Starke Frauen auf dem Weg

 

Unter diesem Motto stand die baf-Jahrestagung 2009. Auf vielfältige Weise haben wir starke Frauen kennengelernt, wir konnten von ihnen lernen, was Frauen stark macht, wir haben uns selbst als starke Frauen in Gemeinschaft erfahren, verbunden miteinander und unsere eigenen Stärken achtend.

Doch der Reihe nach: Die Einladung schickte uns in das Herz-Jesu-Kloster nach Neustadt an der Weinstraße, wo es – wie immer – ein herzliches Begrüßungshallo gab. Am Abend dann eine erste Einführung ins Thema. Wir überlegten in Gruppen, was uns zu dem Wort „stark“ einfällt. Schon bei dieser Arbeit wurde die Vielfältigkeit des Begriffes deutlich und auch unsere eigenen unterschiedlichen Bezüge dazu.

 

Was macht uns stark? Das war die Frage am Freitagmorgen und eine Antwort darauf gab uns die Referentin Irene Wimmi, die uns die Theorie des „affidamento“ nahebrachte. Worum geht es dabei? Affidamento ist das italienische Wort für „sich anvertrauen“. Es waren italienische Philosophinnen, die diese Bedeutung, in der Beziehung von Frauen untereinander, zuerst entdeckt haben. Ausgehend von der Frage, wie entsteht weibliche Freiheit, fanden sie heraus, dass Freiheit in Beziehungen entsteht, in denen wir uns anvertrauen und wachsen können. Dabei ist das Begehren, „desiderio“ das Wünschen, unsere Sehnsucht, der Kompass. Wann ist eine Frau sie selbst? Dann, wenn sie ihr Begehren leben kann, wenn Sie das tun und sein kann, was sie ganz spezifisch ausmacht. Dabei ist das Begehren eine mächtige Kraft, sich nicht auf Außenerwartungen festlegen zu lassen. Aber es ist auch wichtig einzusehen und zuzulassen, dass ich nicht alles kann. Ich bin nicht in allem selbstständig und autark, und das ist auch gut so. Ich lebe in unterschiedlichen Beziehungen und kann diese nutzen. Ich kann mir von anderen helfen lassen und auch Hilfe geben. Dabei ist es wichtig, eine Kultur der Wertschätzung zu entwickeln, und zu benennen, was ich geleistet und gelernt habe, und zu danken für das, was ich lernen und erfahren konnte. Unterschiedlichkeit bringt Bewegung und Leben, nicht alle müssen den besten Kuchen backen oder den Computer am besten bedienen können, wir können teilen und voneinander lernen. Uns einer anderen Frau anzuvertrauen, von ihr zu lernen, heißt nicht, dass wir uns unterordnen sollen, sondern es heißt: Wir können Ansprüche an sie stellen, wir können etwas von ihr erwarten. Weibliche Stärke, weibliche Größe ist keine Bedrohung, sondern eine Chance, miteinander zu wachsen. Jede in ihre eigene Richtung, nicht in die der anderen.

Dabei ist es auch wichtig, sich in Beziehung zu setzen zu den Frauen, die vor uns waren. Nachzufragen und wahrzunehmen, auf welchen Schultern stehe ich, wer gehört zu meiner Ahnenreihe.

 

Der spannende Morgen hat viele Impulse gegeben. Am Nachmittag stand unsere Kreativität im Mittelpunkt. In unterschiedlichen Workshops konnten wir unseren Beziehungen nachspüren. Erzählcafé, Schreibwerkstatt, Malen, Lebensweg legen, Perlenarmband oder Mandala malen, all das lud uns ein, auf eine andere Art über unsere Stärken und unser Leben nachzudenken.

 

„Sich auf den Weg machen” – so lautete das Thema der liturgischen Nachtwanderung am Abend.

Im Schein von Kerzen und Fackeln gingen wir gemeinsam betend, singend und schweigend durch die Nacht, dem Unterwegssein nachspürend. Hielten inne an einer Weggabelung, stärkten uns bei einer Rast, und versammelten uns zum Abschluss um ein Feuer im Hof.

