Wenn die Zeit reif ist

Gedanken zur Synode

 

Manchmal ist einfach die Zeit reif. Wie oft hat es nicht schon Anträge gegeben, in unserer Kirche oder zumindest in unserem Recht nur noch eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden? Und wie oft wurde das nicht mit Argumenten wie „zu umständlich“ oder „zu unnatürlich“ abgelehnt? Doch bei dieser Synode stand es wieder auf der Tagesordnung, zunächst eingebracht von der Gemeinde Krefeld, aber dann durch Ergänzungen auch unterstützt von Synodalvertretung und Bischof – und plötzlich war es kein großes Thema mehr. Nachdem Prof. Angela Berlis vorgetragen hatte, dass eine Kommission bereits unser ganzes Kirchenrecht in gerechte Sprache übertragen hat und nach welchen Gesichtspunkten das geschehen ist, haben wir mit großer Einmütigkeit beschlossen: „Wo es staatskirchenrechtlich nicht anders vorgeschrieben wird, soll das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland einschließlich seiner Untergliederungen die geschlechtergerechte Sprache verwenden.“

Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis es allen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich glaube, außer mir ist es nicht einmal jemandem aufgefallen, welche Komik darin lag, dass Hans-Joachim Rosch als Synodenleiter ausgerechnet bei diesem Punkt wörtlich sagte: „Das Wort hat der, der den Abänderungsantrag gestellt hat, Dr. Angela Berlis.“

Als Redakteur kam mir natürlich auch sofort der Gedanke, dass es nun höchste Zeit ist, die Titelseite dieser Zeitschrift zu ändern. Sie müsste nun eigentlich heißen: „Christinnen und Christen heute. Zeitschrift der Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken für Christinnen und Christen heute.“ Da bedarf es wohl noch einiger guter Einfälle! Wenn Sie einen haben, bin ich dankbar, wenn Sie ihn mir mitteilen.

 

Für viele Gemeinden wird es eine große Umstellung bedeuten, dass die Synode auf Antrag der Gemeinde Nordstrand beschlossen hat, dass künftig bei jeder Wahl von Kirchenvorstandsmitgliedern oder Synodenabgeordneten auch Briefwahl zulässig ist. Damit entfällt nämlich die Möglichkeit, bei der Gemeindeversammlung noch Kandidaten nachzubenennen; stattdessen muss rechtzeitig vorher die Kandidatenliste feststehen.

Bedeutsam ist auch, dass zur Stärkung der Synodalität im Bistum die Ordentlichen Bistumssynoden alle zwei statt bisher alle drei Jahre gehalten werden. Um eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten, sollen aber die Synodalen künftig nicht mehr nur für eine, sondern für zwei Synodenperioden gewählt werden. Auch die Mitglieder der Synodalvertretung werden nur noch bei jeder zweiten Synode gewählt werden; die Synodalvertretung amtiert also vier statt bisher drei Jahre.

Darüber hinaus hat die Synode eine Fülle kleinerer Rechtsänderungen und Anpassungen beschlossen, die ich hier nicht alle nennen kann. Manche Synodale haben sich vielleicht gefragt, ob man sich denn wirklich wegen so vieler Kleinigkeiten im Recht die Köpfe zerbrechen muss. Die Erfahrung zeigt aber, dass Klarheit im Recht Missverständnisse und Ärger vermeiden hilft; insofern hat die Synode auch hierin eine wichtige Arbeit geleistet.

 

Die Synode hat nicht nur Rechtsfragen besprochen. Ein weiterer wichtiger Beschluss sieht die Einführung von »Kompetenz-Kommissionen« vor. Sie werden je nach Bedarf zu bestimmten Fragestellungen einberufen. Sie sollen klare alt-katholische Positionen erarbeiten, etwa zu Fragen wie nachhaltiger Energieversorgung in der Kirche oder ethischen Kapitalanlagen. Eine weitere Entscheidung betrifft die Namen-Jesu-Kirche in Bonn. Sie soll Bistums- und Bischofskirche (Kathedralkirche) werden und aus dem ganzen Bistum heraus mit Leben gefüllt werden.

