Grußworte und Dankansprache des 2. Vorsitzenden der Synodalvertretung, Dr. Hans Joachim Rosch

 

Ich erinnere mich gerne an meine Zeit an der Universität. … Was damals nicht revolutionär war – das galt als reaktionär. „Alte Häuser haben trübe Fenster“, war damals oft zu hören.

Und wenn wir heute Bischof Joachim Vobbe in den verdienten Ruhestand verabschieden, dann geschieht das in dem Bewusstsein und in Dankbarkeit für ein Leben, welches das Bonmot von den alten Häusern und den trüben Fenstern wie kaum ein zweites widerlegt hat: Alt-katholisch zu sein bewies sich in den 14 Jahren der Amtszeit von Bischof Vobbe nämlich als eine ziemlich klare, hellsichtige und zukunftsweisende Angelegenheit. …

Mir ist klar, dass die Alt-Katholiken, dass namentlich Bischof Vobbe, dabei manchem katholischen Würdenträger, aber sicher auch manchem evangelischen Christen wie ein Stachel im Fleische vorkommen musste. Dass nicht immer bequem war, was er diskutierte und vor allem entschied – ich denke da insbesondere an die erste Frauenordination 1996, die – je nach Sichtweise – unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen hat. Aber Bischof Vobbe hat mit seiner wachen, klaren und doch angenehm ruhigen Art dazu beigetragen, dass wir über Fragen sprechen, die uns Christen ungeachtet der Konfessionen bewegen.

Schriftliches Grußwort von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers

 

 

Ein skeptischer Katholik ist mir lieber als ein gläubiger Atheist“, hat Kurt Tucholsky einmal geschrieben. Bei diesem Satz musste ich sofort an Sie denken, lieber Herr Bischof Vobbe. Sie sind ein skeptischer Katholik im besten Sinne. Da ist zum einen Ihr Intellekt, Ihr Reflektionsvermögen und Ihre Sprachgewalt. Ich tue Ihnen sicher nicht unrecht, wenn ich Sie als eine Stimme der Vernunft bezeichne: Aufgeregtheiten sind Ihnen fremd, statt sich zu empören, wägen sie ihre Worte sehr sorgfältig – zumindest habe ich Sie immer so erlebt. Oft genug verpacken Sie Ihre Botschaften in charmante kleine Geschichten, von denen wir heute hoffentlich noch einige hören werden.

 

Damit bin ich bei einer zweiten herausragenden Eigenschaft: Ihrem Talent für den Dialog. Sie sind ein Mann der Ökumene, jemand, der stets den Austausch mit anderen Glaubensrichtungen sucht. Sie achten auf das Gemeinsame mehr als auf das Trennende. „Konvergenz“ haben Sie das einmal genannt, die Bereitschaft, einander als Bereicherung anzunehmen, ohne dabei die eigene Identität aufzugeben. Ihr Verständnis von Kirche ist das von einer Einheit in der Vielfalt, vom Zusammenfinden auf einem gemeinsamen Nenner, ohne Unterschiede einzuebnen. Ich meine, das ist eine Grundhaltung, die uns allen in dieser Gesellschaft gut zu Gesicht stünde. … Die Kirche, so haben Sie es einmal formuliert, sei im Grunde eine ökonomische Nonsensorganisation. Und gerade deshalb unverzichtbar, als sakraler Ort, der den Menschen auf eine gewisse Weise immer fremd bleiben sollte, weil er sie nur so inspirieren kann. „Gott ist größer als unser Herz“, diesen schönen Satz aus dem Johannes-Evangelium haben Sie sich als persönlichen Leitspruch gegeben. Und Gott ist auch größer als unser Geist, möchte ich ergänzen, da kann nicht einmal ein Innovationsminister dran rütteln. Ja, Sie haben Recht, eine plurale, freiheitliche Gesellschaft braucht die Kirchtürme, braucht die Kritiker – sonst würde uns die Basis fehlen. Das sehe ich auch als Liberaler so.

Lieber Bischof Vobbe, Nordrhein-Westfalen betrachtet es als Ehre und Bereicherung, dass eine so wertvolle „ökonomische Nonsensorganisation“ wie die Alt-Katholische Kirche ihren Bischofssitz hier in Bonn hat. Als stellvertretender Ministerpräsident danke ich Ihnen herzlich für die Impulse, die Sie in Ihrer Zeit als Bischof gesetzt haben und für die Zusammenarbeit, die wir als sehr angenehm und konstruktiv empfunden haben.

