Die Essener Friedenskirche

Ein Musterbeispiel eines urbanen Ensembles der Reformbewegung

 

Wer das Zentrum von Essen auf der Nord-Süd-Durchfahrt durchquert, kann lange auf ein urbanes Erlebnis warten. Erst der Monumentalbau der Alten Synagoge lässt erahnen, was urbane Architektur einmal zum Stadteindruck beizutragen im Stande war. Doch gleich nebenan, heute versteckt hinter hohem Baumbewuchs, erhebt sich ein weiteres Kleinod, das als komplex komponierter Stadtbaustein diese städtebaulich bedeutsame Ecke am Rande der Altstadt markiert. Es ist die alt-katholische Friedens-Kirche, die 1914-16 an der Steelerstraße/Ecke Bernestraße als letzter Teil einer Platzanlage mit dem so genannten Jahrhundertbrunnen und der Synagoge errichtet wurde. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, erfährt das in der Nachkriegszeit wieder aufgebaute und 1985 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude seit dem Jahr 1999 eine sukzessive Restaurierung und zählt zu den wenigen im Ruhrgebiet erhaltenen innerstädtischen Bauten einer reformorientierten Moderne.1

 

Der Standort liegt außerhalb des mittelalterlichen, bereits im 19. Jahrhundert zerstörten, Grindberger bzw. Steeler Tors an der Fortsetzung des Hellwegs nach Osten.2 1902 wurde der Grundstein für den so genannten Jahrhundertbrunnen (aus Anlass des 100-jährigen Gedenktags der Umwandlung von Stift in Stadt Essen) gelegt,3 der 1907 als freistehender Brunnen fertig gestellt wurde.4 Im gleichen Jahr fand ein Wettbewerb für den Entwurf einer Synagoge zwischen Alfredi-, Steeler und Bernestraße statt,5 die 1911-13 nach den Plänen von Edmund Körner (1874-1940, als Gewinner eines von drei ersten Preisen) entstand und in dessen Folge Körner für drei Jahre bis einschließlich 1911 zum Leiter der Entwurfsabteilung des Hochbauamtes Essen berufen wurde.6 Die konkrete Planung der Friedenskirche fiel in die Phase der Neubesetzung des Hochbauamtes zum 1. Januar 1912 mit Albert Erbe (1868-1922):7 Am 8. November 1912 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Neubau der Kirche hinter dem Jahrhundertbrunnen,8 Baubeginn war März 1914,9 am 31. Mai wurde der Grundstein gelegt,10 am 9. Juli 1916 die Einweihung gefeiert;11 die letzten Arbeiten wurden durch den Architekten Radeboldt begleitet.12

 

Die Stadt als Bauherr

 

Bauherr der Kirche war die Stadt Essen, und auch das Konzept war in erster Linie ein städtebauliches: Erdacht zur östlichen Innenstadterweiterung und zur „Verschönerung des Stadtbildes“,13 sollte an dem neu zu fassenden Platz mit dem bereits bestehenden Brunnen und der im Bau befindlichen Synagoge sowie der an die Synagoge sich anschließenden, noch nicht fertig gestellten Erweiterung der Oberrealschule und der gegenüberliegenden, ebenfalls unfertigen städtischen Badeanstalt der Anschluss geschaffen werden an die anliegende Bebauung. Dazu zählte das bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute, mehrfach erweiterte (und nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute) Kolpinghaus an der Steelerstraße,14 sowie der 1912 errichtete Bau des Hospizes des katholischen Gesellenvereins an der Bernestraße (seit den 1970er Jahren Katholisches Stadthaus)15 – beide zur Bauzeit der Friedenskirche noch freistehende Gebäude.16 Der bis zur Erbauung der alt-katholischen Kirche „abgesondert“17 dastehende Jahrhundertbrunnen war bereits von Körner um 1912 versucht worden, im Rahmen einer neuen Platzgestaltung „umzulegen“, damit dieser „einen ihm jetzt fehlenden Vordergrund bekäme.“18 Im Rahmen dieser Platzgestaltung waren bereits die alt-katholische Kirche und ein nicht realisiertes historisches Museum im Gespräch.19 Der Rheinisch-Westfälische Anzeiger erinnerte 1916 anlässlich der Einweihung daran, dass der Antrag auf die Errichtung eines Kirchenneubaus für die alt-katholische Gemeinde (die bis zur notwendig gewordenen Instandsetzung die St. Johannispfarrkirche am Burgplatz als Gotteshaus mitgenutzt hatte), „heiß umstritten worden“ sei, dass „man sich aber schließlich aus Gründen einer Verschönerung des Steeler Tores zu der Annahme der Vorlage verstanden“ habe.20

