Werkstattgespräche zur „Stiftung Namen-Jesu-Kirche“ in Bonn

 

Wesentliches Ziel aller Werkstattgespräche ist es, zu einem Konzept für die Nutzung des Kirchenraumes in Bonn und der Arbeit der Stiftung zu gelangen, das im Interesse des gesamten alt-katholischen Bistums ist. In offener Runde sammeln wir daher Ideen und Gedanken, aus denen die Leitlinien für die Nutzung der Namen Jesu Kirche hervorgehen. Anlässlich des zweiten Werkstattgespräches, das von der „Stiftung Namen-Jesu-Kirche“ ausgerichtet wurde, durften wir dabei aufs Neue erfahren, wie vielfältig unsere Kirche ist. Diese Vielfalt wird immer wieder in weit gespannter Kreativität und im Ideenreichtum der Menschen sichtbar, die bereit sind, sich in die Sache der Namen-Jesu-Kirche einzubringen. Diese Gedanken und Ideen sollen später in der Kirche für vielfältige Möglichkeiten sorgen, die Gegenwart Gottes zu erfahren.

 

Der Gast wird zum Gastgeber

 

Das Gespräch am 16. Januar 2010 stand unter dem Thema „Emmaus – das Gasthaus am Weg – Ein biblisch-pastorales Leitbild für die Namen-Jesu-Kirche“. Die Leitung hatte Ralph Kirscht aus Bonn. Er fasste kurz den Inhalt des Evangelientextes Lukas 24,13-35 zusammen und führte dann die 15 Teilnehmer mit Hilfe der Methode des „Bibliodramas“, in der biblische Texte dramatisch angeeignet und umgesetzt werden, in den Tagesablauf ein. Es gelang uns unter Ralph Kirschts kundiger Anleitung die Identifikation mit der Lage nach der Kreuzigung Christi, geradezu ein Abtauchen hinein in die damalige Lebenssituation der Menschen, so kurz nach den schrecklichen Ereignissen in Jerusalem. Dadurch gewannen wir ein tieferes Verständnis dieses Evangelientextes.

 

Unser besonderes Augenmerk legten wir auf das Erscheinen Christi im Verlauf des Evangeliums. Seine Gegenwart in Emmaus und die Wandlung aus der Rolle des Gastes heraus in die des Gastgebers im Hause der Jünger eröffnete uns die Thematik des Tages. Den Abschluss des Bibeltextes bildet die Rückkehr nach Jerusalem – für uns war es der Zeitpunkt, an dem wir die Einzelerfahrungen aus der Spielsituation miteinander reflektieren konnten.

 

Sammlung biblischer Leitlinien für die Namen-Jesu-Kirche

 

Die beiden ersten Werksattgespräche zu den Themen Gastfreundschaft und Emmaus machten deutlich, dass diese Kirche ein herausragendes Beispiel für praktizierte alt-katholische Gastfreundschaft sein soll, mit einem Konzept, welches dies für die Besucher direkt sichtbar werden lässt. Ausgehend von den Erfahrungen im Bibliodrama wurde dieser Gedanke so präzisiert, dass sich die Namen-Jesu-Kirche als ein Ort mit offener Tür präsentieren möge, der auf Fremde einladend wirkt. Beim Besuch der Kirche sollen die Menschen Erfahrungen machen dürfen, die ihnen die Augen für das Wesentliche im Leben aufgehen lassen und ihnen neue Impulse geben. Gleichermaßen sollen sie dort Ruhe genießen dürfen, aber auch die Möglichkeit nutzen können, an den verschiedensten Angeboten teilzuhaben.

 

Vision für die Namen-Jesu-Kirche

 

