Erhitzte Gemüter und Ernüchterung

In elf Kleingruppen setzte sich die Synode mit dem römisch-katholisch/alt-katholischen Dialogpapier auseinander

 

Den Papst im Eucharistiegebet alt-katholischer Gottesdienste zu nennen: Geht das nicht zu weit? Und die Spendung von Sakramenten an römisch-katholische Gläubige zu untersagen, wenn sie durch alt-katholische Priesterinnen erfolgt: Müssen wir das widerstandslos hinnehmen?

Solche Fragen wurden in den elf Gruppen laut, in denen am zweiten Synodentag das sogenannte „IRAD-Papier“ behandelt wurde, der Bericht der Internationalen Römisch-Katholisch/Alt-Katholischen Dialogkommission, der 2009 unter dem Titel „Kirche und Kirchengemeinschaft“ veröffentlicht wurde. Im Rahmen des zurzeit stattfindenden Rezeptionsprozesses sollte die Synode eine Stellungnahme dazu abgeben. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass zwei Drittel der Synodenabgeordneten keine Theologen sind. Deshalb ist auch nicht nur die Synode aufgerufen, ein Statement zu den 89 Artikeln des Papiers abzugeben, es ist darüber hinaus auch das Urteil der Internationalen Alt-Katholischen Theologenkonferenz gefragt, das übrigens schon mehr als ein Jahr vorliegt. Und es sollen die Pastoralkonferenzen auf nationaler und regionaler Ebene ihre Meinung kundtun.

Um es den rund 130 Abgeordneten der 57. Ordentlichen Bistumssynode leichter zu machen, hatte Bischof Matthias ihnen einen Antragsentwurf vorgelegt, der sich die ebenfalls bereits abgegebene Stellungnahme der Gesamtpastoralkonferenz (GPK) zu eigen machen und diese gegebenenfalls ergänzen sollte. Doch das war gar nicht so einfach. Da und dort erhitzten die Gemüter, sahen viele doch den GPK-Text als zu brav an, weil er ihrer Meinung nach viel zu viele, teilweise verletzende Gedanken des Dialogpapiers unbeantwortet stehen lässt. So wurden in den meisten Gruppen eifrig Ergänzungsanträge formuliert, die klarzustellen versuchten, was nach Meinung der Unterstützenden im GPK-Papier unklar geblieben war. Das weckte in den Gruppen zwar ein bisschen Kampfeslust, führte aber später in der Synodenaula zu Ernüchterungen, weil sich herausstellte, dass die zu beanstandenden Gedanken zum großen Teil eigens ausgewiesene Positionen der römisch-katholischen Kirche waren, die an die Adresse der eigenen und nicht der alt-katholischen Kirche gerichtet sind.

Das Ergebnis: Von den vielen Änderungsanträgen wurden nur wenige angenommen, die nun dem GPK-Papier als ergänzende Stellungnahme der 57. Ordentlichen Bistumssynode angefügt und der Internationalen Alt-Katholischen Bischofskonferenz vorgelegt werden. Trotzdem, ein großer Teil der Synodenabgeordneten machte auf diese Weise eine Erfahrung, die für den zwischenkirchlichen Dialog wesentlich ist: dass es zu bestimmten Fragen unterschiedliche theologische Positionen gibt und dass es wichtig ist, diese Positionen in ihrer Unterschiedlichkeit und in den daraus resultierenden Konsequenzen für die jeweilige Kirche darzustellen. So paradox das klingt: Auch dadurch kann Annäherung geschehen.

 

Joachim Pfützner