Um gute Entscheidungen zu treffen – Eine Ansichtssache zum Thema Pastoralsynode


Wenn man in einem Gremium nicht weiterkommt, dann wird eine Kommission eingesetzt; im kleineren Kreis wird weiterberaten, hier soll eine Entscheidung vorbereitet werden. Die Politik macht es vor. Manchmal erscheinen solche Kommissionen wie eine Notlösung und wie die Vertagung einer fälligen Entscheidung.


Bei der Pastoralsynode 2000 in Bad Herrenalb haben wir in unserer Kirche gute Erfahrungen mit der Arbeit im kleinen Kreis gemacht. Die Mehrzahl der Synodalinnen und Synodalen haben die Gruppenarbeit als gewinnbringend und einladend erlebt. Am Ende der Pastoralsynode wurde deshalb von verschiedenen Seiten angeregt, auch auf kommenden Synoden diese Form der Arbeit immer wieder zu praktizieren. So wurde auch bei der Synode in Mainz vom 1. – 5. Oktober dieses Jahres an einem Tag in Gruppen gearbeitet. Auch diesmal war das Echo überwiegend positiv; viele Stimmen sagen, dass die erfolgreiche Beratung und Verabschiedung der neu gefassten Kirchlichen Ordnungen und Satzungen auch durch diese Arbeit in Gruppen möglich wurde.


Ein komplexer Prozess


Gruppenarbeit ist ganz sicher kein Allheilmittel und kein Zauberwort gegen tröge Plenumsarbeit. Es geht nicht um Entweder – Oder. Es geht auch nicht darum, ob die Synode zum Gesprächskreis „verkommt“ oder oberstes Entscheidungsgremium unserer Kirche bleibt. Unbestritten gehört die Entscheidung zum Wesen des synodalen Handelns. Ohne Entscheidungen wird auch das in Bad Herrenalb begonnene „Projekt Wachstum“ nicht weitergehen.

Der Philosoph Jürgen Habermas hat den Begriff „erkenntnisleitendes Interesse“ geprägt. Ausgedrückt wird damit, dass Dinge, über die sich Menschen Gedanken machen, immer mitgeprägt sind vom ganzen Menschen. Wie ich etwas sehe, warum mich etwas beschäftigt, wie viel Zeit und Kraft ich bereit bin, für eine Sache einzusetzen, hat immer mit mir zu tun. Beratungen, ihr Verlauf und die daraus folgenden Entscheidungen sind wesentlich mitgeprägt von Urteilen und Vorurteilen, Gefühlen und Stimmungen, Erfahrungen, Erfolgen und Enttäuschungen ... Objektivität und Sachargumente sind m. E. nicht die bestimmenden Größen bei Entscheidungen über Dinge, die Menschen berühren; zumindest sind sie es nicht alleine und nicht zuerst.


Einbeziehen


Fragen der Kirche und des Glaubens sind Fragen, die alle berühren, die sich in unserer Kirche engagieren. Folglich spielen bei der Entscheidungsfindung der Synode alle die genannten Faktoren eine Rolle. Aus diesem Grund sollten auch alle diese Faktoren so gut als möglich – oder je nach Sichtweise – so weit als nötig, in Diskussion und Entscheidung miteinbezogen werden. Ein Instrument, das dies erlaubt, ist die Gruppenarbeit. Es gibt dazu reichlich Fachliteratur, die belegt, dass Gruppenarbeit eine Methode ist, die zur konstruktiven Entscheidungsfindung hilft. Überdies wurde und wird das in unserer Kirche von vielen so erfahren – nicht nur durch die Arbeit bei der Synode, sondern auch in anderen Entscheidungsgremien. Auch in Gemeindeversammlungen und bei Klausuren des Kirchenvorstandes wird auf diese Weise gearbeitet. Gruppenarbeit ist so betrachtet eben nicht nur eine Arbeitsmethode für Bildungsveranstaltungen, bei denen es nicht um Entscheidungen geht. Gerade weil Entscheidungsfindung so komplex ist, ist Gruppenarbeit eine dafür geeignete Methode, was nicht zuletzt die vergangene Synode in Mainz gezeigt hat.


Verbinden


Matthias Ring hat Recht, wenn er anmahnt, dass Ergebnisse der Gruppenarbeit dann, wenn es wirklich um Entscheidungen geht, ins Plenum zurückgegeben werden müssen. Nur so können diese Ergebnisse von allen als Grundlage für entsprechende Entscheidungen genutzt werden. Daran gilt es - gerade im Hinblick auf die nächste Synode - zu arbeiten. Hier geeignete und lebendige Modelle zu entwickeln, dürfte aber eigentlich kein Problem sein. Es gibt in unserer Kirche inzwischen einige, die sich damit gut auskennen – qualifiziert durch ihre Ausbildung oder entsprechende Weiterbildungen und geübt in beruflicher Praxis. Wenn wir dieses Potential nutzen und es gegebenenfalls entsprechend ergänzen durch Fachleute von außen, die nicht immer Unsummen kosten müssen, um gute Arbeit zu leisten, dann können auch kommenden Synoden spannende und gewinnbringende Veranstaltungen werden, von denen ein guter Geist ausgeht, der unsere Kirche beflügelt. Auf diese Weise ist es dann auch leichter, Frauen und Männer zu finden, die bereit sind, synodale Verantwortung als Vertreter ihrer Gemeinden zu übernehmen und Entscheidungen mitzutreffen, mitzutragen und mitzuverantworten.


Thomas Walter


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