Auszüge aus der Predigt von Bischof Dirk Schoon

 

Matthias hier hat einen Wahlspruch gewählt, in dem nicht ein Paradox, sondern ein wirklicher Gegensatz verborgen ist: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheusbrief 1,6-14). Auf diese Weise ermutigt der Apostel Paulus seinen Schüler Timotheus, als Bischof in seinem Glauben stark zu bleiben. Wir befinden uns mit diesem Text in der zweiten Christengeneration. Das bedeutet, dass sie – genau wie auch der Apostel Paulus selbst – die ersten sind, die ohne direkte Erinnerung an den lebendigen und irdischen Jesus leben müssen. Die anderen Apostel konnten sich immerhin noch auf ihren direkten Umgang mit Jesus zu einer Zeit berufen, in der Jesus selbst mit seiner befreienden Auslegung der Thora und seinen Heilungen unter ihnen weilte. Man kann sich vorstellen, dass derjenige, der das erlebt hatte, für den Rest seines Lebens mit einem starken Glauben gesegnet war. Aber die nächsten Generationen?

 

Timotheus ist schon auf die Erzählungen und das Gehörte angewiesen, auf inspirierte Menschen, genau wie wir heute so viele Generationen später. Auf welche Weise wird uns der Glaube überliefert und wie tragen auch wir ihn wieder weiter? Und was ist die besondere Aufgabe des Bischofs dabei?

 

Wenn man sich an sein eigenes Leben erinnert, erinnert man sich vielleicht auch an inspirierende Personen, Menschen, die die Richtung des eigenen Lebens entscheidend beeinflusst haben. ...

 

Ich will nicht so schnell behaupten, dass die Aufgabe der Kirche, dem Glauben auf eine ansprechende und herausfordernde Art Gestalt zu geben, in unserer Zeit eine leichte Aufgabe ist. Gerade darum ist es gut, dass Ihr neuer Bischof Historiker ist, denn er weiß ganz einfach, dass es in der Vergangenheit weitaus schwierigere Zeiten gab.

Und dann die besondere Aufgabe eines Bischofs. Dafür kehre ich wieder zu Matthias’ Wahlspruch zurück. Für seine neue Aufgabe hat er nach Paulus – und ich kann das trotz meiner noch recht kurzen Karriere in diesem Fach bereits bestätigen – den Geist Gottes bitter nötig. ...

Dieser Geist ist es, über den Paulus sagt, dass es nicht ein Geist der Verzagtheit ist, sondern ein Geist von Kraft, von Liebe und Besonnenheit. Um mit dem Letzten einmal zu beginnen. Ein guter katholischer Bischof ist nicht der Chef, sondern der Diener des Ganzen. Besonnenheit bedeutet in diesem Zusammenhang: Zuerst einmal der Welt zuzuhören, der Kirche zuzuhören und dann vor allem denjenigen, die keine Stimme haben, die geknickt sind oder nur noch glimmen. Das bedeutet, dass man als Bischof sein eigenes Urteil zurückstellt, um zusammen mit der ganzen Kirche zu einem Urteil zu kommen. Matthias hat gesagt, er wolle die Synodalität in der Kirche fördern – wir werden ihn daran erinnern.

Außerdem nennt Paulus den Geist der Liebe, eines der in unserer Zeit am meisten missbrauchten Worte. Was bedeutet in der Bibel die Liebe anderes als die Knechtschaft Jesu, der nicht kam, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Liebe ist kein romantisches Bild von Kerzenlicht oder einer untergehenden Sonne am palmenbestandenen Strand, nein, Liebe bedeutet, sich selbst weg zu geben, um auf diese Art und Weise Anteil am Reichtum der Gnade Gottes zu erhalten und diesen dann wieder weiter zu geben. Wer aus diesem Reichtum lebt, nimmt von selbst Abstand vom Geist der Verzagtheit.

