Spiritualität - weiblich? Mystisch? Erlebbar!

baf-Wochenende in Oberschönenfeld

 

Zwanzig Frauen hatten sich zu diesem Thema vom 5. bis zum 7. Februar 2010  im Zisterzienserinnenkloster Oberschönenfeld bei Augsburg zusammen gefunden. Zum zweiten Mal hatte baf zu einem Wochenende mit Pfarrerin Alexandra Caspari eingeladen. Gemeinsam gingen  wir den Fragen nach, was Spiritualität und Liturgie eigentlich sind. Spiritualität, das wurde dabei deutlich, ist das, was uns Sinn und Geborgenheit gibt. Der Begriff wird individuell, unterschiedlich gedeutet. Liturgie hingegen ist gemeinsames und geformtes Tun, in eine bestimmte Form gebrachte Spiritualität oder auch gefeierte Theologie. Liturgie lebt vom Mitvollzug aller Mitfeiernden. Weil Liturgie Sprechen in einen geöffneten Raum ist, in dem Transzendenz erfahrbar werden soll, ist die Erfahrung, nicht vorzukommen, nicht genannt zu werden, besonders ausschließend.

 

Welche eigenen Erfahrungen haben wir gemacht? Aus welchen Erlebnissen können wir schöpfen, was bedeutet Liturgie für uns? Darüber tauschten wir uns in einer Schreibdiskussion  aus und schrieben unsere Sehnsüchte auf „Sehnsuchtsbänder“:

„Vielfältige und lebendige Gottesbilder - eigene Erfahrungen wiederfinden in Texten und Gebeten – Feste feiern – Dankbarkeit ausdrücken – authentisch sein – geschlechtergerechte Sprache in der Liturgie – mehr Einbeziehung der Spiritualität in den Lebensalltag“ – „Innehalten-Ruhe-Stille – bei sich ankommen – Verbindung mit sich selbst aufnehmen – Symbole als Ankerpunkte geben Halt – Verbindung mit Gott -Verbindung mit anderen.“

Am Samstagmorgen dann meditativer Tanz  – gemeinsam unterwegs sein – die Gemeinschaft spüren – miteinander Verbindung halten. Spiritualität – erlebbar.

 

Eine Einführung in die Mystik gab uns Irene Löffler. Mystik als ein prägendes Element der Spiritualität, als eine besondere Form der Gotteserfahrung.

 

Wie lebt sich Spiritualität im Kloster? Einen Einblick dazu hat uns eine der Ordensfrauen vermittelt und auch die Vesper am Samstagabend, die wir mitgefeiert haben.

  

Aus Sägespänen entstand ein Labyrinth, durch das wir einzeln liefen; staunend, wie lange der Weg durch die vielen Windungen und Kurven wird und wie lange es dauert, die Mitte zu erreichen. Das Labyrinth bildete auch das Zentrum für die abendliche Lichtvesper und den Gottesdienst am Sonntagmorgen.

 

„Regelmäßig Zeit für das Gespräch mit Gott finden und daraus Kraft mit in den Alltag nehmen – gemeinschaftliche Glaubenserfahrungen machen in verschiedensten Formen – zusammenwachsen und Zusammenhalt in Glaubensgemeinschaften – Zeit haben, sich einzubringen – Bereitschaft, sich beschenken zu lassen – die Liebe Gottes fließen lassen“.

 

Texte aus einem „Sehnsuchtsband“ zum Gottesdienst am Sonntagmorgen, der wie immer eine besondere Gemeinschaftserfahrung wurde. Zu einer Gemeinschaft zu gehören, miteinander verbunden zu sein – mitgetragen zu werden –, das macht Mut und gibt Kraft – und hält die Sehnsucht wach: auf ein Wochenende im nächsten Jahr. 

 

Liesel Bach