Wege aus der Krise

Die bayerische Landessynode tagte

Am 18. März tagte in München die bayerische Landessynode, die einen neuen Landessynodalrat mit Pfarrer Matthias Ring als Präsidenten wählte. Der langjährige LSR-Präsident, Raimund Caser, hatte auf der Sitzung vom 24. September 2005 seinen Rücktritt unter – wie er schrieb – „Würdigung der sich in den letzten Monaten veränderten Stimmungslage in unserem Bistum und Dekanat“ sowie seiner beruflichen Veränderungen bekannt gegeben. Daraufhin beschloss der LSR, die nächste Landessynode vorzuziehen und bereits 2006 abzuhalten – vor allem aufgrund einer schweren Finanzkrise, über die in Christen heute bereits mehrfach berichtet wurde. Im Folgenden dokumentieren wir in Auszügen den Bericht über die finanzielle Lage, den Matthias Ring der Synode vorlegte.

Unsere wichtigste Einnahmequelle ist die Kirchensteuer. Ich habe Ihnen im Folgenden die Einnahmen aus der Kirchenlohnsteuer und der Kircheneinkommenssteuer seit dem Jahr 1999 aufgelistet, ebenso den Überschuss bzw. Fehlbetrag, mit dem die Jahresrechnung unseres Landessynodalbezirks abschloss. (...)

Wie Sie der Aufstellung entnehmen können, haben wir einen Rückgang der Kirchenlohnsteuer auf etwa 420.000 Euro jährlich zu verzeichnen (2001 waren es 490.000 Euro). Dramatisch haben sich die Einnahmen aus der Einkommenssteuer entwickelt, die von über 200.000 Euro auf rund 120.000 Euro zurückging. Der hohe Betrag von rund 167.000 Euro in 2005 darf darüber nicht hinwegtäuschen, denn er verdankt sich im Wesentlichen einer Vorauszahlung von 60.000 Euro, die unmittelbar vor Jahresende einging, eigentlich aber erst in 2006 fällig wäre...

Die Gründe für den Rückgang der Kirchensteuereinnahmen liegen nicht in der Arbeit des Kirchensteueramtes, das seine Aufgabe vorzüglich und zuverlässig erfüllt. Stattdessen machen uns – wie den großen Kirchen übrigens auch – die Steuerreformen und die wirtschaftliche Lage zu schaffen.

Runder Tisch

Insbesondere der Jahresabschluss 2003 mit seinem Minus von über 100.000 Euro zwang zum Handeln und führte zum sogenannten ersten „Runden Tisch“ in Frankfurt am 30. Oktober 2004, wo unsere Kirchenleitung gemeinsam mit den Verantwortlichen aller Kassenbezirke über die Lage beraten hat. Dabei wurde nicht nur über die bayerische Situation gesprochen, sondern auch über die Vereinheitlichung der Pfarrersgehälter, die Schaffung einer gemeinsamen gehaltsabrechnenden Stelle und über die Bildung einer gemeinsamen Kasse. Konkret wurde laut Protokoll vereinbart, ein viertes Lehrvikariat ohne bayerische Beteiligung einzurichten. Diese Überlegungen wurden beim zweiten „Runden Tisch“ am 3. Juni 2005 in Neustadt/W. weitergeführt, fanden aber gerade in punkto gemeinsame Kasse zu keiner befriedigenden Lösung. Letztendlich wurde vereinbart, ein bestehendes Vikariat nach Bayern zu verlegen und auf diese Weise ein Pfarrersgehalt einzusparen. Außerdem sollte das Gehalt von Ulrich Piesche in der Höhe eines Vikarsgehalt umlagig und ohne bayerische Beteiligung aufgebracht werden (= viertes Vikariat), während die Restsumme, die zu dem Pfarrer Piesche zustehenden Gehalt noch fehlt, von Bayern abzudecken ist.

In einer gemeinsamen Tagung des LSR mit den hauptamtlichen Geistlichen Bayerns am 19. Januar 2005 wurde vom LSR angesichts eines zu erwartenden Defizits von bis zu 190.000 Euro in 2005 beschlossen, die Bistumsleitung zu bitten, eine Pfarrstelle durch ein Vikariat zu ersetzen und gleichzeitig ein umlagiges Pfarrvikariat einzurichten.

All diese Beratungen und Beschlüsse führten dazu, dass Pfarrer Niki Schönherr nach Nürnberg wechseln musste, da nur Augsburg als Vikarsstelle geeignet ist. Gleichzeitig wechselte Ulrich Piesche nach Weidenberg und wird wie beschrieben besoldet. Durch diese beiden Maßnahmen spart die Landeskasse jährlich zwischen 100.000 und 115.000 Euro. In 2005 haben diese Sparmaßnahmen erst teilweise gegriffen, da die Versetzungen in der zweiten Jahreshälfte vorgenommen wurden. In 2006 verdanken wir ihnen eine Reduzierung des voraussichtlichen Haushaltsdefizites auf ca. 50.000 Euro (eine weitere Reduzierung des Defizits in 2007 ist zu erwarten, da 2006 besondere Ausgaben von bis zu 15.000 Euro anfallen).

Beim zweiten „Runden Tisch“ wurde vereinbart, 2006 erneut die Lage in Bayern zu prüfen und über eine etwaige Fortschreibung der Hilfsmaßnahmen zu beraten.

Über dieses Thema ließe sich noch viel sagen. Ich will es damit bewenden lassen und am Ende folgendes festhalten:

1. Unsere Finanzen befinden sich nicht im freien Fall. Die Einnahmen haben sich stabilisiert – allerdings auf einem Niveau, das es uns nicht ermöglicht, aus eigener Kraft unsere Aufgaben zu bewältigen.

2. Eine Streichung von Seelsorgsstellen würde die Kassenlage kurzfristig entspannen, aber mittelfristig zu einem weiteren Rückgang der Einnahmen führen, denn Gemeinden ohne Geistliche vor Ort wachsen nicht mehr, sie schrumpfen, und damit verlieren wir auch Kirchensteuerzahler.

3. Im Bistum ist ein hohes Maß an Solidarität und der Wille spürbar, „den Bayern“ zu helfen. Wer die Geschichte unserer Kirche kennt, weiß, dass die Solidarität im Finanziellen nicht immer funktionierte. Es ist verständlich, dass von den anderen Kassenbezirken keine Blankoschecks ausgestellt werden, sondern in regelmäßigen Abständen die Lage überprüft wird.

4. Wichtig ist es – so schlicht es sich anhören mag –, Ruhe und Nerven zu bewahren. Nichts würde unserer Kirche mehr schaden als ängstliche Aufgeregtheit oder gar Defätismus. Ich weiß, das ist angesichts der Zahlen nicht leicht. Wir leben mit dem Dilemma, dass nur das Wachstum unserer Gemeinden langfristig die finanzielle Situation entspannen kann. Aber dieses Wachstum ist nur möglich, wenn wir nicht ständig über das Geld reden, sondern vor allem über das Evangelium – das muss unseren Gemeindealltag bestimmen.

Matthias Ring