„Wir wollen es einfach tun“

Ökumenische Eucharistiefeier auf dem ÖKT

 

Auf dem zweiten Ökumenischen Kirchentag in München fand am Donnerstag-Nachmittag, dem 13. Mai 2010, in der Evangelischen Erlöserkirche die wohl einzige Ökumenische Eucharistiefeier während des Ökumenischen Kirchentages statt. Der alt-katholische Bischof Dr. Matthias Ring stellte unter lang anhaltendem Beifall bei der Begrüßung der rund 800 Christinnen und Christen, die sich in dem vollbesetzten Gotteshaus zusammengefunden hatten, gleich am Anfang programmatisch fest:

 

„Was man über eine Ökumenische Eucharistiefeier sagen könnte, ist alles schon gesagt worden. Jetzt wollen wir es einfach tun.“ Und so begrüßte er die Anwesenden als „Ökumenische Mittäterinnen und Mittäter“ dieser Eucharistie.

 

Mit am Altar standen von Seiten der evangelischen Kirche der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Braunschweig, Prof. Dr. Friedrich Weber, der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dr. Martin Dutzmann, der Pfarrer der gastgebenden Erlöserkirche, Dr. Florian Ihsen, und die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die auch die Predigt hielt. Von Seiten der Anglikanischen Kirche war der Bischof der Diözese Southwark, Nicholas Baines, nach München gekommen.

 

Regionalbischöfin Breit-Keßler sagte in ihrer Predigt, wir dürften als Kirche nicht der Gefahr erliegen, unser Profil zu verlieren. Wir dürften uns nicht der Welt anpassen, sollten uns aber auch nicht aus der Welt zurückziehen, oder sie fundamentalistisch bekämpfen – denn die Botschaft Christi sei in die Welt gesprochen, und es sei unsere Aufgabe, Himmel und Erde zu verbinden. „Wie im Himmel so auf Erden drückt Vertrauen in einen Gott aus, der mehr ist als die eigenen Fähigkeiten. Vertrauen darauf, dass Grenzen nicht das Ende aller Möglichkeiten bedeuten. Auf eine denkbare, wenn auch zeitlich begrenzte Verwirklichung des Himmels auf Erden. Der gegenwärtige Himmel ist Verpflichtung, mit der eigenen Gegenwart etwas zu ihm beizutragen“, so Breit-Keßler. Die Unterscheidung zwischen Himmel und Erde mache es möglich, die Augenblicke zu genießen, in denen sich Himmel und Erde begegnen. Ausgehend von dieser Vater-unser-Bitte „Wie im Himmel, so auf Erden“ ging sie auch auf den Grund der großen Sehnsucht der Christenmenschen aller Konfessionen nach dem gemeinsamen Abendmahl ein: „Weil wir wissen, dass unser Herrenmahl ‚made in heaven’ ist, vom Himmel kommt, um uns auf Erden die Unendlichkeit spüren zu lassen.“

 

Bereits im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentages hatte Bischof Ring deutlich gemacht, dass nicht die Kirchenspaltungen das Problem oder gar ein Skandal seien, wie oft gesagt werde, „sondern die Art und Weise, wie die Kirchen nach der manchmal unvermeidlichen Trennung miteinander umgehen.“ Gemeinsam die Eucharistie zu feiern, sei nicht nur ein Zeichen für die bestehende Gemeinschaft zwischen Kirchen, sondern könne auch ein Weg sein, um wieder zueinander zu finden.

 

Der eucharistische Gottesdienst folgte der Lima-Liturgie. Diese Liturgie wird so genannt, weil sie am 15. Januar 1982 erstmals auf einer ökumenischen Tagung im peruanischen Lima gefeiert wurde. Auf dieser Tagung wurde auch die „Konvergenzerklärung über Taufe, Eucharistie und Amt“ verabschiedet. Diese Erklärung zeigt die grundlegenden Übereinstimmungen der im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) vertretenen Kirchen im Verständnis von Taufe, Eucharistie und Amt auf. Die Lima-Liturgie gibt Gemeinden, welche die Eucharistie bewusst ökumenisch feiern wollen, eine Anleitung an die Hand.

 

Walter Jungbauer