 

Vielfalt der Nutzung

 

Bemerkenswert ist die Vielfalt der Nutzungen, die in das Bauprojekt integriert wurden, denn bei der alt-katholischen Kirche handelte es sich nicht einfach um einen Sakralbau, sondern um einen multifunktionalen Komplex, der eine Vielzahl städtischer Funktionen beinhaltete: So kam zum eigentlichen Sakralraum für 300 Personen ein Gemeindesaal (die heutige Unterkirche), eine Schule für die Gemeinde, sowie in den darüber liegenden Geschossen die Pfarrwohnung und Wohnung für den Lehrer. Die erhöhte Lage ließ Ladenräume im Erdgeschoss an der Berne- und Steeler Straße zu, die im Raumprogramm von Beginn an mitkonzipiert waren.21 Der Komplex wurde so in einen sakralen Bereich mit Kirche und Versammlungsraum, in ein verbindendes/verteilendes Element in Form des Turms und in einen profanen Bereich mit Schule, Geschäften und Dienstwohnungen gegliedert. Der Gemeindesaal war für die Benutzung durch die Kirche, aber auch für sonstige Versammlungen der Stadt vorgesehen. Die Unterhaltungskosten daran übernahm die Stadt,22 die auch Eigentümerin des Grundstücks blieb und der alt-katholischen Gemeinde für das überbaute Gelände ein Erbbaurecht einräumte, sowie die Kirche auf eigene Kosten errichtete.23 Der Platz oberhalb des Brunnens war als Spielplatz für die Schule gedacht.24 Damit bot das Ensemble etwas, das heute als mixed use im Munde aller Stadtplaner ist: eine Vielfalt städtischer Funktionen vom Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Versammeln, Bilden bis zum Erholen. Und das alles auf kleinstem Raum, der seinerseits die private Parzelle ebenso umfasste wie den öffentlichen Bereich. Wenn es also ein Lehrstück über städtische Vielfalt und die enge Verknüpfung unterschiedlichster Aktivitäten im städtischen Raum gibt, so ist es der Komplex der alt-katholischen Kirche.

Die unterschiedliche Nutzung der Räumlichkeiten zeigt sich auch am Außenbau auf den ersten Blick. Jeder Bauaufgabe ist ein möglichst signifikanter Bautyp zugeordnet. Unter- und Oberkirche bilden einen erhöhten Saalbau, der durch sein ehemals auffällig geschwungenes und hoch aufragendes Mansarddach sowie seine raumhohen Bogenfenster seine sakrale Sonderrolle manifestiert. Geschäfte, Schule und Pfarrwohnung sind in einem städtischen Haus untergebracht, das sich bruchlos in die Straßenflucht einfügt. Der Turm wiederum ist einerseits klassischer Kirchturm, andererseits auch Eingang für die öffentlichen Bereiche des Komplexes und übernimmt damit auch die Funktion und Form eines Wendelsteins. Die Markierung des öffentlichen Raums erfolgt über eine einladende Freitreppe, monumentale Terrassenmauern sowie den Jahrhundertbrunnen.

