Noch einmal: Thomas Braun und die unbefleckte Empfängnis


Ein grober Schnitzer ist beim Redigieren des Artikels über Thomas Braun unterlaufen (vgl. letzte Ausgabe, Seite 149f.). Dort heißt es an einer Stelle: „In Holzkirchen erreichte Thomas Braun 1854 eine Nachricht, die er zu­nächst für einen Irrtum der Tagespresse hielt. Demnach habe Papst Pius IX. am 8. Dezember ein neues Dogma erlassen, das besage, Maria, die Mutter Jesu, sei von ihren Eltern ohne den Makel der Erbsünde empfangen worden, also wie Jesus ohne biologisches Zutun des Vaters.“ – Dieser letzte Halbsatz ist natürlich Unsinn. Das Dogma sagt nur, dass Maria aufgrund eines „Gnadenprivilegs“ ohne Erbsünde empfangen worden sei. Wie kommt dann so ein Fehler zustande?

Als Vorlage für den Beitrag diente ein älterer und längerer Artikel über Thomas Braun. Darin findet sich u.a. ein Abschnitt, in dem von den Spekulationen die Rede ist, die die Kunde von einem neuen Marien-Dogma auslöste. Wie später beim Ersten Vatikanum schossen manche Spekulationen über das, was dann wirklich im Dogma stand, hinaus. Da Augustinus die Weitergabe der Erbsünde mit der Fortpflanzung verknüpft hatte, konnte es zu entsprechenden Spekulationen über die Zeugung Mariens kommen. Bei der Kürzung des diesbezüglichen Abschnittes unterlief die unglückliche Formulierung, die sich nicht auf das Dogma, sondern auf die ihm vorausgehenden Gerüchte beziehen sollte.

Mehrmals bin ich in den vergangenen Wochen auf den Fehler angesprochen worden. Jemand meinte, solche Fehler dürften nicht passieren; das sei doch peinlich, wenn ein Theologe so etwas schreibt. Dem stimme ich zu. Aber nach zehn Jahren Kirchenzeitungsarbeit kann ich nur feststellen: Die dümmsten Fehler passieren - und bleiben manchmal unbemerkt, selbst wenn zwei oder drei Personen den Text korrigieren.

Ein Kollege hat angeregt, in Christen heute bei Gelegenheit zu erklären, was das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis bedeute. Dies werden wir gerne in einer der nächsten Ausgaben tun.


Matthias Ring