Die Namen-Jesu-Kirche liegt in direkter Nachbarschaft zum Beethovenhaus mitten in der Bonner Innenstadt. Tagtäglich zahlreiche Stadtführungen, Touristen oder Bonner, die ihren Weg vorbei an den Türen der Namen-Jesu-Kirche oder in sie hinein nehmen: Wir als Alt Katholiken haben hier die Möglichkeit, diese Menschen ohne Ansehen ihrer Herkunft als Gäste willkommen zu heißen und noch viel mehr. Damit können wir nicht sofort beginnen, da die Kirche bis Ende 2011 vom Land Nordrhein-Westfalen grundlegend saniert und uns dann übergeben wird. Wir möchten die Zeit bis dahin nutzen, um die Vision vom „Geistlichen Gasthaus an den Wegen der Menschen“ zu gestalten – gemeinsam mit allen hieran Interessierten. Nach den Erfahrungen aus den ersten beiden Gesprächen wünschen wir uns, dass künftig eine große Zahl von Menschen aus möglichst vielen Gemeinden des Bistums teilnehmen wird, so dass eine Vielfalt entsteht, die bereichert. Die Gespräche ermöglichen aktive Mitwirkung an der Entwicklung und Gestaltung des Konzepts für die Namen-Jesu-Kirche !

 

Die Termine der Werkstattgespräche finden Sie in dieser Ausgabe unter Termine und im Internet unter www.Stiftung-Namen-Jesu-Kirche.de.

 

Peter Kesseler

 

Die Namen-Jesu-Kirche als Kathedrale?

 

Das 3. Werkstattgespräch am 6. März in Bonn war das bisher bestbesuchte. Und es war eine besondere Freude, auch Teilnehmer aus dem ganzen Bistum zu begrüßen. Dies lag wohl an dem besonderen Thema, welches uns im Bistum erst umtreibt, seitdem die Diskussion über das Projekt Namen-Jesu-Kirche begonnen hat: Die Namen-Jesu-Kirche als Kathedrale? Oder Bischofskirche? Oder doch lieber genannt Bistumskirche? Oder brauchen wir so etwas gar nicht?

 

Pfarrer Oliver van Meeren aus Saarbrücken und Pfarrer Oliver Kaiser aus Hannover, die trotz widrigster Wetterbedingungen und sehr viel Arbeit in ihren Pfarreien den Weg nach Bonn gemacht haben, bereiteten uns einen sehr spannenden und informativen Tag. Pfarrer van Meeren erläuterte am Vormittag in anschaulicher Weise die Herkunft unseres Kirchenrechts und der Synodal- und Gemeindeordnung mit ihren Intentionen und Lücken. Er brach die Frage nach einer Kathedrale, des Standorts des Predigtstuhls eines Bischofs, herunter auf die Frage: Sind wir noch eine Notkirche? Was heißt das überhaupt? Woher kommt dieser Begriff?

 

Besonders interessant und bereichernd waren hier die Beiträge, die der gewählte Bischof Matthias Ring beisteuerte, der glücklicherweise seine Wartezeit auf den nächsten Zug dazu nutzte dabei zu sein und die Fragen auch noch einmal in einen gesamtkirchlichen und historischen Kontext zu stellen.

 

Pfarrer Kaiser beleuchtete in seinem Vortrag und in der anschließenden Gruppenarbeit genauer die Fragen: Was ist eine Kathedrale? Wie kann oder soll ein solches Gebäude aussehen und gestaltet sein? Vor welchem liturgischen Hintergrund muss man die gesamte Diskussion führen? Und welche vielleicht umherschwirrenden Mythen und individuellen Assoziationen gibt es in diesem Zusammenhang?

 

Dabei machte Pfarrer Kaiser deutlich, dass Kathedralen in den anderen Ortskirchen der Utrechter Union üblich sind. Und dass die wichtigste Bezugsgröße nicht die Pfarrgemeinde, sondern die Ortskirche, das heißt das Bistum, die Kirchenprovinz, ist: Kirche ist die um den Bischof versammelte Gemeinschaft, die das Heilswerk Christi empfängt und fortführt. Die Bezeichnung ecclesia cathedralis bedeutet Kirche mit einer Cathedra, einem Lehrstuhl, und das macht deutlich, dass eine Kathedrale nicht zwangsläufig mit einem Baustil in Verbindung gebracht werden kann, sondern die Funktion hier ausschlaggebend ist. Die Kathedrale ist also ein Ort, von dem aus gelehrt wird.

 

Ein „Ergebnis“ konnte dieses Werkstattgespräch nicht haben, denn die Diskussion um die Notwendigkeit einer Kathedrale ist eine gesamtkirchliche Diskussion. Aber den Teilnehmern hat es tiefe Einblicke gewährt, und die gesammelten Gedanken werden wie von allen Werkstattgesprächen in einem gesonderten Heftchen zusammengefasst und veröffentlicht.

 

Dieter Klein