Gemeinschaft

Wie ich die Bischofsweihe erlebt habe

 

Die Evangelische Stadtkirche in Karlsruhe war brechend voll, als die Diakone und Diakoninnen, die Priesterinnen und Priester und die Bischöfe am 20. März zum Weihegottesdienst eingezogen sind. Klar – so könnte man denken – bei so einem Event möchte man halt dabei sein. Das kommt nicht alle Tage vor, dass in unserer Alt -Katholischen Kirche ein neuer Bischof geweiht wird. So etwas möchte man schon mal miterleben. Vielleicht war das ein Grund nach Karlsruhe zu kommen und die teilweise weite Anreise auf sich zu nehmen – aber sicher war das nicht alles. Jedenfalls hatte ich bei diesem Gottesdienst ein anderes Empfinden.

 

Vielfalt

 

Es gab und gibt in unserer Kirche unterschiedliche Meinungen und Auffassungen – auch über das, was Kirche ist. Dass die verschiedenen Gemeinden dabei ein ganz buntes Bild von Kirche sind, ist gut und anregend. In all der Vielfalt ist es allerdings wichtig auch immer wieder zu erfahren, dass wir zusammengehören; es braucht die Erfahrung von Einheit. Ich finde, das ist gerade für uns Alt-Katholiken wichtig, weil wir in manchen Teilen unseres Bistums weit zerstreut unser Kirche-Sein leben müssen.

 

Einheit

 

Ich hatte während des Weihegottesdienstes mehr und mehr das Empfinden, in ganz besonderer Weise etwas von dieser Einheit zu spüren. Wenn auf Synoden in Diskussionen um diese Einheit gerungen wird und auf Dekanatstagen, Alt-Katholiken-Kongressen und Pastoralkonferenzen in Arbeitgruppen dazu Meinungen ausgetauscht und Konzepte erarbeitet werden, dann wurde in Karlsruhe die Einheit gefeiert.

 

Ökumene

 

Von meinem Platz aus hatte ich einen freien Blick auf die Bank der Ehrengäste aus der Ökumene. Neben einem Rabbiner saß ein Weihbischof der römisch-katholischen Kirche, neben dem Bischof der Mariaviten der Bischof der armenischen Kirche und der evangelische Landesbischof. Sicher war diese Sitzordnung nicht selbst gewählt, aber sie war ein Zeichen der Einheit, wie die Grußworte am Ende des Gottesdienstes gezeigt haben.

 

Noch eindrücklicher war für mich die Atmosphäre unter den vielen hundert Mitfeiernden: Gesammelt und heiter, gelöst und ernsthaft. Ein Gottesdienst ohne großen Schnörkel, der Kommunion spürbar gemacht hat – nicht nur beim Kommunionempfang.

 

Synodalität

 

Er wolle im Bischofsamt die Synodalität unsere Kirche stärken, so hat Bischof Matthias eines seiner Ziele beschrieben. Die Synodalität wurde durch diesen Gottesdienst ganz wesentlich gestärkt – ganz ohne Abstimmung. Oder besser gesagt: Die Anwesenheit so vieler war ein eindeutiges Votum.

 

Thomas Walter