Mission am Äquator im Zeichen der Ökumene

 

Von einer vierwöchigen Rucksackreise zurück ist P. Hubert Michael Schweizer von der Gemeinde Dresden. Er besuchte soziale Projekte und Freunde aus seiner Studienzeit in Ekuador.

 

Kosmetika für die Satten, Brot für die Armen

 

An der Küste war er eingeladen von dem Schweizer römisch-katholischen Pfarrer Bertram Wick, bekannt durch sein Aloeprojekt „Colonche Line“ – der Erlös der namentlich in der Schweiz vertriebenenen Fairtrade-Kosmetika bedeutet Arbeit für einen ganzen Landstrich, Brot für Menschen, die sonst im Elend lebten, Unterhalt von Pastoralzentren und Schulbildung für 400 Mädchen und Buben bis zum Abi-tur. In Colonche hat Padre Bertram, ein Spätberufener, ehemals Koch, die älteste Holzkirche Ekuadors vor dem Zerfall gerettet und restauriert.

 

Gelebte Ökumene

 

In der Bananenmetropole Machala war P. Hubert Gast des römisch-katholischen Bischofs, mit dem zusammen er 1962-65 im Seminar war und Straßenkinder betreute. Es war ein frohes Wiedersehen mit intensiven Gesprächen. Mons. Luis Sanchez, ganz der Ökumene verpflichtet, lud P. Hubert zur Konzelebration in seine Kathedrale ein. Er fragte ihn gar, ob er nicht Pfarrer in seiner Diözese werden wolle – trotz genauer Kenntnis von P. Huberts alt-katholischer Biografie. Die Kirchen Ekuadors sind stets voll besucht und der Priestermangel ist groß.

In der Hafenstadt Guayaquil verbrachte P. Hubert zwei Tage beim emeritierten anglikanischen Bischof Alfredo Silverio, einem gebürtigen Chilenen, den er 2004 anlässlich eines Vortrags über Port-Royal kennen gelernt hatte. Mons. Alfredo unterrichtet noch an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften und stellte fest, dass Ekuador ohne die Kirche und die Ausländer nicht auskomme. Höhepunkt war auch hier ein gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst.

 

Die zwei Jesuskinder

 

Auf der Busfahrt von der Küste ins Hochland, über 4000 m Höhenunterschied, entdeckte P. Hubert im alten Kloster Latacunga die seltene Madonna von Montserrat mit den zwei Jesuskindern, verständlich nur auf dem Hintergrund der unterschiedlichen Stammbäume und Geburtsgeschichten bei Lukas und Matthäus sowie der doppelten Messiaserwartung des jüdischen Volkes - eine kaum beachtete Kostbarkeit.

In Quito war P. Hubert dann zum dritten Mal innerhalb der letzten sechs Jahre zwei Wochen im Haus der Kinderärztin Dr. Maritza Leiva de Garcia, feierte die hl. Eucharistie auf 3000 m Höhe in ihrem Zentrum für arme Kinder und spendete in der vom italienischen Orden der Josephinen betreuten Pfarrei einer Gruppe römisch-katholischer Charismatiker die Krankensalbung.

 

Auslandsorthodoxie

 

Ein besonderes Ereignis waren auch zwei Tage im Orthodoxen Kloster Anástasis, für Mönche und Nonnen, mit Ikonenwerkstatt und Priesterseminar, geleitet von einem in Kiew geweihten Bischof rumänischer Abstammung, der P. Hubert zum Abschied ein orthodoxes Altarbuch in spanischer Sprache schenkte.

Zum Schluss ein Ausspruch, der ein bezeichnendes Licht auf die Ekuadorianer wirft: Ein Ekuadorianer betrachtet ein Gemälde von Adam und Eva und findet: Die haben ja keine Schuhe und nichts anzuziehen, haben nur einen Apfel zum essen und meinen noch, sie seien im Paradies: das können nur Ekuadorianer sein.

 

Hubert Michael Schweizer