Auf der Suche


Die nächste Synode wird vermutlich wieder eine „Pastoralsynode“ sein, nachdem diese, in Mainz, unter der Bezeichnung „Rechtssynode“ gehandelt wurde. Gewiss, im Mittelpunkt der Synode stand die Verabschiedung der – in einigen Punkten neugefassten, weithin aber nur neu geordneten und an die heutige Zeit angepassten – Kirchlichen Ordnungen und Satzungen.

Das heißt nicht, dass sich die Synode vom ersten bis zum letzten Tag mit Rechtsfragen beschäftigt hat. Erst recht darf man aus dieser Bezeichnung nicht folgern, in Mainz sei es nicht auch um pastorale Fragen gegangen. Dabei möchte ich nicht einmal vom Antrag der Gemeinde Düsseldorf bezüglich der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sprechen (durchaus eine pastorale Frage), sondern auf den Umstand hinweisen, dass das kirchliche Recht selber eine pastorale Dimension hat. Je nach seiner Gestalt kann das bestehende Recht die Pastoral, den Gemeindeaufbau und das alltägliche Gemeindeleben fördern oder hemmen. Deshalb sind ja Kirchenrechtsreformen immer wieder notwendig; sie sind kein Selbstzweck oder gar Spielerei.


Ich habe den Eindruck, bei den Bezeichnungen „Rechtssynode“ und „Pastoralsynode“ geht es nicht nur um eine Inhaltsangabe, sondern es schwingt auch eine Bewertung mit – eine positive Bewertung zugunsten des Typus „Pastoralsynode“. Schaut man genauer hin, dann sind drei Gründe dafür zu vernehmen. Erstens: Bei Pastoralsynoden stünden die wichtigen Themen, die Zukunftsfragen im Mittelpunkt. Zweitens: Sie seien weniger von Konflikten geprägt. Drittens: Sie ermöglichten Arbeitsformen, zum Beispiel Gruppenarbeit, die alle zu Wort kommen lassen und nicht nur die „Vielredner“, wie dies bei den Plenardebatten zu beobachten ist.


Gruppenarbeit


An dieser Stelle möchte ich nur auf den letzten Punkt eingehen, denn es scheint, als solle langfristig die Gruppenarbeit einen festen Platz im Synodengeschehen erhalten, wie ja auch aus dem Beitrag von Joachim Pfützner in dieser Ausgabe hervorgeht (siehe Seite 256). Er verspricht sich davon eine Stärkung der Rolle und des Selbstverständnisses vieler Abgeordneter. Ob und wie die Gruppenarbeit das leisten kann, wage ich nicht zu beurteilen. Entscheidender ist für mich, dass sich bei allem Wandel der Arbeitsformen der Auftrag der Synode nicht ändern kann: Sie ist das oberste gesetzgebende Organ unseres Bistums, aber nicht – um es pointiert auszudrücken – der oberste Gesprächskreis, denn die Synode redet nicht nur, sie hat das Sagen. Sie entscheidet, nachdem die Fragen der gemeinsamen Beratung unterworfen wurden; das gehört zum Wesen der Synodalität.


Gruppenarbeit kann von daher nicht im Mittelpunkt des synodalen Geschehens stehen, sie hat aber dann ihren Platz, wenn sie der originären Aufgabe der Synode dient, indem durch diese Arbeitsform Entscheidungen besser vorbereitet und vorgeklärt werden können.


Diesmal hat man versucht, durch einen thematischen Vortrag mit Gruppengespräch die Diskussion der Rechtsreform vorzubereiten. Prinzipiell wird sich diese Methode bei schwierigen oder konfliktbeladenen Themen empfehlen, da im Gruppengespräch im Vorfeld manche Fragen und Missverständnisse geklärt werden können, so dass die Diskussion im Plenum, wo die Entscheidungen zu fällen sind, auf eine bessere Basis gestellt werden kann.


Plenum und Gruppe


Was ich für problematisch hielte, dass wären thematische Einheiten bei Synoden, die mit den zu behandelnden Fragen nichts zu tun haben; damit würde man die Synode zu einer Bildungsveranstaltung degradieren. Nach meiner persönlichen Meinung war die Arbeitsweise der letzten Pastoralsynode in Bad Herrenalb im Jahr 2000 auch nicht ideal, denn die Gruppenarbeit wurde nicht mehr ins Plenum zurückgebunden, die Synode konnte in diesem Sinne nichts entscheiden und für kritische Diskussionen war – außer in der Gruppe – kein Platz. Wir haben zwar ein ausgezeichnetes Synodenheft mit mehreren Pro-jektbeschreibungen, aber diese Projekte wurden nicht von der Synode beschlossen, sondern vom Vorbereitungsteam auf der Basis der Gruppenarbeiten formuliert. Die Synode selber – und damit unsere Kirche – ist in Bad Herrenalb keine Verpflichtung eingegangen. Im Grunde hat man in Bad Herrenalb an dem Punkt aufgehört, an dem eine Synode anfangen müsste: Nämlich als oberster Gesetzgeber Projekte auszuwählen und sich selber darauf zu verpflichten.


Wie man Gruppenarbeit und synodalen Auftrag besser miteinander verbinden kann, das wird – in meinen Augen – die spannende Aufgabe für das Vorbereitungsteam der nächsten Synode sein.


Matthias Ring


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