Auf zum Dialog

Der Weg zur dritten europäischen ökumenischen Versammlung EÖV3

Vom 24. bis 27. Januar fand in Rom die erste Begegnung auf dem Pilgerweg nach Sibiu (Rumänien) zur dritten Europäischen Versammlung (EÖV3) statt. Organisatoren der Versammlung mit dem Thema „Das Licht Christi leuchtet über allen“ sind die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).

Rund 150 Delegierte von Kirchen, Bischofskonferenzen, Bewegungen und ökumenischen Organen aus 44 europäischen Ländern reisen nach Rom, darunter auch die Vertreterin der christkatholischen Kirche. Ihr Bus vom Römer Flughafen Ciampino rumpelt ins Zentrum der Ewigen Stadt; der Chauffeur weiß, den Schlaglöchern auszuweichen ist zwecklos. Die Reisende fühlt, dieser Ort ist speziell, ja es gibt keine Zweifel mehr: Rom ist irgendwie „heilig“. - Ob dieser Eindruck wohl bis zum Schluss der ersten Begegnung auf dem Weg nach Sibiu andauert?

Während des Nachtessens, obwohl in Rom, sitzen ganz „normale“ Menschen am Tisch. Bisweilen blitzt ein goldenes Kreuz am Hals auf, lugt ein kardinalsrotes Hemd unter einem Kittel hervor, aber alle lassen es sich schmecken, die Stimmung ist angeregt und fröhlich.

Ernster geht’s am nächsten Tag zu – zumindest während den Sitzungen.

Ökumene in Europa

Das Thema der ersten Etappe der EÖV3 lautet: „Das Licht Christi leuchtet über allen“, die Wiederentdeckung des neuen Lichts im gekreuzigten und auferstandenen Christus auf dem Weg zu Versöhnung zwischen Christen in Europa. Eröffnet wird die Versammlung in Rom durch zwei Referate über die ökumenische Situation in Europa. In einem historischen Abriss zeigt Kardinal Walter Kasper (Präsident des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen) die Entwicklung zum heutigen Europa auf. Für ihn ist unser Kontinent eine geschichtlich gewachsene Schicksals- und Wertegemeinschaft, das Christentum fungierte dabei als einheits- und identitätsstiftende Kraft. Aber auch die Spaltung Europas ist in der Christentumsgeschichte unseres Kontinents begründet. Darum seien wir heute „als Christen ökumenisch gemeinsam für Europa und für eine europäische Friedensordnung herausgefordert“ betont er und freut sich an den vielen Christen, die sich bereits gemeinsam auf den ökumenischen Pilgerweg gemacht haben.

Trotzdem kann das Bild des gemeinsamen Weges nicht darüber hinwegtäuschen, dass große Unterschiede zwischen den Kirchen das gemeinsame Vorwärtskommen zum Teil sehr erschweren. Darauf weist im zweiten Referat Bischöfin Dr. Margot Käßmann (evangelisch-lutherische Kirche Deutschlands) hin. Solange es Kirchen gibt, die den Anspruch der einen, wahren und heiligen Kirche für sich allein beanspruchen, wird ein gleichberechtigtes Miteinander schwierig. Dies erhärtete sich 2000 durch Erklärung „Dominus Jesus“ der römisch-katholischen Kirche, während auch die Moskauer Bischofssynode im selben Jahr festhielt, dass die „Orthodoxe Kirche die wahre Kirche Christi“ sei. Eine solche Haltung spreche jedoch anderen das Kirchesein im vollen Sinne ab, kritisiert Frau Käßmann.

Die Folge: Die trennenden theologischen Fragen zwischen den Kirchen rücken wieder in den Vordergrund. Prominentes Beispiel ist die gemeinsame Abendmahlsfeier. Die Referentin wird deutlich: „Die Sehnsucht nach einer gemeinsamen Abendmahlsfeier kann nicht ignoriert werden“. Dass dem so ist, zeigt sich in der anschließenden Diskussion. Doch außer eher unverbindlichen Floskeln kommt von römisch-katholischer Seite nichts Konkretes, was nicht weiter erstaunt. Das Problem besteht schließlich schon lange und ist immer noch äußerst heikel. Immerhin versprechen die Organisatoren von Sibiu, dort einen runden Tisch zu diesem Thema einzurichten.