Minister Andreas Pinkwart

 

 

Dein Gedanke war, dass ein Bischof ‚Basisnähe‘ braucht: Er muss einen Bezug zu den Erfahrungen der Menschen haben, zu ihren Freuden und Fragen. Man kann nicht eine Kirche führen, deren zentrale Aufgabe es ist, die Frohbotschaft zu verkündigen, ohne bei den Menschen zu Hause zu sein. Du hast die Gefahr gesehen, als Bischof ein Bürokrat zu werden, aber du hast diese Gefahr gebannt. Das hat dich zu einem Bischof gemacht, der die Nähe von Menschen immer gesucht hat und deswegen von ihren Gefühlen  immer auch bewegt geworden ist. Das hat auch bestimmte Entscheidungen in Bezug auf Menschen, manchmal Priester der Kirche, nicht einfach gemacht. Das Letzte was du den Leuten tun wolltest, war ihr Leiden noch zu vermehren, aber manchmal war das auch nicht zu vermeiden. „Wie kann ich barmherzig sein und gerecht zugleich?“ ist eine Frage, die als Herausforderung immer da ist.

Basisnähe und Solidarität: das sind eigentlich die Schlagworte deiner pastoralen Tätigkeit gewesen, sowohl als Priester, wie auch als Bischof. Beide entsprechen deinem Charisma. Du willst dem Leben den Vorrang vor der Lehre geben. Dass das so sein soll, wissen wir Alt-Katholiken sehr wohl. Dass die Lehre aus dem Leben schöpfen muss und nicht umgekehrt, ist eine Grundbedingung der Hermeneutik, die wir brauchen, damit wir das Evangelium in dieser Zeit verkünden können. Dazu ist es wichtig, dass die Menschen einander begegnen, damit sie ihr Leben miteinander teilen können und die Spuren Gottes entdecken. Du wolltest Menschen näher zu einander bringen, damit sie zusammen das Antlitz Gottes entdecken können.

Darum ist Glaube und Leben nicht von einander zu trennen. Logischerweise sind Amt und Leben des Amtsträgers ebenso wenig von einander zu trennen. Der Priester ist nicht nur eine Fachkraft, sie oder er ist ebenso eine Berufene, ein Berufener. Man hat nur ein Herz und in diesem Herzen bewirkt Gott die Liebe und den Glauben, die Berufung und die Qualität der Arbeit!

Erzbischof Joris Vercammen

 

 

Verehrter Bischof, lieber Joachim, die Evangelische Kirche in Deutschland  dankt Dir vor allem für Deine ökumenische Gesinnung. Die hat sich auch nicht trüben lassen, wenn die große Evangelische Kirche bei einigen Äußerungen die kleine Alt-Katholische Kirche schon mal übersehen hat. Ich denke da zum Beispiel an die notwendige Kritik unserer Abendmahlsschrift, in der ein Hinweis auf die unter uns erreichte Übereinkunft fehlte. Du hast geholfen, dass wir auf der Gesprächs-ebene die Kritik verstehen und die Verstimmung ausräumen konnten.

Du vor allem bist es, der die Kennzeichnung der Kirche als ‚katholisch‘ und ‚evangelisch‘ immer wieder aus ihrer konfessionalistischen Engführung herausholt. ‚Katholisch - ein altes Wort neu gesehen‘ lautet der Untertitel eines Deiner vielen Vorträge.

Dass die Gläubigen im Glauben wachsen, dass Brücken über konfessionelle Gräben gebaut werden und dass das Verständnis füreinander wächst, dafür hast Du, lieber Joachim, gearbeitet. Die Eucharistie als Feier der Gegenwart Jesu Christi, in der der Herr sich selbst als Gabe schenkt, ist im Verständnis beider Kirchen nicht nur letztes Ziel, sondern – wie das Manna auf dem Weg des Gottesvolkes - auch Stärkung auf dem Weg dorthin.

Die Alt-Katholische Kirche in Deutschland hat übrigens tapfer zu der Vereinbarung gestanden, als sie ihrerseits von der Utrechter Union (das ist der internationale Zusammenschluss der alt-katholischen Kirchen) deswegen ins Verhör genommen wurde. Die Vereinbarung mit den Alt-Katholiken ist ein Modell. Die Meißen-Vereinbarung zwischen der Anglikanischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland fußt auf der Vereinbarung von 1985. Die ist auch Beispiel für das Wachsen von Gemeinschaft mit anderen katholischen Kirchentypen. Wir sind wichtige Schritte auf einander zu gegangen und können weiter gehen, auch wenn dabei nicht alle gegenseitigen Fragen und Vorbehalte ausgeräumt werden können.

Manfred Kock, Präses i.R. und ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

 

Lieber Joachim, ...ich danke Dir für Deine Freundschaft und stete Anteilnahme, für die Erklärung Deiner Kirche zum 3. Reich und zur Verbundenheit mit dem Judentum heute. Dein Teil der katholischen Kirche hat sich als Freund und Bruder bewährt, als Rom sich entschieden hat, eine Kränkung an die andere zu reihen. Wir haben das mit Freude, Dankbarkeit und Genugtuung erfahren. Diese guten Gefühle bringen wir der alt-katholischen Gemeinschaft und Dir ganz persönlich entgegen. Unter Deinem Hirtenstab hatte Deine Gemeinde kundige Anleitung, geistige Auferbauung und das rechte Maß an Humor.