 

Auch die Höhenstaffelung markiert die unterschiedlichen Bereiche: Der Turm als Achse und Verteiler überragt beide Baukörper, dann folgt in der Höhe das Kirchenschiff, zuletzt der Schul-/Wohn-/Geschäftsbau. Durchlaufendes Element ist der Sockelbereich, der über der Brunnenanlage sowohl an den Gebäuden entlang als auch frei stehend als Brüstung im Eingangsbereich vor dem Turm geführt wird. Dieser Sockelbereich nimmt die Gliederung des Nachbargebäudes an der Bernestraße auf und wird als Gesims entlang der Chorseite der Kirche an der Steeler Straße geführt. Die Traufkante des Schul- und Wohntrakts wird als Kämpfergesims an der West- und Chorseite der Kirche fortgesetzt; das Sturzgesims über den Fenstern der Schule findet seine Fortführung über dem Eingang im Turm.

 

Kirche

 

Die Kirche wird über vier Fenster an der Westseite (deren ursprüngliche Verglasung heute ersetzt ist) und die Fensterrosette im Chor belichtet; ein Blindfenster im Eingang und im Bereich neben der Altarnische machen den Kirchenraum nach außen ablesbar. Die künstlerische Ausstattung stammt von Jan Thorn Prikker (1868-1932),25 löst sich von den Details des baulichen Konzepts und bezieht lediglich die Gesamtkomposition mit ein: So zieht sich die (heute rekonstruierte) Malerei der Decke symmetrisch über den Gesamtraum, nimmt jedoch keinen Bezug auf die Fensteröffnungen und deren Spiegelung an die Ostwand.

 

Den Dächern kam ursprünglich eine entscheidende Funktion für die Lesbarkeit des Ensembles zu; entsprechend aufwändig und eindringlich waren sie gestaltet. Das Mansardwalmdach des Kirchenschiffs erhob sich über Gesims und Fries und war im unteren Bereich konvex gewölbt, während das ebenfalls gewalmte Mansarddach des Schul- und Wohnbaus im unteren Teil eine konkave Form aufwies. Diese Schwingungen dieser subtilen Komposition gipfelten einst im konkav eingeschwungenen Dachkegel des Turms. Heute ist der Turmhelm wie das ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstörte Dach der Kirche und der Schule in vereinfachter Weise wiederaufgebaut, die der Signifikanz des Ensembles und seiner einzelnen Teile nicht gerecht wird.

 

Bezug zur Alten Synagoge

 

Doch das Ensemble der Alt-Katholischen Kirche ist nicht nur selbstbezogen. Im Gegenteil: Neben seiner Einfügung in die Straßenwände der Berne- und Steelerstraße zeichnet es sich vor allem durch seinen Bezug zur Alten Synagoge aus. Dabei nimmt die Kirche in ihrer Formensprache vor allem durch subtile Unterschiede auf die Synagoge Bezug. Beide Gebäude bilden durch Rück- und Vorsprünge, konvexe und konkave Bauelemente den Rahmen des Platzes, wobei die Synagoge eher als hervorspringender Körper, die Kirche hingegen als zurückspringende Raumfolie wirkt. Unterschiedlich sind sie auch in ihrer Materialität: Während die Synagoge mit bossiertem Naturstein (Muschelkalk) verkleidet wurde,26 ist die Friedenskirche aus Ziegeln erbaut, zeitgenössischen Angaben zufolge aus Rücksicht „im Hinblick auf die benachbarte Synagoge […], die in ihrer Eigenschaft als überwiegendes Element in dem Städtebild nicht beeinträchtigt werden durfte und der gegenüber der Neubau möglichst zurückhaltend gestaltet werden musste. […] Nur für die Architekturteile, für die Futtermauer des hochgelegenen Vorhofs und für den Treppenaufgang zur Kirche kam Werkstein zur Verwendung, und zwar wurde die Futtermauer als Ergänzung des Jahrhundertbrunnens in Muschelkalk und die übrigen Teile in Ettringer Tuffstein ausgeführt.“27 Dementsprechend waren an den Gebäuden der Kirche lediglich die Gesimse, die freistehende Brüstung, die Tür- und Fensterumrahmungen, die horizontale Wandgliederung der Chorseite nach außen mit den beiden dort eingebauten Dekorelementen Löwe und Greif, die Fensterrosette, die Kapitelle der Pilaster, sowie die Rahmung des Giebelfeldes und die Konsolen des Frieses – und, heute nicht mehr erhalten, vermutlich die Dekorelemente des Turms unter dem Ansatz des Helms – aus Naturstein erbaut, Sockel und Wandflächen bestanden aus Ziegelstein.

