Pfarrer Werner Schmidt †


Im Alter von 96 Jahren verstarb am 16. März 2004 Pfr. i.R. Werner Schmidt.

Der gebürtige Essener besuchte als Schüler ein Internat der Steyler Missionare in Bad Driburg, wo er erstmals Priestern begegnete, die in der Diakonie einen Schwerpunkt ihrer Arbeit sahen. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt studierte er Philosophie und römisch-katholische Theologie in Köln und Bonn und wurde am 28. Februar 1936 im Kölner Dom zum Priester geweiht.


Weil die Erzdiözese damals zu viele Geistliche hatte, wurde er zunächst für Notdienste an freigewordenen Stellen im Bistum Rottenburg eingesetzt. In nur drei Jahren kam er so nach Dunningen, Horb am Neckar, Spaichingen, Tuttlingen, Laupheim, Mietingen und Biberach. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Berufung als Krankenhaus- und Standortpfarrer in Wuppertal.

Wegen seiner Erfahrungen mit der römischen Hierarchie während des Krieges verließ er 1945 den Kirchendienst und wechselte in einen Zivilberuf. 1948 wurde er alt-katholisch und arbeitete als Regens am Bischöflichen Seminar und als Seelsorger in Aachen. Außerdem war er Redakteur unserer Kirchenzeitung. Nach seiner Heirat mit Berthilde, der jüngeren Tochter von Bischof Erwin Kreuzer, wurde er 1951 zum Pfarrer in Krefeld gewählt.


35 Jahre lang setzte er sich gemeinsam mit seiner Frau mit allen Kräften für seine Gemeinde am Niederrhein ein, angefangen vom eigenhändigen Wiederaufbau der kriegszerstörten Pfarrkirche bis hin zur Errichtung des größten alt-katholischen Gemeindezentrums in Deutschland, dem Dreikönigenhaus. Gegen viele, auch innerkirchliche Widerstände stellte er die Verbindung von Liturgie und Diakonie in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Dafür vernachlässigte er manche persönlichen Ziele, unter anderem gelang es ihm nicht, seine Dissertation über Albert Schweitzer fertigzustellen.


Zukunftsweisend sah er die stark ansteigende Zahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft voraus und erarbeitete Konzepte zur Verbesserung ihrer alltäglichen Lebensumstände. Seine Ideen zur mobilen Betreuung und Versorgung im häuslichen Umfeld sind heute weitgehend verwirklicht und als selbstverständlich anerkannt. Für seine Leistungen wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland sowie der Silbernen und der Goldenen Ehrenplakette des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ausgezeichnet.


Selbst im höchsten Alter kannte er keinen Stillstand. Bis kurz vor seinem Tod beschäftigte er sich in seinem Essener Elternhaus noch mit wissenschaftlicher Literatur und dem Lernen von Fremdsprachen. Mit seinem Engagement wirkt er als Vorbild auch in den folgenden Generationen seiner Familie fort.


Die Krefelder Gemeinde hatte im vergangenen Jahr beschlossen, in einer Seitenkapelle ihrer Pfarrkirche Erscheinung Christi ein Kolumbarium einzurichten. Pfarrer Werner Schmidt wird dort als Erster beigesetzt.