Auf Pauli Spuren

Der neue Sprecher-Kreis: Fünf Geistliche im Zivilberuf

 

Eine befreundete evangelische Pastorin sagte vor einiger Zeit zu mir: „Wir werden alle noch viel mehr auf Pauli Spuren gehen müssen.“ Sie formulierte diese Ansicht vor dem Hintergrund der zurückgehenden finanziellen Ressourcen der Kirche, welche deutliche Einschnitte bei der Möglichkeit erkennbar werden lassen, vollberufliche Geistliche im bisherigen Ausmaß zu bezahlen.

Paulus, der Missionar, ohne den das Christentum sich wahrscheinlich nie in dieser Geschwindigkeit in der damals bekannten Welt ausgebreitet hätte, war Zeltmacher. Mit diesem Handwerk hat er seinen Lebensunterhalt verdient. Christlicher Missionar war er eher „nebenbei“. Mit den Geistlichen im Zivilberuf in unserem Bistum verhält es sich ähnlich. Auch sie haben im Regelfall einen „alltäglichen“ Broterwerb und engagieren sich in ihrer Freizeit für den Dienst in unserer Kirche.

 

In der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland hat während des Episkopates von Bischof Joachim Vobbe die Zahl der Geistlichen im Zivilberuf erheblich zugenommen. Während 1995, dem Jahr seiner Bischofsweihe, noch eine einstellige Zahl von ihnen im Adressverzeichnis zu finden war, stellen sie mittlerweile rund die Hälfte der aktiven Geistlichkeit des gesamten Bistums.

Oftmals ist es gar nicht möglich, in bestimmte Regionen vollberufliche Geistliche zu entsenden – schlicht auf Grund der begrenzten Mittel unserer kleinen Kirche. Nach meiner Einschätzung wird schon auf Grund der demografischen Entwicklung, der derzeitigen wirtschaftlichen Situation und dem mit diesen Faktoren zusammenhängenden kontinuierlichen Rückgang von Kirchensteuermitteln die Zahl der vollberuflichen Geistlichen zurückgehen. Wir werden zukünftig in unseren Gemeinden vermehrt auf Geistliche angewiesen sein, die zumindest in Teilzeit oder eben auch Vollzeit einem Zivilberuf nachgehen.

Das bedeutet natürlich auch: Die Gemeinden werden sich darauf einstellen müssen, dass die/der Geistliche möglicherweise nicht mehr so verfügbar ist, wie bislang. Denn die meisten Brotberufe unserer Zeit bergen nicht unbedingt die räumliche und zeitliche Flexibilität in sich, die man vielleicht bei einem Zeltmacher in der Antike vermuten kann. Und neben allem ehrenamtlichen Engagement ist auch die eigene Familie und Partnerschaft ein wichtiger Bereich, dem man Zeit schenken möchte und sollte. All das erfordert aktive Gemeinden und aktive Gemeindemitglieder – vielleicht wesentlich mehr als bisher.

Und natürlich ist die steigende Zahl der Geistlichen im Zivilberuf auch eine Herausforderung für die Zusammenarbeit in der gesamten Geistlichkeit unseres Bistums – egal, ob vollberuflich im geistlichen Dienst tätig, oder in Teilzeit, oder eben komplett nebenamtlich mit Zivilberuf. Notwendig ist dabei ein geschwisterlicher Austausch der Geistlichen untereinander, der geprägt ist von Achtung und Respekt vor den Begabungen und Fähigkeiten des jeweils anderen – egal, ob er seine Brötchen im Gemeindedienst oder einem anderen Beruf verdient.

 

Bei ihrer letzten Tagung haben die Geistlichen im Zivilberuf nun einen neuen Sprecher-Kreis gewählt: Diakonin Hilde Freihoff (Krefeld), Diakon Michael Weiße (Stuttgart), sowie die Priester Christopher Weber (Frankfurt am Main), Dirk Faulbaum (München) und Nikolaus Bachtler (Karlsruhe). Diese Sprecherin und diese Sprecher sind die Delegierten der Geistlichen im Zivilberuf für die Bistumssynode und vertreten deren Belange gegenüber der Bistumsleitung sowie den hauptberuflichen Mitbrüdern und -schwestern.

Schon in dieser Fünfergruppe wird die Vielfalt deutlich, welche durch die zivilberufliche Tätigkeit unter den Geistlichen unser Bistums bereichert:

 

Hilde Freihoff (57) beispielsweise: Sie ist Diakonin in der Gemeinde Krefeld, verheiratet, drei Kinder und bereits zwei Enkel. Im Zivilberuf hat sie sich zur Krankenschwester und für die Pflegedienstleitung ausbilden lassen. Sie kann ihren Brotberuf und ihre geistliche Berufung hervorragend verbinden, denn sie leitet im Moment den Sozialen Dienst und die Seelsorge im Altenheim im Dreikönigenhaus in Krefeld.

 

Eine ähnliche Verbindung schafft Michael Weiße (42), Diakon in der Gemeinde Stuttgart. Er ist Diplom-Sozialpädagoge und war lange Zeit für das Cafe Strichpunkt verantwortlich, welches sich um Männer kümmert, die Anschaffen gehen. Seit diesem Jahr ist er nun in der Vermittlung, Beratung und Qualifizierung hinsichtlich Kindertagespflege tätig.

 

Der Brotberuf von Nikolaus Bachtler (54), Priester in der Gemeinde Karlsruhe, scheint da schon etwas weiter von seelsorgerlicher Tätigkeit entfernt zu sein. Der heute verheiratete Verwaltungsbeamte und Theologe war zunächst römisch-katholischer Priester und wechselte 2001 in der Alt-Katholische Bistum. Seit 2001 arbeitet er als Organisator bei der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz. Dennoch versteht er sich auch und gerade in seinem hauptberuflichen Umfeld als Seelsorger – neben seinem priesterlichen Dienst in der Gemeinde Karlsruhe.

 

In Frankfurt am Main ist Christopher Weber (50) bereits seit 1992 als priesterlicher Zivi tätig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Auch er war zunächst römisch-katholischer Priester, und arbeitete nach seinem Ausscheiden aus dem römisch-katholischen Dienst zunächst als Sozialarbeiter bei der Rewe-Betriebskrankenkasse in Frankfurt, danach als Integrationsberater zur Eingliederung von behinderten Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt; seit 2001 ist er Leiter des Integrationsfachdienstes Rhein-Main. Die Rückkehr in den hauptberuflichen priesterlichen Dienst war für ihn nicht relevant: „Ob ein Geistlicher im bezahlten oder unbezahlten Dienst unseres Bistums steht, spielt für mich keine große Rolle. Macht er seinen Dienst gut, ist dieser unbezahlbar“, so Weber.

 

Der fünfte im Sprecher-Bund ist Dirk Faulbaum (50). Der Theologe und ehemalige Benediktiner lebt seit 1994 mit seinem Lebenspartner in München und arbeitet hauptberuflich in der beruflichen Jugendhilfe beim Beruflichen Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft. Seit 1997 war er als Diakon mit Zivilberuf in der Gemeinde München tätig. 2005 wurde er von Bischof Joachim Vobbe zum Priester geweiht. Auch er versteht sich als Seelsorger nicht nur im kirchlichen Bereich, sondern gerade auch in seinem beruflichen Umfeld.

Walter Jungbauer