Startschuss für einen internationalen Dialog


Anlässlich des „Heiligen Jahres“ 2000 hatte der damalige Erzbischof von Utrecht, Antonius Jan Glazemaker, auf Einladung des Papstes an einem großen ökumenischen Gottesdienst in Rom teilgenommen. Am Rande dieses Ereignisses kam es zu einer Begegnung im Einheitssekretariat. Im Laufe des Gespräches dort äußerste Kardinal Kasper den Wunsch, den Dialog zwischen dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der Utrechter Union der alt-katholischen Kirchen auf international-bilateralem Niveau aufzunehmen.

Nachdem die IBK auf ihrer Sitzung in Bendorf 2001 diesen Wunsch positiv aufgegriffen hatte, lud das Einheitssekretariat eine bilaterale Vorbereitungsgruppe für diesen internationalen Dialog vom 13. bis 16. März 2003 zu einer Sitzung in die Katholische Akademie Stuttgart-Hohenheim ein. Seitens der römisch-katholischen Kirche gehörten dieser Gruppe an: der Jesuitenpater Jean-Blaise Fellay aus der Schweiz, neu ernanntes Mitglied der christkatholisch/römisch-katholischen Dialogkommission der Schweiz, Domkapitular Prälat Hubert Bour, Ökumenebeauftragter des Bistums Rot-tenburg und bereits am nationalen Dialog zwischen der alt-katholischen und der römisch-katholischen Kirche in Deutschland (1968 bis 1974) intensiv beteiligt, und vom Einheitssekretariat Dr. Matthias Türk; von alt-katholischer Seite: Maja Weyermann aus der Schweiz, Jan Visser aus den Niederlanden und Günter Eßer von der deutschen alt-katholischen Kirche.


Inhaltlich haben wir zuerst versucht, uns einen Überblick über die geschichtlichen und theologischen Entwicklungen in beiden Kirchen zu verschaffen. Es war dabei von alt-katholischer Seite wichtig, die römisch-katholischen Gesprächspartner über die verschiedenen historischen, theologischen und spirituellen Entwicklungen der einzelnen Mitgliedskirchen der Utrechter Union zu informieren und so deutlich zu machen, dass es aufgrund dieser Entwicklungen Sinn macht, von alt-katholischen Kirchen (und nicht einfach von der alt-katholischen Kirche) zu sprechen.


Harte Brocken


Des weiteren haben wir zusammengetragen, was bereits an nationalen Übereinkünften erreicht worden ist. Hier wollen wir der Kommission vorschlagen anzuknüpfen und nicht noch einmal „bei Adam und Eva“ zu beginnen, wie dies ein Gesprächspartner betont hat. Dieses Feststellen eines breiten gemeinsamen Fundaments in der katholischen Lehre ließ uns dann sehr schnell zu den eigentlichen „harten Brocken“ kommen, die den Dialog zwischen unseren beiden Konfessionen erschweren. Alle waren sich einig, dass es jetzt wenig Sinn macht, diese „harten Brocken“ aus dem Gespräch auszuklammern. Wenn das Ziel weiterhin eine beschränkte Sakra-mentsgemeinschaft sein soll, und auch die römisch-katholischen Gesprächsteilnehmer in Stuttgart haben diesem Ziel nicht widersprochen, dann muss in dem jetzt aufzunehmenden Dialog auch ehrlich darum gerungen werden, ob dieses Ziel realistisch zu erreichen ist oder nur der Traum einiger weniger ökumenischer Utopisten bleibt. Deswegen schienen uns für die Tagungsordnung der dann einzusetzenden offiziellen Dialogkommission unter anderem folgende Fragen wichtig:


1. Wenn die alt-katholischen Kirchen nach der Theologie des II. Vatikanischen Konzils für die römisch-katholische Kirche wirkliche Kirchen und keine „kirchlichen Gemeinschaften“ sind (weil sie zum Beispiel das Bi-schofsamt in apostolischer Sukzession bewahren), inwieweit können dann die nach dem römisch-katholischen Kirchenrecht festgelegten Konsequenzen bei einem Übertritt von der römisch-katholischen zur alt-katholischen Kirche (Exkommunikation) greifen? Und dies gilt ja sowohl für Priester als auch für Laien gleichermaßen. Wir schlagen deshalb dem Einheitssekretariat vor, unbedingt auch einen Kirchenrechtler in die römisch-katholische Delegation zu berufen, damit diese, für die alt-katholische Kirche wichtige Frage kompetent verhandelt werden kann.


2. Ist es möglich, zu einem Konsens über die Streitfrage hinsichtlich der Autorität in der Kirche und der damit verbundenen Stellung des Papstes zu kommen trotz des Weiterbestehens der Dogmen von 1870?


3. Wie sind die theologischen Entwicklungen in beiden Konfessionen zu bewerten? Welche Bedeutung hat zum Beispiel die Enzyklika „Dominus Jesus“ für die Beziehung zwischen römisch-katholischer und alt-katholischer Kirche? Und wie belastend für den Dialog ist die Zulassung von Frauen zum priesterlichen Amt in der Kirche wirklich, wenn man davon ausgehen darf, dass damit die Amtstheologie als solche nach alt-katholischer Auffassung nicht verletzt ist? Verhindert die Einführung der Frauenordination in den westlichen alt-katholischen Kirchen eine beschränkte Sakramentsgemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche?


Es gilt abschließend festzuhalten, dass die Gespräche in einer ausgesprochen offenen und freundschaftlichen Atmosphäre stattgefunden haben. Die hervorragend geführte Katholische Akademie in Stuttgart-Hohenheim hat dafür einen sehr guten Rahmen geboten.

Unsere Arbeitsergebnisse werden jetzt dem Einheitssekretariat und der IBK vorgelegt. Beide Dialogpartner werden dann über die Zusammensetzung ihrer Delegationen beschließen, die je von einem Bischof geleitet werden soll. Wir rechnen für das Frühjahr 2004 mit der offiziellen Aufnahme dieses für uns Alt-Katholiken wichtigen ökumenischen Gesprächs.


Günter Eßer


zurück zum Online-Archiv