Bewusstseinswandel

Die Universität Regensburg schloss zwischen Weihnachten und Neujahr ihre Pforten; alle Angestellten und Bediensteten mussten Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern. Wer dennoch meinte, etwas Wichtiges in seinem Büro erledigen zu müssen, hielt es nicht lange dort aus, denn die Heizung war in dieser Woche komplett abgestellt. Das war ja auch der Grund für die Schließung, denn auf diese Weise hoffte die Leitung der Universität, pro Tag rund 10.000 Euro Heizkosten zu sparen und damit wenigsten einen kleinen Teil der über 500.000 Euro Mehrkosten einzusparen, welche durch die Preissteigerungen der vergangenen Monate für den Gebäudekomplex angefallen sind. Schon einmal wurde in Regensburg zu diesem radikalen Mittel der Energieeinsparung gegriffen, nämlich in den 70er Jahren, als die Ölkrise dem Land autofreie Sonntage bescherte.

Wer diese erste Ölkrise bewusst miterlebt hat, der wird sich nicht nur an leere Autobahnen erinnern, sondern auch an die vielen Diskussionen über unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und über die Möglichkeiten der Energieeinsparung – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich. Über die Beleuchtung von Denkmälern und historischen Gebäuden wurde diskutiert, Tipps für spritsparendes Autofahren wurden weitergegeben, mancher drehte das Thermostat seiner Heizung etwas runder und zog sich daheim lieber einen Pullover an. Kurzum: Schlagartig war das Bewusstsein für das Thema „Energie“ und „Energieeinsparung“ gewachsen, allerdings nicht aus rationaler Einsicht, sondern weil die Ölscheichs den Ölhahn etwas zugedreht hatten und sich die Energie dadurch verteuerte.

Verschwendung

Heute ist Energie teuerer denn je. Wer in den letzten Wochen die Heizkostenjahresabrechnung erhalten hat, kann ein Lied davon singen. Für die Dienstwohnung in Regensburg, in der ich diese Zeilen schreibe, haben sich die Heizkosten in den letzten sieben Jahren nahezu verdoppelt. Die Preissteigerungen bei Gas und Strom zum Jahresanfang werden diesen Betrag noch weiter in die Höhe treiben. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass heute, anders als zur Zeit der ersten Ölkrise, das Bewusstsein für einen sensiblen Umgang mit Energie eher gering ist. Wer es sich leisten kann, schert sich einen Dreck darum, ob er Energie sinnvoll verbraucht oder sinnlos verschleudert. So hat die Unsitte von Straßencafés, mit Gasheizern der Kälte zu trotzen, auch schon auf Privatleute übergegriffen, die es sich an kühlen Herbsttagen auf ihrem Balkon im fahlen Licht des Gasbrenners gemütlich machen. Ich weiß nicht, um jemand schon mal ausgerechnet hat, wieviel Strom durch die weihnachtliche Illumination von Privathäusern verbraucht wird. Mit einer Lichterkette oder einem Stern ist es ja längst nicht mehr getan. Ein lokaler TV-Sender in Bayern prämierte in diesem Jahr sogar das am besten beleuchtete Haus in seinem Sendegebiet und konnte bei dieser Gelegenheit vom prämierten Hausbesitzer erfahren, dass etwa 100 Euro Energiemehrkosten im Dezember anfallen würden. Oder man beachte, welche spritsaufenden Autos produziert werden, die ohne Probleme Käufer finden.

Lebensstil

Warum nicht?, könnte man fragen. Wenn es Freude macht? Natürlich kann jeder sein Geld ausgeben, wofür er will. Doch wird nicht nur Geld verschleudert, sondern auch Energie – und die ist unwiderruflich verloren. Das Bewusstsein scheint mir heute gering ausgeprägt zu sein, dass ein sorgsamer Umgang mit Energie nicht nur im Hinblick auf den eigenen Geldbeutel geboten ist, sondern auch, um den nachfolgenden Generationen Reserven zu erhalten und die Umwelt vor Verschmutzung, die mit der Erzeugung von Energie immer verbunden ist, zu schützen. Man muss auch als Christ nicht gleich mit der Bewahrung von Gottes Schöpfung argumentieren, denn auf dieser religiösen Ebene sind sowieso nur Wenige ansprechbar. Es gibt rationale und für jeden einsehbare Argumente, mit den Ressourcen dieser Erde zu haushalten. Doch gerade auf diesem Gebiet kann sich nur etwas positiv verändern, wenn jeder und jede Einzelne seinen bzw. ihren Beitrag leistet. Damit freilich ist die Frage nach dem eigenen Lebensstil gestellt, wo bekanntlich Veränderungen mühsam vonstatten gehen – sofern sie nicht finanziell unumgänglich sind.

Man könnte zum Schluss kommen, Energie sei immer noch zu billig, solange sie gedankenlos verbraucht wird. Das werden allerdings jene als zynisch empfinden, die jetzt schon Probleme haben, die Heizungsrechnung zu bezahlen.

Matthias Ring