Auch die Ökumene war Thema. Die Synode schloss sich der Stellungnahme der Gesamtpastoralkonferenz des Bistums zum Abschlussbericht der römisch-katholisch/alt-katholischen Dialogkommission an, jedoch nicht ohne eine ganze Reihe von Ergänzungen und Anmerkungen anzufügen (siehe genauer im Beitrag „Erhitzte Gemüter und Ernüchterung“). Ein entsprechendes Dialogpapier mit der deutschen evangelisch-lutherischen Kirche, das Überlegungen anstellt, wie die 25-jährige gegenseitige Einladung zum Abendmahl zu weiteren Schritten Richtung Einheit führen könnte, nahm sie entgegen und beauftragte die Synodalvertretung, nach einer breiten Diskussion in unserer Kirche eine Stellungnahme für die nächste Synode zu erarbeiten.

 

Reif war die Zeit offensichtlich auch für einen Wechsel in der Kirchenleitung. Nach Jahrzehnten fast ununterbrochenen Einsatzes als Synodaler, als Mitglied und 2. Vorsitzender der Synodalvertretung und als stellvertretender Synodenpräsident, stand Hans-Joachim Rosch nicht mehr auf der Kandidatenliste. In dieser Zeit hat er sich wie wenige Menschen um unsere Kirche verdient gemacht, und das alles ehrenamtlich. Aber nun hat ihn wohl das Gespür geleitet, dass ein Wechsel angebracht ist, und so wird künftig nicht nur ein neuer Bischof, sondern auch ein neuer stellvertretender Vorsitzender, Reiner Knudsen, die Sitzungen der Synodalvertretung leiten. Für die Synoden wird der Bischof künftig wohl meist nicht nur eine Person für die stellvertretende Leitung benennen, sondern mehrere, die sich als Team die Arbeit teilen können.

 

Da auch die beiden Geistlichen in der Synodalvertretung, Thomas Walter und Jürgen Wenge, und eine Vertreterin der Laien, Elisabeth Meyer zu Rheda, nicht mehr für die Synodalvertretung kandidierten, hat es auch einen kräftigen Wechsel in der übrigen Kirchenleitung gegeben: Volker Ochsenfahrt aus Bonn und Reiner Knudsen aus Köln werden weiterhin der SV angehören, aber neu darin sind Dr. Markus Dreixler aus Karlsruhe und Anneliese Harrer aus München. Als Geistliche sind Pfarrer Christian Edringer aus Bad Säckingen und Pfarrvikar Thomas Schüppen aus Düsseldorf neue Mitglieder der SV. Jürgen Wenge wird in seiner neuen Eigenschaft als Generalvikar freilich weiterhin bei den Sitzungen anwesend sein, wenn auch ohne Stimmrecht. Nachrückende sind Georg Reynders und Michael Weiße bei den Geistlichen und Monika Piegsda und Christoph Wick bei den Laien.

 

Auch die Kommissionen wurden neu gewählt. So gehören der Rechtskommission künftig Christoph Crüwell, Clemens Esser, Oliver van Meeren, Prof. Dr. Richard Motsch, Jürgen Ridder und Elisabeth Meyer zu Rheda an, während die Finanzkommission sich künftig zusammen setzt aus Alexandra Caspari, Ursula Geuchen, Frank Holzapfel, Heike Kiefel und Hans Vogt. Wer den Vorsitz der Finanzkommission führt, darf sich künftig „Finanzreferentin“ oder „Finanzreferent“ nennen.

 

Für mich war bei der Synode Schwung und Arbeitslust bei den Synodalen spürbar. Dass diese sich auch in der neuen Synodalvertretung und in den Kommissionen bis zur nächsten Synode erhalten werden, das wünsche ich allen, die sich dankenswerterweise wählen ließen.

 

Gerhard Ruisch