Am Samstag wurde uns eine starke Frau vorgestellt: Maria von Magdala. Brigitte Glaab aus Aschaffenburg hat uns mitgenommen nicht nur in die biblischen Geschichte der Begegnung von Maria mit dem auferstandenen Jesus, sondern auch in die Geschichte der Maria von Magdala in der Bibel und in der Kirchengeschichte. In den Evangelien ist Maria von Magdala neben Maria, der Mutter Jesu, die am häufigsten genannte Frau. Ihre wichtige Rolle wird dadurch bezeugt, dass sie immer die Liste der Frauen, die Jesus folgten, anführt. Sie wird übereinstimmend als Zeugin für Kreuzigung, Tod und Auferstehung Jesu genannt. Von ihrer Vorgeschichte ist nur bekannt, dass sie Jesus nachfolgte, nachdem er sie geheilt hatte.

Im Laufe der Kirchengeschichte veränderte sich das Bild von Maria von Magdala. Eine päpstliche Verordnung im sechsten Jahrhundert legte fest, dass Maria von Magdala, Maria, die Schwester von Martha und Lazarus, und die Frau, die Jesus salbte, die gleiche Person sind. Später kamen noch die Ehebrecherin und eine Eremetin aus Ägypten hinzu. Die Vermischung dieser Rollen führte uns Brigitte Glaab eindrucksvoll anhand von Bildern und Gemälden vor.

Die Betrachtung der Auferstehungserzählung in Joh 20,1-8 zum Abschluss dieses Vormittags führte uns durch eigenes Mittun und Mitspielen in die besondere Dynamik dieses Textes ein: Vom hektischen Suchen nach dem Leichnam Jesu, über die Begegnung mit dem vermeintlichen Gärtner, das Erkennen von Jesu und das Davoneilen, um die Auferstehung weiter zu erzählen.

Ein wirklich spannender Vormittag.

 

Am Samstagnachmittag wurden die Ideen des letztjährigen Zukunftsgipfels noch einmal lebendig. Was konnte umgesetzt werden, was hat noch nicht geklappt, was ist auf dem Weg. Ein Highlight war u.a. das baf-Mobil, das durch die Lande fahren kann, um neue Frauen für baf zu begeistern.

Samstagabend, der Feier-Abend: „baf und die starken Frauen“, mit wahrhaft starken Wikingerinnen, die mit uns auf eine abenteuerliche Kreuzfahrt gingen, bis tief in die Nacht hinein.

Sonntagmorgen. Die gemeinsame Eucharistiefeier. Wir hörten die Weggeschichte von Tobias, der sich zusammen mit einem Engel auf den Weg macht, den Schatz seines Vaters zu finden, und dabei die Liebe und Heilung für seinen Vater findet. Mit Mendelsohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ haben wir tanzend nachgespürt, wie sich dieses Geschütztsein anfühlt, wir haben uns gegenseitig den Frieden zugesagt und Mut machende Briefe mitgenommen; wir haben eine Seilschaft gebildet, die trägt und die uns halten kann. Ein Stück Seil durfte jede mit nach Hause nehmen, um dieses Gefühl der Gemeinschaft nicht zu vergessen.

 

Nach dem Mittagessen war es Zeit für den Aufbruch, denn starke Frauen sind ja auf dem Weg. Ich denke, es macht das besondere der baf-Jahrestagung aus, dass so viele unterschiedliche Frauen sich gemeinsam auf neue Dinge einlassen und sich immer wieder miteinander auf den Weg machen - hoffentlich auch 2010, dann wieder in Schmerlenbach.

 

Liesel Bach

 

 

Schritt für Schritt

 

Bereits die Einladung klang interessant und anregend. So machte ich mich am 22. Oktober Kilometer für Kilometer auf den Weg zur baf-Tagung nach Neustadt, gespannt und voller Vorfreude, starke Frauen auf ihrem Weg kennen zu lernen. Drei Tage in einem Kloster wohnen, mitten im Naturpark Pfälzer Wald, Abstand vom Familien- und Berufsalltag, andere alt-katholische Frauen aus dem Bistum kennenlernen, das alles zusammen – so dachte ich schon im Vorfeld – kann einfach nur toll werden. Neugierig und interessiert bin ich angekommen und noch neugieriger – so viel kann ich schon vorweg nehmen – bin ich wieder abgefahren.

