr bei den Alt-Katholiken Dienst tun darf (in Bottrop und Münster), ist für mich vieles immer noch neu. Deshalb weiß ich nicht, ob es ein Fehler war, ausgerechnet mich zu bitten, über den Züricher Kongress zu schreiben …

Ich fange mal von hinten an: Mein Schweizer römisch-katholischer (Ex-)Kollege, den ich vom Studium kenne, der in der Nähe von Zürich als Pfarrer arbeitet und bei dem ich übernachtet habe, sagte am letzten Abend nach dem Bankett, an dem er teilgenommen hatte, zu mir: „Ich sehe, du bist in eine sehr gute Gemeinschaft gekommen. Da muss ich mir um dich keine Sorgen machen.“ Er war schwer beeindruckt von dem, was er da erleben durfte.

Ich bin sehr dankbar, nach zweieinhalb Jahren Unterbrechung wieder als Priester tätig sein zu dürfen und wurde durch den Kongress in meiner Entscheidung für die alt-katholische Kirche bestärkt. Die Gottesdienste, die Referate, die Workshops (ich war zu Besuch in der Behinderteneinrichtung St. Jakob und beim Zeichnen eines Comics), der Ausflug zum Kloster Rheinau, das Bankett am Abschlussabend und die vielen Gespräche zwischendurch zeigten mir eine Bandbreite, die ich nicht unbedingt so erwartet hätte. Darüber hinaus hat die Züricher Gemeinde fast Unmenschliches geleistet: Es war alles super organisiert – mit dem Ergebnis, dass ich mir für die kommende Zeit unbedingt einen Fastenplan machen muss …

In Gesprächen mit Freunden und Bekannten über meinen Wechsel in die alt-katholische Kirche habe ich immer gesagt, was ich auch beim Kongress erlebt habe: Ich spüre mehr (theologische) Weite, mehr Menschenfreundlichkeit und auch Humor als bei „den Römern“. Ich muss nicht mehr „rumeiern“, wie das so oft früher der Fall war beziehungsweise sein musste, wollte ich den Menschen halbwegs gerecht werden. Natürlich „menschelt“ es auch bei uns. Der Vorteil, eine kleine und überschaubare Gruppe zu sein, ist eben gleichzeitig auch ein Nachteil, denn so manche „Pappenheimer“ sind sehr schnell bekannt, berühmt und berüchtigt.

Ich habe mich gefreut, dass ein Erzbischof sich einfach zu mir an den Tisch setzt, völlig unkomplizierte Gespräche möglich sind und keine Berührungsängste bestehen, dass ich neue tolle Leute kennen lernen darf, dass herzhaft gelacht wird, wir uns also nicht so wichtig nehmen, es trotzdem auch ernst zugeht und nicht alles der Beliebigkeit preisgegeben wird.

 

Inhaltlich möchte ich exemplarisch zwei Dinge herausgreifen: „Hat Gott Humor?“ war das Thema des Referates von Pfarrerin Henriette Crüwell aus Bonn. „Klar, sonst gäbe es die Alt-Katholiken nicht!“, war die erste Antwort, über die alle herzhaft lachen mussten. Oder anders mit dem Schriftsteller Gilbert K. Chesterton: Schließlich hat Gott den Menschen erschaffen. Wenn das kein Hinweis auf seinen Humor ist! Am Ende hieß es dann etwas tiefgründiger: Gott muss Humor haben, sonst wäre er nicht Mensch geworden.

 

Besonders haften geblieben ist mir die Begegnung mit Bischof Godofredo J. David von der Iglesia Filipina Independiente, der Unabhängigen Kirche der Philippinen, die unter ganz anderen Bedingungen lebt als wir in Europa. Sein Vorgänger Bischof Alberto B. Ramento wurde 2006 ermordet, weil er unermüdlich die Rechte der Armen und an den Rand Gedrängten verteidigte. Die Internationale alt-katholische Bischofskonferenz beschloss, den Namen von Bischof Ramento der Liste derer hinzuzufügen, die mit ihrem Leben für ihren Einsatz für das Königreich Gottes bezahlt haben. Um Gott für sein Zeugnis zu danken und ihn zu ehren, werden wir jedes Jahr an seinem Todestag, dem 3. Oktober, seiner gedenken.

Ich habe den Kongress genossen und hoffe, beim nächsten in vier Jahren in den Niederlanden wieder dabei sein zu können.

 

Reinhard Potts