Im Dienst des einen Herrn

Alexandra Caspari in der Podiumsdiskussion über das kirchliche Amt auf dem

Ökumenischen Kirchentag

 

Am Ökumenischen Kirchentag in München fand zum Brennpunkt „Amtsverständnis“, am Samstag, den 15. Mai, in der riesigen Messehalle C1 vor tausenden Leuten eine Podiumsdiskussion statt. Beteiligt waren Bischof Gerhard Ludwig Müller aus Regensburg, Pfarrer Ulrich Parzany, Verantwortlicher bei Pro Christ und im CVJM aus Kassel, Bischof Vasilios von der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland aus Stuttgart, Landesbischof Friedrich Weber, Vorsitzender der ACK Deutschland aus Wolfenbüttel und Pfarrerin Alexandra Caspari, Alt-Katholikin aus Augsburg.

 

Die Moderation hatte Professorin Stefanie Schardien aus Hildesheim, und für eine musikalische Auflockerung sorgte die Gruppe „aschira“ aus Meppen. Zudem gab Gisela Matthiae, Theologin und Clownin aus Gelnhausen, mit spitzen Bemerkungen zum Leitungsamt einen kabarettistischer Eingangsimpuls. In einem Kurzreferat nannte Professor Gunther Wenz, evangelischer Theologe, die „Ökumenischen Baustellen“, die Hauptunterschiede im Amtsverständnis:

Sind nur Männer oder auch Frauen im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt zugelassen?

 

Sollen nur zölibatäre oder alle Lebensformen erlaubt sein?

 

Ist der Ortspfarrer oder der Bischof das Urbild des kirchlichen Amtes (steht die Gottesdienst- oder die Diözesangemeinschaft im Vordergrund; ist die Volks- oder die Pastorenkirche das Leitbild)?

 

Erfolgt die Amtslegitimation durch den Dienst an der Gemeinde oder durch die Weitergabe und Delegation des Apostelamts (als Repräsentanten Christi)?

Steht die apostolische Sukzession oder eine inhaltliche Kontinuität im Vordergrund?

 

Pfarrerin Alexandra Caspari startete ihren ersten Podiumsbeitrag – nach kurzer Erläuterung des Begriffs „Alt-Katholisch“ – mit dem Vorzeigen der Jutetasche des Alt-Katholiken-Standes mit dem Text: „Verheiratete katholische Priesterin feiert ökumenisches Abendmahl – Fiktion? – Realität!“ Diese Realität sei in der Alt-Katholischen Kirche verwirklicht. Der tosende Beifall von tausenden Zuhörern veranlasste Bischof Müller bei seinem Beitrag zu einer pikierten Anmerkung über die „pro-evangelische Stimmung“ im Saal. Ein weiterer wichtiger Redebeitrag von Alexandra Caspari war die vermittelnde Position, dass die Amtslegitimation des Pfarrers von der Gemeinde und vom Bischof kommt.

 

Nachdem mehrere Redner versucht hatten, die Bedeutung der Ämterfrage sowohl als Frage der Ökumene wie als theologische Frage herunterzuspielen, vertrat sie ihre Ansicht, dass es sich sehr wohl um eine bedeutsame theologische Frage handle, wie eine Kirche ihre Ämter ordnet und wie sie das Kirchenvolk an dieser Macht teilhaben lässt. Es sei endlich an der Zeit, das Thema Macht positiv zu füllen: als ein Gestaltungsraum, den die Amtsträgerin oder der Amtsträger übertragen bekommt und an dem sie oder er andere teilhaben lässt. Momentan werde deutlicher als je zuvor, dass Macht in der Kirche nur als etwas Negatives wahrgenommen wird.

 

Obwohl der orthodoxe Bischof Vasilios über die Machtaspekte des Amtes gar nicht diskutieren wollte, schaffte es Alexandra Caspari, über die Diskussion der Gestaltungsspielräume im Amt darauf hinzuweisen, dass eine funktionierende Kontrolle des Amts die Glaubwürdigkeit der Institution verbessert und eine breite Machtverteilung die Motivation stärkt, sich am Gemeindeleben zu beteiligen. Insgesamt konnten die Alt-Katholiken über das Auftreten ihrer Vertreterin stolz sein!

 

Eine Anmerkung des Autors zum Schluss: Ob das starke Auftreten alt-katholischer Vertreter am Kirchentag mit eigenem Stand, in der Lima-Liturgie, bei mehreren Podiumsdiskussionen, im Gute-Nacht-Café und vielem mehr die alt-katholischen Gemeinden stärken wird? Margot Käßmann fand dazu am Freitag Nachmittag mit ihrem Beitrag zum Thema „Ich glaub nix, mir fehlt nix. Kirchliche Anknüpfungsversuche“ Worte, über die wir in den alt-katholischen Gemeinden nachdenken sollten: „Neu hinzukommende Menschen merken sofort, ob man sie in der Gemeinde wirklich will ...“

 

Johannes Reintjes