Höflich und gesittet

Die 57. Synode in Mainz

 

Die 57. ordentliche Bistumssynode begann mit einem feierlichen Gottesdienst in der Augustinerkirche zu Mainz. Zur Einstimmung erläuterte Bischof Matthias Ring die Bedeutung des Wortes Synode anhand der Einträge im „Gemoll“, seinem altgriechischen Wörterbuch. Neben der bekannten Bedeutung „gemeinsam auf dem Weg“, „Versammlung“ bedeute Synode auch „Erkennen“ im biblischen Sinne, ebenso wie „Handgemenge“ und „Auseinandersetzung“; es „sei uns freigestellt, unsere eigenen Schlüsse zu ziehen“. In Bischof Matthias’ trockener fränkischer Art vorgetragen, sorgte dies für eine heiter gelöste Stimmung, in der sich Geistliche und Laien gemeinsam dem Gottesdienst widmeten. Im Rahmen der Fürbitten wurde auch der Verstorbenen in einer sehr persönlichen Zeremonie gedacht. Alle, die wollten, durften an der Osterkerze ein Opferlicht entzünden, während die Gemeinde Taizégesänge anstimmte. Dies war einer der ganz intensiven Augenblicke dieser Synode. Beim Auszug der Zelebranten sorgte ein typisch alt-katholischer Moment für Heiterkeit, und wir fanden uns gelöst und fröhlich im Erbacher Hof zur ersten Sitzung ein.

 

Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich natürlich auf unseren nicht mehr ganz so frisch gebackenen Bischof. Wie würde er sich schlagen, was für Unterschiede im Stil würden altgediente Synodale bemerken? Wie bei jedem neuen „Regierungschef“ wurde die erste Rede mit Spannung erwartet. Ausgewogen und sowohl mit Humor als auch mit Ernst gut gewürzt stimmte sie uns auf eine arbeitsreiche Synode ein, mit der Aussicht auf einige heikle, diskussionsträchtige Punkte in den Anträgen. Und schon begann die Arbeit, erste Tagesordnungspunkte und Anträge wurden bearbeitet.

Was mir dabei besonders gefallen hat, war, dass die Synodalen trotz teilweise stark voneinander abweichender Meinungen immer höflich und gesittet miteinander umgingen. Einige von uns konnten sich noch sehr gut an Synoden mit wesentlich raueren Sitten und Umgangsformen erinnern. Diese gute Arbeitsatmosphäre hielt sich bis zum Ende der Synode und trug dazu bei, dass wir dem Zeitplan immer um einige Anträge voraus waren.

 

Der Freitag bot ein besonderes Highlight nach der anstrengenden Sitzungsarbeit: Die Lichtfeier mit Erzbischof Joris Vercammen. Die Augustinerkirche war gut gefüllt, außer uns Synodalen gab es noch einige Zaungäste, die, von den altkirchlichen Gesängen angelockt, einen abendlichen Zwischenstopp einlegten und unserem Gottesdienst neugierig folgten. In seiner Predigt stellte Bischof Vercammen eine Verbindung zwischen der Gottesbeseeltheit und den Anfechtungen Jeremias und unserer Situation her. Auch wir werden wegen unserer Haltung immer wieder mit Hohn, Spott und Widerständen zu kämpfen haben, aber wie in Jeremia brennt auch in uns, so der Bischof in seiner Predigt, das Feuer, das Gott in uns entzündet hat und uns hilft, unser Christsein zu leben.

 

Auch am Samstag war ein ordentliches Arbeitspensum zu bewältigen. Trotz mancher Unstimmigkeiten im Plenum gelang es der Synodalvertretung, die positive Stimmung zu halten, auch wenn ihre eigenen Anträge selten unverändert, niemals aber ohne ausführliche Bewertung angenommen, in einigen Fällen sogar abgelehnt wurden.

 

Der Abend schloss mit einem von Pfarrer Reynders gestalteten Abendgebet. Der gemischte Synodalenchor stimmte zum Schluss die deutsche Fassung des „Auld Lang Syne“ von Robert Burns an. Mit diesem A-cappella-Stück erbrachten wir den Beweis, dass es zum alt-katholischen Profil gehört, aus vielen sehr individuell gestalteten Einzelstimmen ein harmonisches Ganzes zu gestalten.

 

Der weitere Samstagabend brachte nun auch die letzte Möglichkeit, die Nebensynodenschauplätze in mehreren gut eingeführten Mainzer Lokalen mit so einprägsamen Namen wie „Beichtstuhl“, „Doktor Flotte“ und einigen mehr aufzusuchen. In bunt gemischten Tischgruppen fanden wir uns zu ernsten und heiteren Gesprächen wieder zusammen. Was mir dabei besonders gut gefiel, war, dass sich auch die Mitglieder der Synodalvertretung hemdsärmelig dazu gesellten und es sehr familiär zuging.

 

Der Sonntag bot am Morgen noch einmal einen sehr emotionalen Moment, der uns allen nahe ging. Unser altgedienter und langjähriger Synodaler – immerhin war er mit 21 Jahren zum ersten Mal als Freiburger Delegierter bei einer Synode dabei und seitdem ohne Unterbrechung – und stellvertretender Synodenpräsident Dr. Hans-Joachim Rosch verkündete (was die Synodenarbeit und die Mitarbeit in der Synodalvertretung angeht) seinen Rückzug ins Privatleben, seinen Einzug in den Unruhestand mit Pferdezucht. Seine bewegende Abschiedsrede wurde mit lang anhaltenden stehenden Ovationen bedacht und in etlichen Augen glitzerte es auffallend. Auch Bischof Matthias fand in seiner Dankesrede für die vielen Dienstjahre Dr. Roschs herzliche Worte, die über das übliche Normalmaß einer Verabschiedung weit hinausgingen. Bischof Matthias verlieh ihm unter dem Applaus der Synode die Bischof-Reinkens-Medaille in Gold.

Welche Eindrücke bleiben mir nun von dieser 57. Synode?

 

Besonders herauszuheben ist die gute Arbeitsatmosphäre, denn es ging sehr konzentriert und gut vorbereitet zu Sache. Der Umgang miteinander war immer von Respekt und Wohlwollen geprägt. Jedes Mal, wenn die Diskussion Gefahr lief, unsachlich oder redundant zu werden, meldete sich die Synodalvertretung in Gestalt Dr. Roschs oder Bischof Matthias’ zu Wort. Letzterem gelang es immer, das Plenum durch zum Teil selbstkritische oder humorvolle Äußerungen sanft, aber nachdrücklich auf die Arbeitspfade zurückzuführen. Mir hat dabei besonders imponiert, wie gut sich Bischof Ring in der relativ kurzen Zeit, die ihm zur Einarbeitung zur Verfügung stand, vorbereitet hatte, denn „Lücken“ waren nicht zu finden. Sollte ich für unsere Synode Schulnoten verteilen, würde ich sagen, eine 2+ ist gerechtfertigt, denn es muss ja immer noch etwas Raum für Verbesserungen bleiben. Ich fühle mich ermutigt, mich beim nächsten Mal wieder zur Wahl zu stellen, um im Herbst 2012 wieder dabei zu sein.

 

Monika Piegsda