Die Verabschiedung

 

In einem feierlichen Mittagsgebet wurde am 30. Januar in der Bonner Namen-Jesu-Kirche Bischof Joachim Vobbe gemeinsam mit seiner Ehefrau Mariette Kraus-Vobbe und den beiden Ordinariatsangestellten Waltraut Schnittker und Margret Becker aus dem bischöflichen Dienst beziehungsweise aus dem Dienst im Bischofshaus verabschiedet. Trotz der eisigen Temperaturen war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt. Anschließend waren die Gäste zu einem Empfang im Hotel Königshof geladen.

 

1994 war Bischof Vobbe von der Bistumssynode zum neunten Bischof des deutschen Bistums gewählt und im März 1995 geweiht worden. Als herausragendes Ereignis seiner 15jährigen Amtzeit wurde in vielen Beiträgen bei seiner Verabschiedung die Einführung der Frauenordination genannt. Am Pfingstmontag 1996 weihte er in Konstanz mit Angela Berlis und Regina Pickel-Bossau die ersten beiden Frauen zu katholischen Priesterinnen. Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, sagte dazu: „Es sind solche mutigen Schritte, die auch anderen den Mut geben, weiter zu schreiten.“ Durch sein Wirken habe sich Vobbe für die evangelische Kirche als ein Bruder und Freund erwiesen, als ein Mitstreiter für das Evangelium in unserer Welt.

 

Ebenfalls in sein Episkopat fiel im Jahr 2000 ein deutliches Schuldbekenntnis zur unrühmlichen Rolle der Alt-Katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Dr. Hans-Joachim Rosch, der stellvertretende Vorsitzende der Synodalvertretung, erinnerte daran ebenso wie an die Herdenbrieftage mit vielen Teilnehmenden, in denen wichtige Grundlagen für die Hirtenbriefe von Vobbe gelegt wurden. Bischof Vobbe sei immer wieder auch mit den Jugendlichen des Bistums auf Tuchfühlung gegangen. Rosch erwähnte in diesem Zusammenhang die Firmfreizeiten im elsässischen Fouday, die unter dem Namen „Episcopussy“ bekannt wurden, und die thematischen Jugend-Wochenenden unter dem Titel „Epis-coPlus“. Mit diesen Veranstaltungen habe Vobbe viele wichtige Impulse für die Jugendarbeit im Bistum gegeben.

 

Daneben werden mit seiner Amtszeit eine innerkirchliche Rechts- und eine Finanzreform verbunden. Doch trotz dieser eher bürokratischen Reformen habe Bischof Vobbe immer die Gefahr gesehen und gebannt, als Bischof zum Bürokraten zu werden, wie der Utrechter Erzbischof Dr. Joris Vercammen in seinem Grußwort hervorhob.

 

Auch die sprachliche Kraft, die charakteristisch für seine Texte und Reden ist, wurde von vielen Seite immer wieder betont. So verwies die Bonner Pfarrerin Henriette Crüwell in ihrer Predigt darauf, dass sich Vobbes bischöflicher Wahlspruch „Gottes Liebe ist größer als unser Herz“ wie ein roter Faden durch alle seine Texte, Lieder und Gebete ziehe, und dass er als Visionär den Menschen Sehnsuchtsbilder mit auf den Weg gegeben habe, welche Hoffnung wecken. Die Welt und auch die Kirchen hätten ihre Visionen für eine gute Zukunft dagegen schon viel zu oft verloren. „Aber in Christus ist die Zukunft schon da. Und sie ist es in allen Menschen mit großem Herzen“, so Crüwell.

Der stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, betonte in seinem Grußwort ergänzend die Fähigkeit Vobbes, zwar dem Zeitgeist zugewandt zu sein, sich aber von diesem nicht vereinnahmen zu lassen, sondern auch kritische Impulse zu setzen. Vobbe sei eine „Stimme der Vernunft“. Zudem habe er als ein „Mann der Ökumene“ Talent für Dialog bewiesen, und immer auf das Gemeinsame und nicht auf das Trennende der Konfessionen geachtet, so Pinkwart.

Auch der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses em. Manfred Kock hob das ökumenische Engagement von Bischof Vobbe hervor. „Die EKD dankt für die ökumenische Gesinnung, die Sie immer wieder gezeigt haben“, so Kock in seinem Grußwort. Er verwies insbesondere auf die gemeinsam zwischen alt-katholischer und evangelischer Kirche gefeierten Gottesdienste, welche die vereinbarte gegenseitige Einladung zu Abendmahl und Eucharistie von 1985 immer wieder bekräftigten.

 

Die ökumenische Einstellung von Bischof Vobbe war auch ein wichtiges Thema für den Griechisch-Orthodoxen Metropoliten Augoustinos, der in seinem Grußwort deutlich machte, dass die Alt-Katholische Kirche zwar eine Kirche des Westens sei, mit Bischof Vobbe aber nie den Blick in den Osten aufgegeben oder vergessen habe – auch dann nicht, wenn man, wie in der Frage der Frauenordination, unterschiedlicher Meinung sei.

 

Gemeinsam mit Bischof Vobbe traten auch die beiden langjährigen und verdienten Ordinariatsangestellten, Waltraut Schnittker und Margret Becker, in den Ruhestand. Ihnen und Frau Kraus-Vobbe wurde beim Empfang für ihr Engagement und ihre aufopferungsvolle Arbeit für das Alt-Katholische Bistum unter lang anhaltendem Beifall die Bischof-Reinkens-Medaille verliehen – erstmals in Gold.

 

Die Nachfolge der beiden Ordinariatsangestellten übernehmen Ordinariatsrat Ralph Kirscht und Jessica-Eve Wojtun. Zu Joachim Vobbes Nachfolger wurde im November 2009 auf einer außerordentlichen Bistums-Synode in Mannheim der Regensburger Pfarrer Dr. Matthias Ring gewählt. Er wird am 20. März 2010 in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe zum zehnten Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland geweiht werden.

 

Walter Jungbauer