 

Schlichte Moderne

 

Die Zeitgenossen argumentierten bezüglich der alt-katholischen Kirche mit „schlichter“ Moderne, „schlanker“ und „lichter“ Linienführung, „maßvoller“ Formgebung, „sparsamer Verteilung des Ornaments“.28 Stilistisch ist daher das Ensemble der Kirche keineswegs einfach dem ausgehenden Historismus des 19. Jahrhunderts zuzurechnen. Die Formensprache steht vielmehr im Zusammenhang der zeitgenössischen Moderne, die durch eine Wiederbelebung der Tradition um 1800 eine Reform der Architektur anstrebte. So liegen die von Erbe gewählten Bautypen, Bauelemente und Bauformen ganz im Einklang mit eher schlichten Bauten des 18. Jahrhunderts, wie sie etwa Paul Mebes 1908 in seinem Buch „Um 1800“ mit zahlreichen Abbildungen propagiert hatte. 29 Ebenfalls ein Zug, der im Einklang mit zeitgenössischen modernen Tendenzen steht, liegt in der malerischen Gestaltung des Ensembles. So sehr die einzelnen Teile aufeinander Bezug nehmen, so sehr sind sie auch wieder voneinander abgesondert. Vor allem die bewegte Silhouette und die eigenständige Körperlichkeit der Bauteile tragen zu einem Gesamteindruck bei, dessen Kompositionsprinzipien aus Erfahrungen der malerischen Landhauskomposition gewonnen sind, wie sie gerade im Jahrzehnt vor dem Entwurf der alt-katholischen Kirche durch Hermann Muthesius‘ Propagierung des Englischen Landhauses erneut verbreitet worden waren. Erbes Werk steht damit den Bestrebungen des Deutschen Werkbunds näher, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

Ebenfalls schon von den Zeitgenossen wurde die Qualität als „architektonisches Ensemble“ am neu entstandenen Platz betont.30 Das Konzept ist urban gedacht, kombinierte Räume für Glauben und Versammlung (Kirche, Gemeindesaal), für die Erziehung (Schule), Wohnen und Verkauf (Geschäfte). Auch die Untere Denkmalbehörde argumentierte bei der Unterschutzstellung in den 1980er Jahren in erster Linie mit der „platzbildenden Funktion am Steeler Tor“, also städtebaulichen Gründen, ferner berücksichtigte sie die künstlerische Ausstattung und architektonische Qualität.31 Noch heute liegt das Ensemble in der Achse wichtiger, erhaltener Sichtbeziehungen vom Hauptbahnhof oder Burgplatz; durch hohen Bewuchs und der durch den vereinfachten Wiederaufbau bedingten niedrigen Dach- und Turmhöhe ist die Kirche jedoch im Stadtbild heute kaum noch wahrnehmbar.

 

Malerischer Städtebau

 

