Alt-Katholisch online

Segen und Fluch des Mediums Internet

Hallo, waren Sie heute schon online? Haben Sie heute schon Informationen im „Netz der Netze“ gesucht – und vielleicht gefunden? Wie fühlen Sie sich dabei? Jeder, der regelmäßig im Internet unterwegs ist, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen, wird eine Reihe von unterschiedlichsten Erkenntnisstufen durchleben: Die eine Seite bietet schnell und übersichtlich, was ich suche, auf einer anderen bin ich da schon länger beschäftigt, eine dritte überhäuft mich mit blinkenden, hin und her laufenden Texten und Bildern, während eine vierte bis zum Ende meiner Geduld damit beschäftigt ist, auf meinem Bildschirm Stück für Stück zu erscheinen. Was denken Sie, auf welche Seiten ich mit Sicherheit nicht zurückkehren werde?

Das ist meine Sicht als „Konsument“ von Informationen. Aber ich kenne auch die andere Seite sehr gut, das Bemühen, eigene Informationen anderen Konsumenten zugänglich zu machen (zum Beispiel über das Internet-Forum http://www.Mensch-und-Kirche.de). Spätestens an diesem Punkt profitiere ich als Anbieter von meinen Konsumentenerlebnissen: Das, was ich als schlecht, ja als frustrierend erlebe, will ich den Besuchern meiner Seite ersparen. Das, was mir andererseits an den gut gemachten Seiten gefällt, will ich am liebsten kopieren. Und so ist das Erstellen und Pflegen von Internetpräsenzen ein ständiges Handanlegen und Verbessern.

Der erste Eindruck

Die Qualität von Internet-Seiten hat aber auch eine wissenschaftlich erfasste Dimension. Es gibt eine ganze Reihe von Erkenntnissen darüber, was für eine Internet-Darstellung sein muss, und was auf keinen Fall sein darf. Einzelheiten will ich mir hier ersparen, aber soviel sei gesagt: Der erste Eindruck zählt! Wer Informationen per Internet sucht, will schnell und gezielt fündig werden, will auf einer Seite strukturiert geleitet und „aufgehoben“ sein. Wer auf der Internet-Präsenz eines Unternehmens verweilt, erwartet, das ganze Unternehmen „auf einen Blick“ dargestellt zu bekommen. Der Zufriedene kehrt zurück, der Unzufriedene sicherlich nicht. Mit zunehmender Nutzerzahl schlägt sich der Eindruck aus dem Internet immer mehr auch auf den Ruf eines Anbieters nieder.

Schauen wir doch mal, was unser „Unternehmen“ zu bieten hat? Vielfach habe ich bereits negative Kritik an dem Internet-Auftritt des alt-katholischen Bistums (http://www.alt-katholisch.de) vernommen. „Altbacken“ heißt es, „unübersichtlich“, „ausladend“ oder einfach nur „stumpf“. Jetzt will ich das selber erfahren.

Vor den strengen Kriterien des „puren Web-Designs“ besteht die Seite nicht einmal schlecht. Der Aufbau ist durch alle Seiten stringent, es wird eine ausreichende Navigation geboten und vor allem: Kein wilder Schnickschnack stört den Lesenden. Die Farben erinnern vielleicht an frühzeitliche Fliesen, das Seitenformat wechselt zwischenzeitlich mal und manche Seiten, die der Information dienen sollen, bestehen nur aus weiteren Inhaltsverzeichnissen, aber streng genommen ist die Struktur in Ordnung. Ein Augenschmaus, ein attraktiver Aufhänger sieht aber anders aus.