Der Papst lässt bitten

Neben vielen andern Vorträgen stehen auch ein paar Ausflüge auf dem Programm. Als besonderes „Zückerchen“ gilt eine Audienz bei Papst Benedikt XVI. Sie sorgte im Vorfeld für einige Aufregung unter den Teilnehmenden, und nicht nur die Frauen zermarterten sich plötzlich den Kopf, was anzuziehen sei, wenn man vom Papst empfangen wird. Die Audienz schließlich ist kurz: Der Papst empfängt die Grußworte seiner Gäste. Danach wendet er sich auf Italienisch an die Anwesenden und bekräftigt seine Unterstützung für die EÖV3. Es blitzen die Kameras, einige der EÖV3-Delegierten können den Papst persönlich begrüßen, und schon ist der Besuch in der wunderschönen Clementinen-Halle des Vatikans passé.

Und jetzt? Die erste Etappe auf dem Weg nach Sibiu ist vorbei, die nächste wird im Februar 2007 in Wittenberg stattfinden.

Mitmachen

In einem Brief an die Christen von Europa, den die Teilnehmenden in Rom verfassten, wird erklärt, wie man sich am Prozess der EÖV3 engagieren kann:

- für diesen ökumenischen Weg beten.

- an den Feiern und Veranstaltungen teilnehmen, die in fast allen europäischen Ländern stattfinden werden.

- die Internetseiten (www.eea3.org) besuchen, dort erhält man Informationen über die Veranstaltungen sowie Vorschläge, Dokumente und andere Materialien.

- andere ermutigen, ihre Ideen einzubringen.

Eins ist klar, je mehr Personen in irgendeiner Form an der EÖV3 teilhaben und mitmachen, umso heller und breiter scheint das Licht Christi auf alle Menschen.

Zurück zur Eingangs gestellten Frage: Nein, der Eindruck, dass in der Ewigen Stadt alles „heilig“ ist, hielt sich nicht – und das ist gut so. Am Treffen in Rom nahmen Menschen teil mit ihren Schwächen und Stärken, mit ihrem Wissen und ihren Überzeugungen, ihren Gefühlen und Sachzwängen. Diese Verschiedenheiten machen den ökumenischen Dialog nicht unbedingt einfach, aber sie bilden den Motor, der uns Christen und Christinnen anspornen soll, miteinander im Gespräch zu bleiben. Der Pilgerweg nach Sibiu bietet uns die Gelegenheit dazu.

Carole Soland

Mit freundlichen Dank an das Christkatholische Kirchenblatt für die Abdruckerlaubnis.



Die ersten beiden Ökumenischen Versammlungen fanden 1989 in Basel und 1997 in Graz statt. Das Treffen in Basel gilt inzwischen als kirchenhistorisch bedeutendes Datum. Zum ersten Mal überhaupt wurde eine solches Treffen von der römisch-katholischen Kirche sowie von orthodoxen und evangelischen Kirchen gemeinsam veranstaltet. In Basel wurde der vom Weltkirchenrat angestoßene so genannte konziliare Prozess der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung auch in der nichtkirchlichen Öffentlichkeit zum Thema.

Anders als die ersten beiden Europäischen Ökumenischen Versammlungen besteht die dritte nicht aus einer Einzelveranstaltung, sondern soll einen Prozess in vier Etappen darstelle. Die einzelnen Stationen seien eine „symbolische Wallfahrt“ zur Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln Europas, so die Initiatoren. Nach Rom ist eine weitere Versammlung vom 15. bis 18. Februar 2007 in der Lutherstadt Wittenberg geplant. Auf dem Programm stehen weitere Begegnungen auf nationaler oder regionaler Ebene. Der Rat der katholischen europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) ist die Dachorganisation der derzeit 34 Bischofskonferenzen Europas. Das Sekretariat hat seinen Sitz im schweizerischen St. Gallen. Die 1959 gegründete Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) vereint 125 orthodoxe, protestantische, anglikanische und alt-katholische Kirchen aus ganz Europa. Sie hat Büros in Genf, Straßburg und Brüssel.

epd