Gerade mit seiner städtebaulichen Konzeption stellt das Ensemble der alt-katholischen Kirche ein herausragendes Zeugnis des malerischen Städtebaus im frühen 20. Jahrhundert dar, wie er sich in der Folge von Camillo Sittes einflussreichem Buch „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ verbreitete. Erbe folgte dabei ganz direkt einzelnen Regeln, die Sitte in seinem Buch aufgestellt hatte, wie etwa dem Einbau von Sakralbauten in die Blockrandbebauung, der Platzraumbildung durch möglichst geschlossene Platzwände (was Erbe immerhin für seinen Bauplatz realisierte), dem Freihalten der Platzmitte von Monumenten (dem der an die Terrassenmauer geschmiegte Brunnen entspricht), dem Ausnützen von Niveauunterschieden und der malerischen Kompositionsweise von Plätzen in Grund- und Aufriss. Darüber hinaus lässt sich jedoch Erbes Entwurf ganz direkt auf den bekanntesten Platzentwurf von Camillo Sitte beziehen, den Entwurf für den Kirchenplatz in Marienberg in Mähren 1902/03. Schon Sitte hatte seine Kirche auf einem Podestplatz mit Brunnen positioniert, der über eine Freitreppe zu erreichen war. Auch Sittes Kirche war mit Nebengebäuden, von denen eines ebenfalls ein Mansardwalmdach trug, in die umgebende Platzbebauung eingebunden. Mit dieser Übernahme aller wesentlichen Elemente kann die alt-katholische Kirche geradezu als eine Adaption von Sittes Musterentwurf an das spezielle Grundstück in Essen gedeutet werden.32

 

Auch zu anderen Autoren des traditionalistischen Reformstädtebaus zeigt Erbes Entwurf eine große Nähe. So knüpfte er an Paul Schultze-Naumburgs Vorstellungen an, die dieser unter dem Eindruck von Sitte in seinen Kulturarbeiten formulierte: Im Hinblick auf Straßenführungen ist hier von konkaven und konvexen Kurven als ergänzende Bewegungen, die das Straßenbild zusammenschließen, die Rede,33 von im Städtebau nach der Jahrhundertwende bedauerlicherweise fehlenden „Ecken, Vorsprüngen, Plätzchen und Winkeln, die gleichsam stille Inseln im flutenden Verkehr bilden und so den Vorüberhastenden zu einem Verweilen, Um-sich-blicken oder auch kurzem Gespräch einladen“34 (wobei vorspringende Ecken und Hausflügel hier als „interessante Hausgestaltung“35 und Eingangsmöglichkeiten empfunden werden). In Bezug auf Kirchen und Platzgestaltung schlussendlich liest sich Schultze-Naumburg als Befürworter der in einen Baublock eingebundenen Anlagen, wie sie sich traditionell im innerstädtischen Kontext finden und ablehnend gegenüber den spektakulären Freistellungen von Kirchen im ausgehenden 19. Jahrhundert, die Thema der Denkmaldebatten wurden (wie in Köln, Ulm, Split, um nur die bekanntesten zu nennen).36 Wie eng Erbe diesem auf historischen Stadtanalysen basierenden Diskurs verbunden war, zeigt nicht zuletzt seine eigene publizistische Tätigkeit: 1906 hatte auch er einen Band zum Thema „Historische Städtebilder aus Holland und Niederdeutschland“ veröffentlicht,37 in dem einige Vorträge aus seiner Hamburger Zeit wiedergegeben waren. In ihnen pries er in Wort und Bild die zusammenhängenden Städtebilder, die die historischen Städte prägten und die er in seinem Werk bei der alt-katholischen Kirche schließlich auch selber umsetzen sollte.

 

Bei der alt-katholischen Kirche von Albert Erbe handelt es sich also um ein ebenso kurioses wie herausragendes Beispiel des malerischen Städtebaus des frühen 20. Jahrhunderts, das nicht allein als direkte Adaption von Sitteschen Grundsätzen, sondern auch als Teil der traditionalistischen Reformbewegung dieser Zeit zu verstehen ist. Seine bis heute gültigen städtebaulichen Qualitäten von der Funktionsmischung bis zur ortsbezogenen Gestaltung machen nicht allein seine Erhaltung zur unabdingbaren Pflicht, sondern lassen auch seine stadtbildlich wirksame Wiederherstellung wünschenswert erscheinen.

 

Silke Haps, Wolfgang Sonne

 

Die Zahlen im Text beziehen ich auf die Anmerkungen; der Originalbeitrag mit Anmerkungen kann über layout@christen-heute.de angefordert werden.