Bischofsweihe der Mariaviten

 

Sonntag, der 20. Juni 2010, war ein großer Tag im Leben der Alt-Katholischen Kirche der Mariaviten in Polen. Gab es doch an diesem Tag wieder eine Bischofsweihe in deren Plocker Kathedrale der Liebe und Barmherzigkeit. Plock ist das Zentrum der alt-katholischen Mariaviten mit der hellen und in Weiß gehaltenen eindrucksvollen Kathedrale sowie den anderen Gebäuden. Die Alt-Katholische Kirche der Mariaviten zählt etwa 30.000 Mitglieder, davon 25.000 in Polen und 5.000 in Frankreich. Sie ist gegliedert in die drei polnischen Bistümer Warschau-Plock, Schlesien-Lódz sowie Lublin-Podlaska. Hinzu kommt noch ein für Frankreich zuständiges Bistum mit Amtssitz in Paris.

 

Gäste aus der alt-

katholischen Ökumene

 

Bei der Bischofsweihe mit Eucharistiefeier war die Kathedrale völlig überfüllt. Viele zum Teil mit großen Bussen angereiste Mariaviten mussten stehen und konnten nur vor der Kathedrale der Weihehandlung beiwohnen. Unter den eingeladenen Gästen waren unter anderen als Vertreter der alt-katholischen Utrechter Union der emeritierte Bischof Bernhard Heitz aus Österreich sowie auch Alt-Katholiken aus Deutschland.

Weihegottesdienst

 

An der Weihe des neuen Bischofs Piotr Maria Bernard Kubicki einen Tag später und mittags um 12.00 Uhr nahmen alle Mariavitenbischöfe teil. Hauptkonsekrator war der Leitende Bischof Ludwik Maria Jablonski vom Bistum Warschau-Plock. Ihm assistierten die Bischöfe Zdzislaw Maria Wlodzimierz Jaworski (Bistum Schlesien-Lódz), André le Bec (Bistum Paris-Frankreich) sowie Antoni Maria Roman Nowak (jetzt im Ruhestand und früher für das Bistum Lublin-Podlaska zuständig). Es fiel auf, dass die mariavitischen Gläubigen sich auch ohne dass Gebet- und Gesangbücher ausliegen offensichtlich gut in der Liturgie und den Kirchenliedern auskennen. Bei der Bischofsweihe und der Eucharistiefeier wirkten auch ein Chor und eine Blaskapelle mit. Besonders eindrucksvoll war der Sologesang des Ave Maria.

 

Nach der vollzogenen Weihe des neuen Bischofs Kubicki und der Übergabe der Mitra an ihn begaben sich alle Bischöfe vom Altarraum bis vor die Tür der Kathedrale, um die Gläubigen zu segnen. So manches erinnerte in vielfältiger  Weise an die Weihehandlung vor einigen Wochen in Karlsruhe für den neuen deutschen alt-katholischen Bischof Dr. Matthias Ring.

Bei der Eucharistiefeier gingen dann so gut wie alle Christinnen und Christen zur Kommunion, wobei die Kirchenzugehörigkeit keine Rolle spielte. Für deutsche und österreichische Alt-Katholiken war es etwas ungewohnt, dass die Hostie in ein kleines Einsatzgefäß mit Wein in der Mitte des Kelches eingetaucht und dann den Gläubigen auf die Zunge gelegt wurde.

 

Grußworte

 

Nach der Predigt des Leitenden Bischofs Jablonski am Ende der Eucharistiefeier, in der er auch auf die Utrechter Union Bezug nahm, gab es mehrere Grußworte führender Geistlicher aus verschiedenen Kirchen, so von einem Vertreter der Polnisch-Katholischen und Polnisch-Orthodoxen Kirche, der Römisch-katholischen Kirche und für den verhinderten Erzbischof Dr. Joris Vercammen, dem Vorsitzenden der Internationalen alt-katholischen Bischofskonferenz der Utrechter Union, durch Bischof emeritus Bernhard Heitz.

Erzbischof Vercammen wies in seiner von Bischof emeritus Heitz verlesenen Grußbotschaft auf die brüderliche Verbundenheit der Utrechter Union mit den Mariaviten hin. Insbesondere brachte er in dem Schreiben seine Freude darüber zum Ausdruck, dass es wieder mehr Bewegung in den wechselseitigen Beziehungen gibt. Er machte auch auf den gegenwärtigen offiziellen Dialog beider Seiten aufmerksam und dass Bischof Jaworski bei der letzten Sitzung der Internationalen alt-katholischen Bischofskonferenz in Wislikofen dabei war. Darüber hinaus betonte der Erzbischof dankbar die gemeinsame ökumenische Mission für die Welt. Die Anwesenheit von Bischof emeritus Heitz als Überbringer dieser Botschaft solle als ein Zeichen der Verbundenheit verstanden werden.

 

Zur Person von Bischof

Kubicki

 

Natürlich gab es vor und nach der Weihe von Bischof Piotr Kubicki Gespräche über seine Person, seinen Werdegang sowie seine künftige Arbeit als Bischof. Bisher war er Pfarrer in Lipka, einem Ort bei Stryków. Hier wurde er auch 1948 geboren. Die Vorbereitung auf den Beruf als Geistlicher erfolgte im Priesterseminar in Plock. Das Theologiestudium absolvierte er an der Warschauer Universität. Die Jugendarbeit lag ihm immer sehr am Herzen, ebenso die Tätigkeit beim Rundfunk. Er engagiert sich auch stark für die Wiederaufnahme der Alt-Katholischen Kirche der Mariaviten in die Utrechter Union der alt-katholischen Kirchen und ist Mitglied einer entsprechenden Dialogkommission.

 

Das Bistum Lublin-Podlaska, für das jetzt Bischof Kubicki zuständig ist, zählt 9 Pfarrgemeinden mit 12 Filialen, die von 7 Pfarrern betreut werden. Bei den Mariaviten ist der Bischof gleichzeitig auch Pfarrer einer Gemeinde.

 

Sakramentsgemeinschaft

Alt-Katholiken – Mariaviten

 

Bei Gesprächen anlässlich der Bischofsweihe wurde auch die Frage gestellt, warum außer den Alt-Katholiken der Niederlande sowie der Polnisch-Katholischen Kirche keine weitere alt-katholische Kirche der Utrechter Union eine offizielle Sakramentsgemeinschaft mit den alt-katholischen Mariaviten eingegangen ist. Dies sollte doch an und für sich keine Schwierigkeiten bereiten und würde den zahlreichen Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Mariaviten in die Utrechter Union mit Sicherheit dienlich sein. Grundlage für eine offizielle Sakramentsgemeinschaft könnte dabei etwa die Vereinbarung zwischen Alt-Katholiken und Anglikanern aus dem Jahre 1931 sein. Heißt es doch da im dritten Satz: „Interkommunion verlangt von keiner Kirchengemeinschaft die Annahme aller Lehrmeinungen, sakramentalen Frömmigkeit oder liturgischen Praxis, die der anderen eigentümlich ist, sondern schließt in sich, dass jede glaubt, die andere halte alles Wesentliche des christlichen Glaubens fest“. 

  

Alfons Fischer