Das Brotbrechen feiern

Einmal jährlich treffen sich die hauptamtlichen Geistlichen unseres Bistums mit dem Bischof zur Gesamtpastoralkonferenz. Seit ein paar Jahren findet diese im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt an der Weinstraße statt. Das Haus bietet den Platz, den wir brauchen und liegt in einer reizvollen Landschaft; wir sind dort willkommene Gäste.

Auch in diesem Jahr haben wir uns vom 19. bis 23. Juni dort getroffen. Im Wechsel bereiten die Kolleginnen und Kollegen eines Dekanates diese Konferenz vor, diesmal das Dekanat Bayern unter Leitung ihres neu gewählten Dekans Pfarrer Harald Klein aus Rosenheim. Thema der Konferenz war die Eucharistiefeier, und dazu arbeiteten wir einen Tag lang mit Professor August Jilek aus Regenburg. Seine Anregungen haben uns allen im wahrsten Wortsinn viele Anstöße gegeben.

Ich fand schon interessant und fühlte mich auch bestärkt vom Titel, unter den Professor Jilek seine Ausführungen stellte: „Das Brotbrechen feiern“, so lautete die Überschrift. Ich erinnerte mich an die Erstkommunionfeier 2005 in Singen, bei der die drei Erstkommunikanten mit mir zusammen das Brot gebrochen haben. Wolfgang Zacher, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes in Singen, hat damals bei der Überreichung der Geschenke an die Erstkommunikanten gesagt, es sei ihm heute bewusst geworden, dass nicht nur das Austeilen des Brotes wichtig ist, sondern auch das Brotbrechen. Dieser Ritus kommt in unseren Gottesdiensten zu kurz. Er geht unter während ein Lied gesungen wird und ist nicht mehr als das Anrichten der Speisen in der Küche bevor sie auf den Tisch gestellt werden. Dabei wird beim Brotbrechen doch eigentlich deutlich, was wir empfangen: ein Stück von der unverdienten Liebe Gottes. Diese Liebe teilt mit uns das ganze Leben, auch die Dunkelheiten und die Schmerzen, und diese Liebe heilt. Wir singen das in einem Lied, das in unserem Gesangbuch unter der Nummer 232 steht: „Öffnet eure Herzen, ändert euren Sinn: Gott will uns begegnen, gibt sich für uns hin. Seiner Liebe Gabe ist sein Fleisch und Blut. Wunden sollen heilen, unsere Not wird gut.“

Brotbrechen ist etwas, das wir anschauen können; es ist eine sinnliche Erfahrung, die uns das näher bringen kann, was wir glauben und feiern. Das wollen Rituale und deshalb führen wir sie aus; d.h. wo sie nur noch Randerscheinungen sind, dort müssen sie neu belebt werden. Aus diesem Grund soll der Brotbrechung im Gottesdienst künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zusammen mit den Ministranten und Kommunionhelfern wird das Brot still gebrochen. Dann erst singen wir miteinander ein Lied, bevor das Brot und der Wein empfangen werden.

Die Gabenbereitung hängt mit der Brotbrechung zusammen. Es geht um die Gaben, die die Gegenwart Jesu unter uns zeigen und durch die wir die unverdiente Liebe Gottes spüren können, von der Jesus erzählt und die er bezeugt durch seinen Tod und seine Auferweckung. Es ist sinnvoll, wenn diese Gaben feierlich zum Altar gebracht werden und zwar mitten aus der Gemeinde heraus. Es geht nämlich um uns als Gemeinde. „Wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ heißt es. Wir werden also in Zukunft die Gaben im Mittelgang aufstellen, so wie wir das bei feierlichen Gottesdiensten schon getan haben. Von dort aus werden Mitglieder der Gemeinde die Gaben zum Altar bringen, zusammen mit den Ministranten. Sie werden miteinander den Tisch decken, an den wir alle eingeladen sind.

Noch andere Themen wurden angesprochen. Die verschiedenen Dienste zum Beispiel, die es bei der Eucharistiefeier zu tun gibt, und wer diese Dienste übernehmen sollte. Nicht für alles soll, kann und muss der Pfarrer zuständig sein. Oder von welchem Platz aus welcher Dienst am besten getan werden soll. Der Platz, von dem aus Lesung und Evangelium vorgetragen werden, ist nicht der richtige Platz für die Predigt. Der Altar ist der Platz für die Mahlfeier, nicht der Platz, von dem aus das Gebet des Tages vorgetragen wird. Der Priester und die, die mit ihm zusammen Dienste tun, kommen aus der Mitte der Gemeinde; deshalb sollten sie auch durch die Gemeinde den Gottesdienstraum betreten und nicht wie beim Auftritt im Theater aus der Sakristei direkt den Altarraum betreten.

Das sind nur ein paar Stichworte, zu denen sich im Einzelnen sehr viel zu sagen ist. Schon lange nicht mehr haben wir im Kollegenkreis so angeregt und engagiert diskutiert.

Vieles nehme ich mit in meine Arbeit vor Ort; es wird mich in der Gemeinde mit denen, die mitarbeiten, sicher noch länger beschäftigen. Bei den ersten Versuchen, das eine oder andere anzusprechen und im Gottesdienst umzusetzen, habe ich gespürt: dieses Thema ist für viele in unserer Gemeinde interessant und sie wollen sich an einem Gespräch darüber beteiligen.

Dass unsere Konferenz fruchtbar und hilfreich war, das verdanken wir nicht bloß dieser interessanten inhaltlichen Arbeit, sondern auch den guten Begegnungen, den wichtigen Gesprächen, der aufmunternden Gemeinschaft, die wir auch bei der diesjährigen Pastoralkonferenz wieder erlebt haben.

Thomas Walter