Alt-Katholische Öffentlichkeitsarbeit

 

Man hört zu wenig von euch!“ – „Wir müssten mehr Öffentlichkeitsarbeit machen!“ – „In den Medien tauchen wir kaum auf.“ Diese und ähnliche Aussagen fallen häufig, wenn es um die Öffentlichkeitsarbeit unserer Kirche geht. Die Enttäuschung im Unterton ist vor allem bei frisch beigetretenen alt-katholischen Schwestern und Brüdern kaum zu überhören. Schnell entsteht bei Einigen Frust. Denn die ganze Welt soll jetzt erfahren was für eine tolle Kirche wir doch sind – und da kann es gar nicht schnell genug gehen noch mehr und noch größere Werbung zu machen.

 

Schnell wird dabei vergessen, wie klein unsere Kirche ist und in welchem Verhältnis Aufwand und Nutzen von großen Werbekampagnen stehen. Über 130 Jahre kirchliches Bestehen der alt-katholischen Bewegung zeigen eindeutig: Die beste Öffentlichkeitsarbeit ist nach wie vor die Mund-zu-Mund-Propaganda jedes einzelnen Mitgliedes.

 

Wer sich an die größte Werbekampagne unseres Bistums Anfang der 1980er Jahre erinnert, der weiß, dass auch die auffälligste Werbung nach hinten losgehen kann. Die damalige Ausgabe der Zeitschrift Publik Forum etwa, in der im Namen unserer Kirche großformatig inseriert worden war, ist die einzige Ausgabe, die aufgrund von Leserprotesten komplett vom Verlag zurückgekauft wurde. Seitdem gibt es übrigens keine Werbe-Einlagen mehr in dieser Zeitschrift.

Wir stehen immer im Zwiespalt zwischen dem Ruf nach großen Kampagnen und dem Aufwand, der dafür zu betreiben ist. Häufig stoßen wir auch an unüberwindbare Grenzen, wenn zum Beispiel Artikel über uns einfach nicht veröffentlicht werden – obwohl eine Pressemitteilung nach der anderen das Ordinariat verlässt. Hier zeigt sich manchmal die Einseitigkeit beziehungsweise auch die unglaubliche Sensationsgeilheit von Medien. Wer sich etwa nur aus der Tagesschau über den Ökumenischen Kirchentag informierte, bekam ein Zerrbild vermittelt. Es galt medienseitig: Mit den Themen „Käßmann und Missbrauch“ ist der Bereich Kirche abgedeckt. Dass die zentralen Themen auf dem Kirchentag das Zusammenwachsen der Kirchen und vor allem die Möglichkeit ökumenisch Eucharistie zu feiern war, fiel dabei unter den Tisch.

 

Zurück zur Konzeption: Im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit tüftelten wir für uns aus, welche Werbestrukturen wir uns finanziell und arbeitszeittechnisch leisten können. Für uns war nach der Abklärung des finanziellen Rahmens wichtig, dass das zukünftige Design durchgängig zu erkennen ist. (In einer älteren Christen-Heute-Ausgabe wurde zum Thema „Corporate Identity“ schon einiges geschrieben.) Das neue Design sollte mit warmen Farben und dem Auge schmeichelnden Motiven für sich werben. Und so entstand als erstes, unter großem Einsatz von John Grantham aus Hannover, pünktlich zur Bischofswahl von Matthias Ring unsere neue Homepage. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv. Der erste Testballon war also erfolgreich gestartet.

 

Es war klar: Bei der neuen Homepage sollte es nicht stehen bleiben. Unsere inzwischen in die Jahre gekommene Wanderausstellung (die aufgrund der schon erwähnten Werbekampagne „Alt-ernativer Katholizismus“ entworfen wurde) sollte überarbeitet werden. Das Design der neuen Homepage wurde übernommen und auch die Stand-Technik so verfeinert, dass zukünftig ein PKW für die ganze Ausstellung, für einzelne Wände sogar der Transport im Zug oder per Post, reicht. Wieder war John Grantham zur Stelle, der die neuen Tafeln layoutete. Am Tag vor dem Ökumenischen Kirchentag in München wurde sie geliefert, und als wir den Stand aufbauten, waren wir begeistert! Der Aufbau selber ging wesentlich zügiger voran als mit der alten Ausstellung, und irgendwie wirkte alles stimmig.

 

An dieser Stelle sei bemerkt: Auch die neue Ausstellung ist nicht perfekt. Einige monieren den Titel „Alt-Katholiken“ – dieser sei geschlechtereinengend. Und auch technisch wird sich in Zukunft zeigen, ob die neue Ausstellung häufigem Auf- und Abbau ebenso gewachsen ist wie die alte.

 

Der Begeisterung und dem Engagement der Mitstreitenden an unserem Stand taten diese Fragen jedoch keinen Abbruch. Vor allem das Team der Stiftung Namen-Jesu-Kirche war eifrig mit dabei, brachte ihr „Kaffee-Fahrrad“ und einen ganzen Schwung an Mitarbeitenden mit. Auch einzelne Personen, kommend aus den unterschiedlichsten Gemeinden unseres Bistums, hatten sich bereit erklärt mitzuhelfen. Im Namen aller hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen möchte ich mich für das Engagement genau jener Mitstreitenden bedanken. Einige haben sogar die ganze Zeit über an unserem Stand verbracht und vom Rest des Kirchentags so gut wie nichts mitbekommen. Merci!

 

Zum Schluss noch ein paar Zahlen: Wir haben 1000 Stoff-Taschen mit der Aufschrift „Verheiratete katholische Priesterin feiert ökumenisches Abendmahl. Vision? Realität! www.alt-katholisch.de“ verteilt. Ursprünglich als reines Massenwurfmaterial gedacht, hatten wir lange vor Ende des Kirchentags keine einzige Tasche mehr. Sie wurden uns buchstäblich aus den Händen gerissen. (Mittlerweile sind sie nachgedruckt worden und bald in Ihrem Pfarramt oder dem Homepage-Shop zum Preis von 1 Euro zu beziehen.)

 

Ähnlich erging es den Infoflyern über unsere Kirche. Über 1300 Stück haben wir verteilt, und zwar nicht als Wurfblatt, sondern meist nach Gespräch mit Interessierten. Unser Stand war durchwegs gut besucht. Im Bereich „Gelebte Ökumene“ war er mit „Wir sind Kirche“ der am meisten Gefragte. Die Pressearbeit vor Ort erledigte kompetent Walter Jungbauer in Zusammenarbeit mit Ralph Kirscht. Auch im offiziellen Kirchentagsprogramm waren wir als Alt-Katholiken gut aufgestellt.

 

Ich bin mir sicher: Auch in Zukunft werden Sätze wie „Wir müssten mehr Öffentlichkeitsarbeit machen!“ fallen – aber die Mitarbeitenden auf dem ÖKT waren sich im Anschluss einig: Wir sind auf einem guten Weg.

 

Ulf-Martin Schmidt