Güte und Menschenfreundlichkeit

Briefmarken der Deutschen Post bilden Markenzeichen der Christen ab

 

Das kennen wir doch alle: ein Lächeln entspannt, verändert im Nu eine angespannte Situation, ein freundlicher Gruß vertreibt momentanen Ärger, eine Gratulation erfreut allemal, eine aufgehaltene Tür, ein freigemachter Sitzplatz im Bus, die Frage nach dem Befinden, ein Anruf, ein Briefchen – lauter kleine Möglichkeiten, das Zusammenleben nicht nur zu erleichtern, sondern mit Freude und Wärme anzureichern.

 

Apropos Brief. Im Zeitalter der elektronischen Kommunikation haben Briefe viel von ihrer Bedeutung verloren. Die Post muss sogar fürs Briefeschreiben werben („Schreib‘ mal wieder“), um im Briefgeschäft aus den roten Zahlen zu kommen. Vielleicht hat ja daher die hübsche Idee des Bundesfinanzministeriums (es gibt die Briefmarken der Deutschen Post heraus) zu der diesjährigen, vier Marken umfassenden Sondermarkenserie Mit guten Wünschen zuerst einmal mit einer Umsatzsteigerung im Briefmarkenverkauf zu tun? Dessen ungeachtet haben Christen allen Grund sich über die Serie zu freuen – und sie vor allem auch zu benutzen: alle vier Marken transportieren ganz wesentlich biblisch-christliche Symbole wie Regenbogen, Schiff, Engel und Taube. Wer die Marken auf einen Brief klebt, vermittelt mit den Klebebildchen auf dem Umschlag nicht nur einen kleinen Licht- oder Wärmefunken („Ich schicke Dir gute Wünsche“), sondern erinnert zugleich an Glaubensinhalte.

 

Freilich,  die offizielle Beschreibung des Bundesfinanzministeriums zu den vier Markenmotiven geht auf ein weiter gefasstes Symbolverständnis ein. Das hindert uns aber doch nicht, darin die entsprechenden christlichen Symbole zu sehen – und sie als unaufdringliche Zeichen eben der „Güte und Menschenfreundlichkeit“ zu deuten. Güte und Menschenfreundlichkeit; für den Apostel Paulus sind das die göttlichen Eigenschaften, die sich in dem Erscheinen Jesu Christi in der Welt zeigen, lesen wir in seinem Brief an Titus (3, 4-7). Worte, die aus der Verkündigung der Kirchen zum weihnachtlichen Festkreis, aus Gebeten und Predigten zu Weihnachten nicht wegzudenken sind. Güte und Menschenfreundlichkeit sind zugleich die „Markenzeichen“ der Christen. Eigentlich könnten diese Marken zur „postalisch-missionarischen Grundausstattung“ eines jeden Christenmenschen, einer jeden Gemeinde gehören.

 

Es sind im zweiten Halbjahr 2010 noch zwei weitere Markenmotive der deutschen Post erschienen, die von einzelnen Christen oder Gemeinden gewissermaßen als winzige „Verkündigungsmedien“ genutzt werden könnten. Das ist einmal die Sondermarke zum 100. Geburtstag von Mutter Teresa.

 

Angesicht der wachsenden Armut auf der ganzen Welt und durchaus im reichen Deutschland ist das Zitat auf der Marke wichtiger als Mutter Teresas eindrucksvolle Züge. Schade nur, dass diese kritische Briefmarken-Mahnung mit einem Portowert für Briefe ins europäische Ausland versehen wurde. Man könnte denken, die Deutschen sollten eher davor verschont werden.

 

Erntedank feiern Christen aller Konfessionen gemeinsam. Erstmals erschien zu diesem Anlass eine Sondermarke, Auflage: Sieben Millionen.

 

Gute Gelegenheit für Einzelne oder Gemeinden, über den schön gestalteten Erntealtar hinaus – den ja immer weniger Zeitgenossen zu Gesicht bekommen – auf die Dankbarkeit gegenüber dem Geber aller guten Gaben aufmerksam zu machen.

 

Schon seit vielen Jahren gehört es zur guten Übung der Deutschen Post – wie vieler anderer Postverwaltungen weltweit – Weihnachtsmarken herauszugeben. Gewöhnlich zeigen diese seit jeher  künstlerisch gestaltete traditionelle  Motive der Geburt Jesu oder der Anbetung der Könige und unterscheiden sich eher wenig von den allgegenwärtigen Weihnachtsdarstellungen. Ob diese lieblichen Bilder die umstürzende Botschaft der Menschwerdung Gottes noch angemessen ausdrücken, sei dahingestellt. Immerhin: wer diese Marken verwendet, spendet zugleich für die Arbeit der Wohlfahrtsverbände.

 

Veit Schäfer