Du Gottesgeschenk, lass Dich feiern, bleibe dennoch ganz bei uns und freue Dich auf die Zeit, in der größere Besinnung auf Dich selbst und die Deinen möglich wird.

Gott, der Dich unter Seinen Schwingen geborgen hält, bleibe Dir treu mit Seiner Kraft und Seinem Segen!

Schriftliches Grußwort von Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam

 

Aus der Dankansprache des 2. Vorsitzenden der Synodalvertretung, Dr. Hans Joachim Rosch

 

Gott ist größer als unser Herz“ – dieses Wort aus dem 3. Kapitel des 1. Johannesbriefes hast Du, lieber Joachim, vor ziemlich genau fünfzehn Jahren als Leitwort über deinen bischöflichen Dienst gestellt, aus dem wir Dich heute verabschieden. Im Gottesdienst eben in der Namen-Jesu-Kirche haben wir Gedanken zu diesem biblischen Wort, das dein Wirken für unser Bistum begleitet und inspiriert hat, gehört…

Fünfzehn Jahre leitest Du nun gemeinsam mit der Synodalvertretung das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland – wo soll ich anfangen und wo aufhören, um diese Zeit als 9. Bischof unseres Bistums einigermaßen umfassend und doch nicht in einer stundenlangen Rede zu würdigen?

Alles, was ich heute benennen kann, bleibt unvollständig, weil es wohl nur fragmentarisch ahnen lässt, wie viel Mühe, Energie, Phantasie und Gestaltungswille Dir alltäglich abverlangt wurde, um die Erwartungen und Anforderungen so vieler und unterschiedlicher Menschen im Bistum zu erfüllen. …

Du hast unzählige Reden, Vorträge und Predigten gehalten, oft haben sie wesentlich dazu beigetragen, unser Ansehen in der Ökumene zu stärken oder sie haben uns überhaupt erst wieder ins Bewusstsein so mancher Institution gehoben.

Die Kontakte zur Anglikanischen Kirche wurden intensiviert, die beiden anglikanischen Bischöfe für den Kontinent wurden zu alt-katholischen Assistenzbischöfen ernannt, und unvergessen bleibt zweifellos der Besuch des Erzbischofs von Canterbury im Bischofshaus an der Gregor-Mendel-Straße.

Wenn wir von Dir als Impulsgeber sprechen, dann dürfen Deine Inspirationen für eine liturgische Erneuerung unseres Bistums nicht unerwähnt bleiben: Du warst Motor in der liturgischen Kommission; das neue Gesangbuch, das mittlerweile in zweiter und verbesserter Auflage erschienene neue Eucharistiebuch und in jüngster Zeit das umfassend erweiterte und aktualisierte Gebetbuch unseres Bistums sind ohne Dich und Deinen Einsatz nicht denkbar. Auch einige Eucharistiegebete und sogar Kirchenlieder stammen aus Deiner Feder: Es gibt wohl keine Gemeinde im Bistum, in der „In deiner Schöpfung birgt sich dein Gesicht“ nicht gesungen würde.

 

In gewisser Weise wurden bis jetzt ja nur die außergewöhnlichen Aktivitäten gewürdigt, dazu kommen unzählige Gemeindebesuche anlässlich von Firmungen oder Jubiläen, Kontakte zu baf und baj, zur Diakonie, anderen kirchlichen Verbänden oder Einrichtungen, Teilnahme an Katholiken- und Kirchentagen, ökumenischen Konferenzen usw.

Du hast Dich überall, wo Du aufgetreten bist, als ein „Mann der Sprache“ eingeführt, als einer, der mit Wortwitz und doch tiefgründig und theologisch qualifiziert die Worte fand, die zur jeweiligen Situation passten.

 

Ich könnte noch eine ganze Weile weiterreden. Ich tue es nicht, weil bereits bis jetzt deutlich geworden ist, welch große Verdienste Du Dir um unser Bistum erworben hast. Du hast es nie getan, um im Mittelpunkt zu stehen – aber heute kommst Du nicht darum herum: Wir wollen Dir für die letzten fünfzehn Jahre unseren Dank abstatten, Dir, Deiner Frau, auch Deinen Kindern, die ja mindestens in den ersten Jahren Deines bischöflichen Dienstes, in denen sie noch zuhause wohnten, nicht nur Freude am Arbeitsumfang ihres Vaters gehabt haben dürften. …

 

Ich habe hautnah miterlebt, wie aufreibend und nervenzehrend der bischöfliche Dienst in einer kleinen Kirche mit extremer Diaspora täglich ist. …

 

Lieber Bischof Joachim! Danke für Deinen Dienst für unser Bistum! Ich bete und hoffe, dass Du uns als Alt-Bischof noch lange an der Seite stehen wirst!

Hans-Joachim Rosch