Vom Sinn und Unsinn der Konzelebration


In vielen unserer Gemeinden gibt es zusätzlich ehrenamtlich tätige Priester. So mag man es als naheliegend empfinden, wenn an Festtagen in den Hauptgottesdiensten alle Priester eines Pfarrgebietes um einer größeren Feierlichkeit willen zur Konzelebration um den Altar versammelt sind. Die Konzelebration hat in den alt-katholischen Gemeinden – wohl in Anlehnung an die Entwicklung in der römisch-katholischen Kirche seit der Verabschiedung der Liturgie-Konstitution vor vierzig Jahren – erheblich zugenommen. Das II. Vatikanische Konzil seinerseits hat die Konzelebration, wie sie aus der alten Kirche etwa für die Bischofs- und Priesterweihe überkommen war, beträchtlich ausgeweitet. Werfen wir zunächst einen Blick auf diese Entwicklung.


Der Hintergrund im römischen Katholizismus


Kaum theologische, wohl aber praktische Gründe haben im Anschluss an das Konzil zur Ausweitung der Konzelebration geführt. Der erste Anstoß entstammte dem Bemühen, die Privatmessen der Priester abzuschaffen. Vor allem in klösterlichen Gemeinschaften vermeinten die Priestermönche, täglich „ihre Messe lesen“ zu müssen, um anschließend bei der Gemeinschaftsmesse mehr oder minder teilnahmslos und ohne Kommunionempfang anwesend zu sein. Das sollte sich durch die tägliche Konzelebration ändern. Schließlich ging es auch ums Geld: Die Klöster konnten oder wollten auf die Mess-Stipendien nicht verzichten, welche die Priester mit ihren Messen täglich einbrachten. Fortan durfte jeder konzelebrierende Priester ein Stipendium annehmen.

Dazu wählte man eine liturgische Form, nach der jeder Konzelebrant den Einsetzungsbericht spricht und somit – nach römischem Verständnis – die Wandlung der Gaben bewirkt. Das gemeinsame Sprechen des Einsetzungsberichts wird für die „sakramentale“ Konzelebration, wie man sie von nun an nannte, nach römischer Anordnung als unbedingt erforderlich angesehen. Auf diese Weise feiert man aber letztlich nur äußerlich eine Gemeinschaftsmesse, eigentlich aber mehrere Messen von Priestern, die parallel und gleichzeitig ihre „Wand-lungsvollmacht ausüben“. Diese Form ist jedoch erstmals im Mittelalter in Rom an hohen Festen nachzuweisen und hat sich im Spätmittelalter auch bei Bischofs- und Priesterweihe durchgesetzt. Die alte Kirche des Westens kannte nur die sogenannte „zeremonielle“ Konzelebration, bei der zusätzlich anwesende Priester bei der Gabenbereitung und Kommunionausteilung halfen oder Verkündigungsaufgaben übernahmen.

Besonders die Form der „sakramentalen“ Konzelebration hat bei mir seit eh und je Bedenken ausgelöst. Im Gegensatz zum gemeinsamen Singen ist ein gemeinsames Sprechen (oder Murmeln) in verschiedener Tonhöhe ästhetisch unschön. Vielmehr aber noch zählt dies: Durch die Konzelebration überhaupt wird verdunkelt, dass der Gottesdienst kein Geschehen unter den Priestern ist, an dem die Gemeinde einfach nur teilnimmt. Vielmehr ist er die Feier der Gemeinde - unter einem (priesterlichen) Vorsitz.


Zur alt-katholischen Praxis


Selbstverständlich spielen Stipendien in den alt-katholischen Gemeinden bei der Konzelebration keine Rolle. Schließlich wurde das Stipendienwesen bereits in den Anfängen gänzlich abgeschafft. Auch die Form einer „sakramentalen“ Konzelebration, wie beschrieben, dürfte glücklicherweise keine Rolle spielen, sieht man von Relikten ab. Ein solcher Restbestand ist etwa das Ausbreiten der Hand über den Gaben beim Einsetzungsbericht – ein Gestus, der an dieser Stelle sinnlos ist: ist er doch epikletisch, d. h. eine Geste zur Begleitung der Bitte um die Herabkunft des Geistes Gottes.

Wie sinnvoll ist aber die Konzelebration überhaupt? Sie lässt, wie soeben gesagt, nicht richtig deutlich werden, dass der Gottesdienst die Feier der Gemeinde unter dem einen Vorsitz ist. Dazu kann aber ein anderer Gesichtspunkt in Konkurrenz treten. Bei bestimmten Gottesdiensten ist es angezeigt, den Blick über die einzelne Gemeinde hinaus zu lenken: auf die Einheit des Bistums oder die (ersehnte und erbetene) Einheit der Kirche. Darum ist es natürlich besonders angebracht, wenn in den Weiheliturgien, aber auch beim Besuch des Bischofs in der Gemeinden, bei der Einführung eines Pfarrers oder Aufnahme eines Seelsorgers in das Team die Form der Konzelebration gewählt wird. Das gleiche gilt für ökumenische Gottesdienste. Der Aspekt der Feierlichkeit an Hochfesten dürfte die Konzelebration nicht rechtfertigen. Es gibt genug Mittel, textliche wie musikalische oder symbolische, um eine feierliche Gestaltung zu bewirken.

Noch ein letztes Wort: Sollte man es für angebracht halten, dass ein Teil des Eucharistiegebetes von einem Konzelebranten gesprochen wird, so könnte der Leiter des Gottesdienstes auch darin seine Rolle erfüllen, dass er – statt stumm das Altarbuch hin- und herzuschieben – einen Auftrag erteilt, etwa: “Sprich die Bitte für alle, die in der Kirche Verantwortung haben.“ Oder: ...“für die Verstorbenen.“


Klaus Rohmann


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