Zisterzienser treten aus

 

Zwei Eindrücke. Der erste: Kurz vor dem Freiburger Kongress 2006 rief Abt Klaus Schlapps mich als Vorsitzenden des lokalen Kongressausschusses an und sagte, er brauche noch ein Zimmer und müsse sich für den Kongress anmelden. Eigentlich habe er ja überhaupt keine Lust und viel Besseres zu tun, aber Bischof Joachim bestehe mehr oder weniger darauf. Mein Eindruck nach diesem Gespräch: Wirklich dazu gehören will er eigentlich nicht. Folgerichtig hat das Zisterzienserkloster des „Ordens von Port Royal“ im Allgäu sich in seinen Publikationen gewöhnlich als „ökumenisches Kloster“, nicht als „alt-katholisches Kloster“ bezeichnet.

 

Der zweite Eindruck: Nachdem im Mai das neue Klostergebäude bei Kaufbeuren eingeweiht worden war, musste ich richtig hinterher laufen, um einen Text und ein paar Fotos für Christen heute zu erhalten; schließlich ist aus einem Bericht auch nie etwas geworden. Als ich die Bilder sah, wunderte ich mich: Gewänder altertümlichen Schnitts („Bassgeigen“) prägten das Bild, einen Volksaltar gab es nicht. Von mir auf den in unserer Kirche doch eher unüblichen liturgischen Stil angesprochen, antwortete Abt Schlapps nur, es habe zu wenig Platz für einen Volksaltar gegeben. Mein Eindruck: In einen liturgischen Diskurs mit unserer Kirche eintreten oder gar sich auf die Linie unserer Kirche (die ja eine große Bandbreite durchaus zulässt) einlassen, das will er eigentlich nicht.

 

Nun haben die Mönche des Klosters St. Severin die Konsequenz daraus gezogen, dass sie nie wirklich in unserer Kirche heimisch geworden sind: Sie haben ihren Kirchenaustritt erklärt. Sie betonen, dass sie sich im Frieden trennen wollen, nicht im Streit auseinander gehen. In einem Rundschreiben hat Bischof Matthias Ring unterstrichen, dass ihm ebenfalls an einer friedlichen Trennung liegt, wenn er auch bedauerte, „dass es nicht möglich war, über die Problembereiche in einen konstruktiven Gesprächsprozess einzutreten“.

Für uns ist dieser Austritt schade, denn ein Kloster in der Tradition der Zisterzienser könnte durchaus eine Bereicherung für unser Bistum sein. Andererseits muss man dagegen sagen, so wie es gelaufen ist, ist es auch nicht schade, denn die erhoffte gegenseitige Inspiration hat nicht stattgefunden. Das Kloster ist ein Fremdkörper geblieben.

Auf Nachfrage hat Pater Hubertus Michael Schweizer, der nicht im Kloster, sondern in Dresden lebt, mitgeteilt, dass nach seinem Verständnis keineswegs der ganze Orden von Port Royal ausgetreten ist, sondern lediglich das Kloster im Allgäu; er sei selbst von diesem Schritt überrascht worden. Auch habe er selbst nicht vor, unsere Kirche zu verlassen.

 

Den Mönchen von St. Severin ist zu wünschen, dass sie in den Jahren bei uns erfahren haben, dass die Anbindung an eine Kirche für sie notwendig ist, selbst wenn sie nun für sich erkennen mussten, dass die Alt-katholische Kirche für sie nicht die richtige Heimat ist. Denn ein Kloster alleine kann nicht existieren, ohne sektiererische Züge anzunehmen und für Vagantentum anfällig zu werden, erst recht nicht, wenn es nur aus einer Hand voll Mönchen besteht. So wünsche ich den Brüdern, dass sie bald eine neue geistige und geistliche Heimat finden, die ihnen entspricht, und dass sie mit diesem Hintergrund ein reiches geistliches Leben entfalten können.

 

Gerhard Ruisch