Und was ist das, diese Verzagtheit? Verzagtheit würde ich mit Mutlosigkeit umschreiben wollen, mit dem Gefühl „Ach, das wird doch sowieso nicht klappen“ oder mit der Feststellung „Das ist nun mal so!“ Wenn wir aus der Bibel auch nur eines lernen können, dann ist es das, dass nun einmal nicht alles „so ist, wie es ist“ und dass eigentlich alles auch anders sein kann, oder um es noch deutlicher zu sagen: dass diese andere Welt von der ersten Seite der Heiligen Schrift an verkündet wird. Dort wird uns der große Sabbattag vor Augen gehalten, der große siebte Tag, an dem alles in Gottes Schöpfung zur vollen Blüte kommt und wir Menschen von unseren Mühen ausruhen dürfen. Alles entsteht aus Gottes guter Absicht mit dieser Welt – das nennen wir Schöpfung, und wir können sie täglich so erleben, wenn wir mit den Augen des Glaubens schauen – und letztendlich wird alles auch enden in Gottes Himmel auf Erden.

 

Der Bischof (oder die Bischöfin) sorgt mit seiner (oder ihrer) ganzen Kirche dafür, dass dieser Glaube, diese Liebe und diese Hoffnung weitergegeben wird. „Wer gleicht dem Herrn, unserm Gott, im Himmel und auf Erden, ihm, der in der Höhe thront, der hinabschaut in die Tiefe?“ (Psalm 113, 5+6). Gesegnet dieser Gott, der uns seinen Geist gibt und gesegnet die Kirche, die aus diesem Geist lebt. Amen.

 

 

Segens- und Grußworte

 

Erzbischof Joris Vercammen

 

Am Ende dieses Gottesdienstes … darf ich Dich willkommen heißen im Kreis der alt-katholischen Bischofskonferenz. Mit der Beteiligung an der Handauflegung haben wir Dich schon in unseren Kreis aufgenommen, und wir haben mit Dir den Friedensgruß ausgetauscht als ein Zeichen unserer Bereitschaft, mit Dir unsere Verantwortung für die Kirche zu teilen. …

 

Wichtig ist, dass Du weißt, wie wir auf Dich zählen. Jeder Bischof hat seine eigenen Gaben und Möglichkeiten, und auf diese Weise sind wir in der Lage, zusammen die Verantwortung für die ganze Alt-Katholische Kirchengemeinschaft zu tragen. Und jetzt sind wir wirklich froh, Dich dabei zu haben mit Deinen Vorlieben und Deiner Begeisterung für die alt-katholischen Anliegen. …

Bei der Wahl ist die Kirche auf der Suche nach dieser Person, die schon vom Herrn gerufen worden ist. Der Heilige Geist macht es möglich, diese Person zu entdecken, und deswegen erleben wir jeden neuen Bischof auch als ein Geschenk des Herrn an die Kirche, und wir danken dem Herrn, dass er Dich, Bruder Matthias, uns schenkt als Mitbruder und Mitglied unserer Konferenz.

 

Wir sind alt-katholisch, weil wir einen Traum haben für die Kirche. … Ist die Frage, ob unsere Art von Kirchesein noch übereinstimmt mit dem Ursprung, nicht die einzige Frage, die von einem Bischof immer wieder gestellt werden muss? Es ist die Frage, ob die Kirche nicht zu viel mit sich selbst beschäftigt ist und nicht mit der Mission Gottes, die ihr Wesen ist. Ich lade Dich ein, Bruder Matthias, diese Frage im Rahmen der Bischofskonferenz lebendig zu halten, weil wir nur wichtig sind, wenn wir zu dieser Mission beitragen, um die es dem Herrn, unserem Gott, im Ursprung und im Prinzip geht. Wir wünschen Dir eine gesegnete Arbeit als Bischof!

 

 

Landesbischof Johannes Friedrich

Die Ikonografie sagt, Matthias wurde selten allein dargestellt, sondern fast immer in der Gemeinschaft der zwölf Boten, also des Jüngerkreises. Das könnte Ihnen als Leitbild dienen, kollegial Ihr Amt wahrzunehmen und nicht solistisch, in Ihrer Kirche und über deren Grenzen hinaus.

 

Als evangelisch-lutherischer Bischof wünsche ich mir, dass Sie „kollegial“ in ökumenischer Weite verstehen. Unsere Kirchen verbindet seit 1985 eine Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zur Eucharistie. Begründet wurde dies damit, dass der Wille Christi darauf ziele, dass die Kirche eine und einig sei. Als Zeichen des Gehorsams gegen den Willen Christi gewährt man sich nun diese Gastfreundschaft. Für mich hat die Vereinbarung von 1985 Modellcharakter. Auch andere Kirchen, die bei der ökumenischen Gastbereitschaft allzu zögerlich sind, könnten sie sich zum Vorbild nehmen.

