„Wie ein völlig anderer Mensch“

 

Jetzt bin ich gerade erst aus Zürich zurück und soll sofort etwas schreiben, damit es noch in die September-Ausgabe von Christen heute gelangt. Die übliche Nach-Kongress-Müdigkeit ist noch nicht verflogen, Bilder, Stimmen, Sätze und Gedanken wirbeln in meinem Kopf herum. Aber, was soll’s, alle Daheimgebliebenen wollen ja erfahren, wie es so war in Zürich, also los:

 

Mein sechster Kongress begann schon morgens, weil ich – unverabredet, aber nicht unerwartet – im Zug acht weitere Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer traf. Locker plaudernd wurde uns die weite Anfahrt gar nicht lang. Der erste Eindruck, den ich dann ich Zürich erhielt, bestätigte sich in den nächsten Tagen immer wieder: Alles war perfekt geplant und vorbereitet. Die vielen Helferinnen und Helfer überboten sich an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Informationen wie auch Speis und Trank gab es gut und reichlich.

 

Der Kongress begann, wie er immer beginnt: Freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten, überall erklingt’s: „Wie geht’s dir ?“ – „Comment ça va? – „Hoe gaat et met u?“ – How are you ?“ Dann folgt das Sich-Bekannt-Machen mit vielen Unbekannten, das bis zum Schlusstag weitergeht. Und in jeder unverplanten Minute: Gespräche. Was ich bei den Kongressen gelernt habe: Wenn man sich verstehen will, klappt das, auch wenn man nur ein paar Brocken der anderen Sprache kennt. Und sonst findet sich immer noch ein hilfreiches Sprachgenie, das Italienisch, Polnisch oder Tschechisch kann.

 

Es wurde in allen Kongresssprachen gesungen und gebetet; dass ich nicht immer alles verstanden habe, wiegt gering gegen das wunderbare Erlebnis dieser vielsprachigen Gottesdienste.

 

Über das genaue Programm, den Inhalt der Vorträge, den Text der Predigten will ich nichts schreiben; das wird man anderswo nachlesen können. Leider war vorab kein gesondertes Programm für die Jugendlichen erstellt worden, so dass sich nur wenige Jugendliche angemeldet hatten. Die einzige, einstimmig verabschiedete Resolution dieses Kongresses will dies ändern.

Ich habe mir alle vier Vorträge angehört, die sehr gut waren. Schade fand ich, dass dazu keine Nachbereitung stattfand. Die Referentin und die Referenten gaben uns zwar Fragen zum Nachdenken mit auf den Weg, aber diese Fragen hätte ich doch sehr gerne mit Teilnehmenden aus anderen Ländern in einer Gruppe diskutiert.

 

Von den vielen Workshops hatte ich mir zunächst den Besuch der Behindertenwerkstatt ausgesucht. Es hat mich tief beeindruckt, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit viel Geduld, Freundlichkeit und Zuwendung ihren behinderten Kolleginnen und Kollegen beibringen, eine sinnvolle Arbeit auszuüben. Es war deutlich zu spüren, wie viel Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl diese Arbeitleistung den behinderten Menschen dort gibt. Die Bandbreite der angebotenen Arbeiten war enorm: Vom Kleben von Briefumschlägen über Korbflechten und Schreinern bis hin zur Herstellung von komplizierten elektronischen Teilen. Eine große Bäckerei mit Konditorei, Confiserie und Eisherstellung gibt es ebenfalls; das sehr gute Essen für den Kongress wurde von dieser Einrichtung geliefert.

 

Zum Thema des Kongresses passte dann der Workshop „Pantomime“: Wir lernten, angeleitet von einer hervorragenden Pantomimin, eine kurze stumme Szene aufzuführen. Wie sehr eine ausdrucksstarke Maske dazu führt, sich wie ein völlig anderer Mensch zu bewegen, hatte ich mir bis dahin nicht vorstellen können. An den Spaß und die Freude der Mitspielenden werde ich immer gerne zurückdenken.

Und sonst: Der Ausflug zum Rheinfall nach Schaffhausen und auf die Klosterinsel Rheinau – mit Schiffsfahrt, Orgelkonzert, gemeinsamem Imbiss – war ein wundervolles Erlebnis. Die Züricher Gemeinde hat wohl einen besonders guten Draht zu Petrus, denn der für diesen Tag angekündigte Stark-regen verwandelte sich in einen kurzen Schauer, und die Witterung im Juli hatte dafür gesorgt, dass der Rheinfall sich von seiner spektakulärsten Seite zeigen konnte.

 

 

Beim Schlussbankett fand zwar nicht wie sonst ein „Bunter Abend“ statt; was wir dort aber an Musik geboten bekamen, ließ uns diesen Bruch der Kongresstradition schnell vergessen.

 

Mein Fazit: Dieser Kongress ist seinem Motto „Denn mit Freude werdet ihr ausziehen“ voll gerecht geworden. Ich bin mir sicher, dass alle, die dort waren, die erlebte Freude in ihre Heimatgemeinden weitertragen werden.

Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Kongress, der im Jahre 2014 in den Niederlanden stattfinden wird. Für alle, die dorthin fahren wollen, hatten die Jugendlichen zum Schluss auf einem Plakat einen guten Tipp bereit: „Better you learn Dutch!“

 

Margret Dick