Von Aachen bis Zwiesel

Unser „Unternehmen“ ist aber nicht nur das Bistum, sondern jede einzelne Gemeinde – und hier beginnt die Odyssee des Suchenden. Klicken Sie sich mal durch von Aachen bis Zwiesel und staunen Sie. Da wird der Betrachter durch ein Wechselbad der Gefühle gezogen. Einige Gemeinden haben gar keine eigene Seite und sind lediglich durch die wichtigsten Adressdaten repräsentiert – das ist gut gelöst. In anderen Gemeinden hat man sich Gedanken zum eigenen Auftritt gemacht. Eigentlich auch gut, aber jede Gemeinde geht ihren eigenen Weg, sucht sich ein komplett eigenes Design und eine völlig losgelöste Informationsstruktur. Wer suchend von den Bistumsseiten kommt, muss sich jedes Mal neu orientieren, neu einstellen.

Da die meisten Gemeinden die Erstellung ihrer Seiten in Eigenregie erledigen, können sie in der Regel nicht auf professionelle Unterstützung zurückgreifen. So erklärt es sich, dass wir nicht nur einmal mindestens einem der „No-Nos“ (dem also, das nicht sein darf) begegnen: „Diese Seite befindet sich noch im Aufbau“ (dann gehört sie nicht ins Netz), „Wir sind umgezogen“ (warum werden dann die Links nicht neu gesetzt), mangelnde Navigation (bis zu drei verschiedenen Navigationspunkte – links, oben und unten – sind zu finden), höchst kritische Farbkombinationen (Rot auf Blau kann man nicht lesen), uralte Informationen (Veranstaltungstermine von Mitte 2005) und lange, lange Texte (am Bildschirm liest die niemand). Das sind nur einige Beispiele.

Weltweite Visitenkarte

Ich möchte richtig verstanden werden: Ich kritisiere keine Gemeinde, keinen Webmaster oder -designer. Ich schätze das ehrenamtliche Engagement aller, die an der Internet-Präsenz unseres „Unternehmens“ teilnehmen. Aber „Hauptsache, wir haben überhaupt irgendwas“ kann nicht das Ziel sein. Eine Internetdarstellung ist eine weltweit und von jedermann einsehbare Visitenkarte unserer Kirche. Dabei übernimmt jede einzelne Gemeinde mit ihrer Darstellung eine Teilverantwortung, der sie gerecht werden muss. Wer einmal von Aachen bis Zwiesel unterwegs war, wird selber merken, dass es echte Höhepunkte, echte Tiefpunkte und viel Mittelfeld gibt – ist das die Charakterisierung unserer Kirche? Ist das unser Anspruch an uns selbst?

Es braucht keine professionelle, teuer bezahlte Unterstützung, um unserem Bistum einen „Look“ zu geben, der es in der Welt so präsentiert, wie wir uns gesehen und erkannt wissen wollen. Es geht dabei nicht darum, einen Einheitsbrei zu generieren (ich halte es für gut und wichtig, dass jede Gemeinde eine gewisse Individualität darstellt). Es ist aber aus meiner Sicht elementar, dass wir das, was wir haben, optimal präsentieren und dabei die grundlegenden Erkenntnisse des Web-Designs berücksichtigen. Einen gewissen roten Faden durch alle Gemeindeseiten hindurch zu haben, kann dabei sicherlich nicht schaden und sollte aus meiner Sicht angestrebt werden, um den Zusammenhalt zwischen Gemeinden und Bistum zu unterstreichen.

Der Seite des Bistums sollte ein wenig Leben eingehaucht werden. Nicht missverstehen: Es geht mir nur darum, ein wenig den Staub zu entfernen, nicht alles knallbunt anzumalen! Wir haben viele Mitglieder in unseren Gemeinden (und die zuvor genannten Höhepunkte beweisen das), die ohne weiteres in der Lage sind, ein Web-Design zu zaubern, das für das Bistum anwendbar ist und seiner Homepage einen Anstrich verleiht, der die Botschaft der Seite und unserer Kirche transportiert. Was dazu notwendig ist? Die Einsicht des Bistums, hier aktiv werden zu müssen und eine Gruppe von Motivierten, die sich im Auftrag des Bistums an die (ehrenamtliche) Arbeit macht. Ob wir das erreichen?

Mit Dank an alle, die sich in diesem komplexen technischen Umfeld um die Darstellung unseres Bistums bemühen.

Reiner Knudsen