Athos

Heiliger Berg der Griechen und Garten der Göttlichen Mutter

 

Etwa 130 Kilometer südöstlich des internationalen Flughafens von Thessaloniki liegen die Hafenstädte Hierissos und Ouranopolis, in deren Namen (hieros = heilig, uranos Himmel / polis Stadt) schon der Zugang zur Insel der heiligen Mönche anklingt. Unzugänglich vom Land, ist die Halbinsel nur per Schiff zu erreichen, ein paradiesisches Eiland von etwa 60 Kilometern Länge und bis zehn Kilometern Breite, wo Himmel und Erde und Meer, die Elemente Erde, Wasser, Luft und Licht verbunden scheinen, Gottes herrliche Schöpfung, Schönheit und Kultur.

 

Mönchsrepublik

 

Für die rund 2000 Mönche in 20 Klöstern der autonomen Mönchsrepublik Athos wie auch für die täglich 120 Pilger scheint das Wort aus dem Psalm 42 zu stehen: „Richte mich, Gott, scheide mich von unheiligem Volk, rette mich von unausgeglichenen und boshaften Menschen – Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und führen in Dein Zelt; dort darf ich zum Altare Gotte treten, zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf.“

 

Aussteiger

 

Die Mönche sind Selbstversorger, teils auch Eremiten, Aussteiger aus allen Schichten der Gesellschaft, Griechen, Russen, Serben, Bulgaren, Deutsche und Franzosen; sie sind Handwerker und Unternehmer, sogar ehemalige Professoren der Sorbonne und von Harvard. Neben der täglichen Arbeit widmen sie sich vornehmlich der Betrachtung und dem Gebet zu Gott, dem Schreiben und der Kunst, vor allem aber der göttlichen Liturgie und der Seelsorge für all diejenigen, die sie aufsuchen.

 

Wachtturm der Orthodoxie

 

Der Athos gilt als Arche und Wachtturm der Orthodoxie, der ungeteilten Christenheit des ersten Jahrtausends. Der Völkerapostel Paulus besuchte am Athos die Stadt Apollonia auf seiner Reise von Philippi nach Saloniki und die ersten Christen zogen in der Zeit Konstantins des Großen auf den heiligen Berg. Besungen wurde der Athos indes schon von Homer als Reich Gottes (des Zeus: Zeus = Deus = Gott). Wir erinnern uns auch an den eitlen Versuch des Xerxes, die Halbinsel 480 vor Christus durch einen Kanal für seine Flotte vom Festland zu trennen. Unter dem Schutz der Kaiser von Byzanz erreichte der Athos mit seinen Klöstern und Bibliotheken Blüte und Ruhm im 10. bis 12. Jahrhundert; durch den Kaiser Alexios I Komnenos wurde er für heilig erklärt – und auch für weibliche Wesen unzugänglich, für Männerklöster nicht ganz unverständlich und bis heute trotz aller möglichen Vorstöße feministischer Europaabgeordneter gültig. Die Mönche genossen selbst unter der Zeit türkisch-muslimischer Herrschaft besondere Rechte, und sogar Hitler hat den Athos im Gegensatz zum Vatikan voll respektiert.       

 

Aufenthalt

 

Die Aufenthaltsgenehmigung für den Besuch vom Athos erfordert Empfehlungsschreiben und kostet 20 €. Sie ist gewöhnlich auf vier Tage beschränkt – bei freier Kost und Logis in den Klöstern. Hinzuzurechnen sind wenigstens je ein Tag in der Stadt Thessaloniki mit Hin- und Rückflug sowie ein Tag im Hafen zur Anfahrt mit dem Schiff, ein Budget von ca. 600-800 €. Ich habe die Reise dieses Jahr zu Pfingsten unternommen, mit Kleanthis, einem Zyprioten, zusammen mit zwei weiteren Zyprioten, einem Russen und drei Deutschen.

 

Geistliches Erlebnis

 

Der Reiseaufwand steht in keinem Verhältnis zum kulturellen und vor allem spirituellen Gewinn. Ich habe zwölf Kirchen und vier Klöster besucht, eine eindrucksvolle Priesterweihe sowie eine Dämonenaustreibung erlebt, sehr innige, tief Gott verbundene und hoch feierliche Liturgien, mit viel Weihrauch, Symbolismus und Magie, Herz und Seele ergreifenden Gesängen.

 

 

Mir ging auf, was Johannes Paul II meinte, als er im Hinblick auf die Orientalische Kirche davon sprach, die Christenheit habe “zwei Lungen zu atmen“, dass vor allem die reiche Glaubenspraxis und das liturgische Patrimonium der Orthodoxie anzuerkennen sei, die Orthodoxie in der Nachfolge und Lehre der Apostel und kollegialer Tradition Treue bewies (in den Enzykliken Orientale Lumen, Unitatis Reintegratio und Ut unum Sint). Wie wahr: Das monarchische Westrom nur eines der Patriarchate, die Orthodoxie synodal, Ostrom unbefleckt zum Beispiel auch von Kreuzzügen, mittelalterlicher Inquisition und Kolonisation.

 

Pilgerreise 2011

 

Wenn der eine oder andere Leser Interesse hätte: eine Pilgerreise in der zweiten Oktoberhälfte 2011 ist bereits in Planung! Bitte wenden an P. Hubert Michael Schweizer, Haus Abu Sina / Pillnitzer Landstr. 26, 01326 Dresden, abu-sina@arcor.de

 

Hubertus M. Schweizer