Gleich bei der Ankunft werde ich als „Neue“ vom baf-Vorstand herzlich willkommen geheißen und auch noch bis zu meinem Zimmer geleitet. Das ist natürlich ein wohltuender Start, da ich als einzige Teilnehmerin aus meiner Heimatgemeinde Baden-Baden angereist war und sofort im Kreis aufgenommen werde. Das Zugehörigkeitsgefühl stellt sich prompt bei mir ein.

 

Hier nun eine kleine Auswahl aus meiner persönlichen Hitliste dieser so ganz besonderen Tage:

Der Sektempfang vor dem Begrüßungsabend – erstes Kennenlernen – fröhliche und erwartungsvolle Gesichter.

Das „Begrüßungsritual“: jede wird wahrgenommen und willkommen geheißen. Am Tisch sitze ich mit Frauen aus Nordstrand, aus Aachen, aus München, aus Frankfurt. Wie schön, dass ich dabei sein kann.

Das gemeinsame Singen, oft mehrstimmig – mal lustig-heiter – mal berührend und bewegend.

Erste Ideen zum Thema starke Frauen, aufgeschrieben auf großen Plakaten, die durch die ganzen Tage begleiteten.

Am ersten Morgen ein spannender Auftakt mit der Referentin Irene Wimmi, die uns Frauen – immerhin 64 – mit ihrem Vortrag zum Thema „Affidamento“ (von: AffidamentumSich-Anvertrauen) begeisterte. Eine Begeisterung, die über die ganzen Tage spürbar ist und bei mir sogar bis zum heutigen Tag anhält.

Am Nachmittag fällt mir die Entscheidung schwer. Die angebotenen Workshops sind in gleicher Weise verlockend. Ich entscheide mich für: „Mein Lebensweg als Frau“. Gespräche und Gedanken, die kreative Gestaltung der verschiedenen Etappen des eigenen Lebenswegs lassen Vertrauen untereinander entstehen und führen zu offenen Gesprächen in der Gruppe. Ein extra Dankeschön für diesen besonderen Workshop.

 

Am Abend führt uns eine liturgische Nachtwanderung durch den angrenzenden Wald. Unsere Fackeln und Kerzen erhellen die Nacht, die meditativen Gesänge und Texte berühren und bewegen mich sehr.

Nächster Tag. Thema heute ist die Geschichte von Maria von Magdala. Die Referentin Brigitte Glaab (aus den eigenen Reihen) vermittelt uns durch vielseitige Erläuterungen und ein breites Spektrum ihrer Recherchen so manche neue Sichtweise über diese Frau, ergänzt mit Bildern und Texten.

Der Abschlussabend gekrönt von einem echt starken Wikingerteam namens baf-Vorstand, einer orientalischen Tanzeinlage von Daniela, fröhlichen Gesängen, witzigen Ratespielen und „Hüft-Gold“ vergeht so schnell wie die kompletten Tage zuvor.

Extra für uns: Strahlender Sonnenschein am letzten Tag beim gemeinsamen Gottesdienst. Im großen Kreis sitzend mit allen Frauen – erlebe ich einen ganz besonderen Gottesdienst – ein ganz starkes Miteinander! Für mich auch ein absolutes Novum, dass ausschließlich Frauen den Gottesdienst gestalteten. Diese Feier werde ich nicht so schnell vergessen.

Nicht vergessen werde ich auch die Begegnungen und Gespräche mit so vielen interessanten, unterschiedlichen und engagierten baf-Frauen – phantastische „Mädels“ seid ihr alle!

Dem Vorstand gebe ich eine 1+ mit Stern für das gesamte Konzept.

 

So, und jetzt bin ich neugierig auf die nächsten Begegnungen; denn eines ist für mich ganz klar: Meine Anmeldung im nächsten Jahr ist sicher! Gott segne die Frau’n.

 

Bettina Wende