Vor der Trennung


Die Trennung zwischen der Utrechter Union und der Polnisch-Katholischen Nationalkirche Amerikas (PNCC) wird vollzogen werden. Am Ende der letzten Internationalen Alt-Katholischen Bischofskonferenz (IBK) wurde in einem kurzen Beschlusstext festgestellt: Die volle Kirchengemeinschaft konnte nicht mehr wiederhergestellt werden, woraus die Trennung folgt (das Communique der Sitzung finden Sie auf Seite 15 f. in dieser Ausgabe).


1997 hatten die Bischöfe im Schweizer Wislikofen über die Frage der Frauenordination beraten. Die deutsche Kirche hatte diese bereits eingeführt, in anderen alt-katholischen Kirchen war die Diskussion weit gediehen, so dass auch dort entsprechende Synodenentscheide zu erwarten waren. Auf der anderen Seite stand die PNCC, die kategorisch die Frauenordination ablehnte, dazwischen die Kirchen Polens und Tschechiens, die zwar für ihren Bereich Priesterinnen nicht wollten, aber Bereitschaft zeigten, dies bei den anderen zu tolerieren. In Wislikofen wurde lange um eine Annäherung der Standpunkte gerungen – doch vergeblich. Die PNCC war nicht bereit, sich auch nur einen Meter zu bewegen. Ihr Standpunkt war klar: Frauenordination ist Abfall vom katholischen Glauben.


Von Wislikofen nach Prag


In dieser ausweglosen Situation beschlossen die Bischöfe, dass die IBK in sechs Jahren erneut über die Frage zu beraten habe. Bis dahin werde man sehen, wie sich die Dinge entwickelt haben. Und es kam, wie vorhersehbar. Die schweizerische, niederländische und österreichische Kirche haben mittlerweile auch Priesterinnen. Die PNCC wiederum hat sich durch einen kirchenamtlichen Beschluss darauf festgelegt, dass mit jeder Kirche, die Priesterinnen ordiniere, am Tag der Weihe die Sakramentsgemeinschaft beendet werde. Dieser Beschluss wurde so durchgeführt. Damit war freilich eine absurde Situation entstanden, denn die Utrechter Union versteht sich ja als Union von Kirchen, die in voller Gemeinschaft, also auch in Sakramentsgemeinschaft miteinander stehen. Die Aufkündigung dieser Sakra-mentsgemeinschaft ist folglich nicht eine beliebige (Straf)Maßnahme wie jede andere, sondern sie rührt an das Fundament der Utrechter Union. Den Bischöfen war klar, dass eine solche Anomalie nicht auf Dauer geduldet werden könnte. Bei den Konferenzen zeigte sich augenfällig, dass man zu einer Lösung kommen musste, denn die Bischöfe konnten seit 1997 nicht mehr gemeinsam Eucharistie bei ihren Sitzungen feiern. So hatte die IBK 2003 diese Frage zu klären.


In Prag, wo die IBK diesmal tagte, war von Seiten der PNCC wiederum keine nennenswerte Bewegung zu erkennen. Offensichtlich gibt es sogar PNCC-Vertreter, die selber eine Trennung für unvermeidlich halten. Nach dem entsprechenden Beschluss sollen die Bischöfe der PNCC und ihre Berater den Tagungsraum verlassen haben.


Probleme


Wurde damit die Frauenordination zum Spaltpilz? Auf diese Frage mit einem schlichten Ja zu antworten, hieße, es sich zu leicht zu machen. Es stand ja nicht nur diese Frage als Problem im Raum. Größte Schwierigkeiten hat die PNCC zudem mit der alt-katholisch/evangelischen Ökumene, insbesondere dem deutschen Abkommen mit der EKD zur gegenseitigen Einladung zur Eucharistie von 1985. Und als dritter Bereich tauchte immer wieder das Thema „Homosexualität“ auf; spätestens bei diesem hätte es transatlantische Spannungen gegeben, wenn nicht schon vorher die Frauenordination für Spannung gesorgt hätte.


Der verstorbene Professor Herwig Aldenhoven sagte vor einigen Jahren angesichts dieser Problemlage sinngemäß: Vielleicht bemerken wir nun, dass die Utrechter Union nicht als spirituelle, sondern als kirchenpolitischen Gemeinschaft entstanden ist. Mit anderen Worten: Man hat in den vergangenen 100 Jahren Kirchen in die Union aufgenommen, die in Frontstellung zum römischen Zentralismus standen, ohne sich zu fragen, ob die theologischen und spirituellen Gemeinsamkeiten ausreichend seien, um auch bei unterschiedlichen Standpunkten in Einzelfragen noch genügend Gemeinsames zu entdecken.


In der Krise


Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass die PNCC eine Kirche in der Krise ist, die um ihre Identität ringt und gerade deshalb versucht, das, was sie für Unaufgebbar hält, zu verteidigen. In den USA und Kanada hat die PNCC noch ca. 35.000 Mitglieder, Kenner der Materie behaupten sogar, es seien nur 10.000. Aufgrund der hohen Mobilität der amerikanischen Gesellschaft sind alteingesessene Gemeinden ausgestorben; Kirchen mussten verkauft werden. Die polnische Identität, welche diese Kirche aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte hat, ist zunehmend im Schwinden; selbst manche Bischöfe verstehen jene Sprache nicht mehr, die ihre Kirche im Namen trägt. All das macht es verständlich, warum die PNCC sich so verhält, wie sie sich verhält. Aber dieses Verhalten wird sie nicht aus der Krise führen, im Gegenteil. Die PNCC ist isoliert; mit den Anglikanern kann sie nicht in Gemeinschaft treten (wegen der Frauenordination), die römisch-katholische Kirche bleibt auf Distanz, da diese in den USA wesentlich progressiver als die PNCC ist. Die Frauenordinationsfrage hätte für die PNCC auch eine Chance sein können, ihre eigene Identität weiterzuentwickeln (was nicht heißt, sich selber für Priesterinnen zu entscheiden). Es wäre zu hoffen, dass die PNCC im Nachhinein diese Chance noch ergreift. Ansonsten wird sie in einigen Jahren von der Bildfläche verschwunden sein.


Matthias Ring


zurück zum Online-Archiv