Sich den Herausforderungen stellen

Die Nationalsynode der Christkatholischen Kirche tagte

Sich den Herausforderungen stellen – unter diesem Motto beschäftigten sich die Delegierten der christkatholischen Nationalsynode Anfang Juni mit den vorliegenden Geschäften. Bereits in seinem Bericht über das kirchliche Leben forderte der Bischof der Christkatholischen Kirche, Fritz-René Müller, die Anwesenden auf, den Blick über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus zu erweitern und bei ihren Beschlüssen das ganze Bistum im Auge zu behalten, damit die Kirche lebendig bleibe. Er wies auch darauf hin, dass in den nächsten Jahren ein Drittel der aktiven Geistlichen pensioniert wird, und dass es die Aufgabe der ganzen Kirche ist, sich darüber Gedanken zu machen, auf welche Weise der geistliche Nachwuchs gefördert werden kann.

In diesem Zusammenhang ist auch die Annahme eines Antrags zu sehen, der einen verkürzten Ausbildungsgang für am geistlichen Beruf Interessierte anregt, die bereits über eine Berufsausbildung und über Berufserfahrung verfügen. Wie solch eine Ausbildung aussehen kann, und welche praktischen und rechtlichen Konsequenzen damit verbunden sind, soll nun geprüft werden.

Einiges zu reden gab die Rechnungsablage und das Budget für das kommende Jahr. Der Rückgang der Finanzen und die gestiegenen Kosten stellen die Kirche vor gravierende Probleme. Die Synode beschloss nach eingehender Diskussion eine Erhöhung des Zentralbeitrags der Gemeinden um 4,5 Prozent. Weitergehende Maßnahmen sollen durch eine Überprüfung des Sparpotentials abgeklärt werden.

Nebst den Berichten von Institutionen und Kommissionen konnte die Synode auch den Schlussbericht der Kommission „Kirche und Homosexualität“ verabschieden. Im Bericht macht die Kommission deutlich, dass es ihr primäres Ziel ist, eine pastorale Verantwortung gegenüber gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen wahrzunehmen. Sie tut dies im Wissen um die Spannung zwischen der Tradition der Kirche und neuen humanwissenschaftlichen Einsichten wie auch um die drohende Gefahr einer ökumenischen Isolierung. Ganz deutlich betonte die Kommission die Besonderheit der Ehe zwischen Mann und Frau, da diese schöpfungstheologisch auf die Lebensweitergabe hin angelegt ist und somit den Schöpfungswillen Gottes am deutlichsten verwirklicht. Der von der Kommission zur Erprobung vorgelegte Segensritus für gleichgeschlechtliche Paare besteht denn auch aus einem Segensgebet, das keine Ähnlichkeit mit der traditionellen kirchlichen Eheschließung hat und einen anderen Platz im Gottesdienst einnimmt.

Ein weiteres Thema war die Feier der Kirchengemeinschaft der Alt-(Christ-)Katholischen Kirchen mit der Anglikanischen Kirche, die vor 75 Jahren geschlossen worden ist. Die Gemeinschaft zwischen den beiden Kirchenfamilien war zu dieser Zeit ein Novum in der Ökumene und hat sich in der Zwischenzeit – vor allem in der Schweiz – zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit entwickelt. 

Maja Weyermann

Informationsbeauftragte der Christ-katholischen Kirche der Schweiz