 

Ich wünsche mir von Herzen, dass wir in Ihrer Bischofszeit unsere Beziehung vertiefen, vielleicht sogar erweitern.

 

 

Bischof Jonathan Gledhill

Es ist heute gut, nicht nur einen neuen Bischof begrüßen zu dürfen, sondern auch den alten Bischof schon jünger und entspannt zu sehen. … Bischof Matthias, wir werden uns zu beten verpflichten, dass Sie sich immer von Gottes Liebe bewacht wissen.

 

 

Metropolit Augostinos

Für Sie wie für uns ist klar: Unser tägliches Werk beginnt, ja es steht und fällt mit dem Lob Gottes. Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen und seinen Trost im Gebet, sowie Ausdauer und stete Freude für sein Lob. Ad multos annos, auf viele Jahre!

 

 

Rabbiner Walter Homolka

Als ich am Freitag Abschied nahm von meinen Studierenden und sagte, ich wäre heute hier, da merkte ich an der Reaktion, dass es schon als ungewöhnlich empfunden wird, den Schabbat bei einer Bischofsweihe zu verbringen. … Ich freue mich hier zu sein bei Freunden. Ich komme auch, weil nach jüdischer Anschauung das Christentum unser Partner in der Aufgabe ist, die Botschaft von dem einen Gott auf Erden zu verbreiten.

 

Es war Leo Beck, der die Verbundenheit von Katholiken und Juden betont hat in ihrer Wertschätzung der Tradition als dem zweiten Pfeiler neben der Schrift. Zu diesem Gedanken gehört die Möglichkeit zu Entwicklung und Veränderung des Glaubens aus der Erfahrung mit Gott, denn Tradition wird ja immer reicher und Anschauungen ändern sich. Dies lädt große Verantwortung auf die, die uns im Glauben anleiten und nun auch auf Sie, Bischof Matthias. Da ist es gut, sich bewusst zu machen, dass Gott immer mit Ihnen sein wird.

 

 

Dankworte von Bischof Matthias Ring

 

Ich habe mir eine Ansprache vorbereitet, in der Presseerklärung wird auch daraus zitiert. Jetzt tun wir einfach mal so, als ob ich die gehalten hätte, und ich sage jetzt einfach mal, was ich denke, was zu probieren ja nicht immer ganz ungefährlich ist. …

 

Ich danke Ihnen, den Gemeinden, für die bischöflichen Insignien. Ich werde noch ein bisschen brauchen, bis ich damit zurecht komme. Ich habe zwar auf den Rat eines Kollegen hin das Gehen mit dem Stab geübt, mit dem Nikolausstab, den wir in Regensburg haben, habe aber gestern bemerkt, dass mein Stab schwerer ist, und jetzt funktioniert das schon alles nicht mehr so. Also sehen Sie es mir nach, wenn die Choreographie in nächster Zeit zunächst mal etwas schlampig daher kommt. Ich werde üben!

 

An so einem Tag hört man viel Gutes über sich, und in den letzten Wochen habe ich ja auch viele gute Wünsche bekommen, und manchmal bin ich schon ein bisschen erschrocken.

 

Ich habe es ja schon öfters gesagt: Wir haben hier einen Bischof gewählt und keinen Messias. Sie haben auch mit mir einen recht durchschnittlichen Menschen, der seine Stärken sicherlich auch hat, aber auch seine Schwächen.

 

Eine konnten Sie heute schon bewundern: Ich kann schlecht singen. Aber ich werde es üben. Ich bin ein Mensch, der auch seine Grenzen hat. Bitte nehmen Sie mich in den nächsten Jahren als Mensch, auch wenn ich Ihnen mit Mitra und Stab gegenüber trete. Unter der Mitra ist dann doch auch nur ein Mensch. Nehmen Sie mich so, wie ich bin, auch wenn es manchmal nicht leicht ist – solche Tage kann es auch geben –; ich werde mich bemühen, Sie zu nehmen, wie Sie sind, und man darf die Vermutung anstellen, dass das auch an manchen Tagen nicht leicht ist.

 

Diese Kirche ist für mich bisher ein Glücksfall gewesen, und ich hoffe, dass das auch als Bischof so bleiben wird. Ich danke Ihnen!