Preisverleihung in Utrecht

Das Curatorium der „Stiftung Alt-Katholisches Seminar“ hat auf Empfehlung ihrer Jury für wissenschaftliche Preise im Jahr 2005 Prof. Dr. Dr. Anastasios Kallis aus Münster den Blaise Pascal-Preis und Herrn lic. phil. et theol. Hubert Huppertz aus Everswinkel, Priester des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland, den Andreas-Rinkel-Preis zuerkannt.

Mit dem Andreas Rinkel-Preis (genannt nach Andreas Rinkel, Erzbischof von Utrecht, 1937 bis 1970) würdigt die „Stiftung Alt-Katholisches Seminar“ Alt-Katholiken, die sich um die Erforschung des Alt-Katholizismus verdient gemacht haben; mit dem Blaise Pascal-Preis (genannt nach dem Philosophen und Port-Royalisten) ehrt sie Persönlichkeiten, die sich über Kirchengrenzen hinweg dafür engagiert haben. Beide Preise sind gleichwertig und bestehen aus einer Urkunde, einem Geldbetrag und einem Pfennig (auf der einen Seite ist das Siegel des Seminars mit dem hl. Willibrord zu sehen, auf der anderen Seite der Name des Pfennigs und der des Geehrten).

Geschichte

Beide Preise wurden erstmals am 28. September 1985 verliehen, nachdem infolge einer großzügigen Schenkung die Errichtung des Elisabethfonds möglich geworden war, aus dem die Preisgelder bezahlt werden. Die ersten Preisträger waren Prof. Dr. Kurt Stalder (Pascalpreis) und der Dozent für Liturgiewissenschaft am Alt-Katholischen Seminar Amersfoort/Utrecht, Priester Cor Tol. Zählt man die beiden jüngsten Preisträger dazu, so erhielten bisher 17 Persönlichkeiten einen der beiden Preise. Zu den bisher zehn Pascal-Preisträgern gehören Prof. Dr. Jan Visser (1996), Prof. Dr. Herwig Aldenhoven (2001) und Prof. Dr. Dr. Anastasios Kallis (2005). Den Rinkelpreis erhielten seit 1985 sieben Personen, unter ihnen Erzbischof Marinus Kok von Utrecht (1996) und Prof. Dr. Christian Oeyen (1997).

Blaise Pascal-Preis 2005

Am 10. Dezember 2005 fand in der ehemaligen Gertrudiskapelle, die heute Teil des Gemeindezentrums „De Driehoek“ in Utrecht ist, die Preisverleihung statt. Professor Dr. Martien Parmentier hielt die Laudatio für Professor Kallis, der den Pascal-Preis wegen seines Engagements für die Beziehungen zwischen der Alt-Katholischen Kirche und der Orthodoxie erhielt. Kallis, der Professor in Münster und einige Jahre auch an der Christkatholischen Fakultät zu Bern war, sei – so der Lobredner – wie sein Name schon sage, ein Liebhaber des Guten und Schönen (griechisch: kalos). Obendrein sei er „Anastasios“, ein Auferstehungsmensch. Er halte nicht nur die rechte Lehre, sondern auch den rechten Lobpreis für wichtig.

Nach der Laudatio wurden die Urkunde verlesen und durch Professor Jan Visser Pfennig und Geld überreicht. Nach einer kurzen Pause hielt Professor Kallis einen Vortrag mit dem Titel „Erfolgreicher Dialog ohne Folgen? Zur Rezeptionsproblematik im Hinblick auf die altkatholisch-orthodoxe Gemeinschaft“. Beide Kirchen seien nach dem Abschluss des theologischen Dialogs im Jahr 1987 in Lethargie verfallen. Der Gemeinschaft zwischen Alt-Katholischer Kirche und Orthodoxie stehe kein theologisches, sondern ein kulturell-gesellschaftlich bedingtes Verständigungsproblem im Wege. Kallis plädierte dafür, dass die beiden Kirchen jeweils vor Ort versuchen sollten, die Erkenntnisse des Dialogs im Leben der Kirche umzusetzen. Es gehe nicht an, dass der durch den Dialog gewonnene Schatz wieder begraben würde und die nachkommenden Generationen wieder ganz von vorne anfangen müssten.

Andreas Rinkel-Preis 2005

Für lic. phil. et theol. Hubert Huppertz hielt die Rektorin des Alt-Katholischen Seminars, Dr. Angela Berlis, die Laudatio. Hubert Huppertz, Priester des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland und Mitglied der alt-katholischen Gemeinde Münster, wurde wegen der schweren Erkrankung seiner Frau durch seine beiden Söhne, Dr. habil. Hubert und Dr. med. Michael Huppertz vertreten. Hubert Huppertz erhielt den Rinkelpreis wegen der Erschließung von Quellen zur weiteren Forschung über den deutschen Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger. In ihrer Ansprache schilderte Dr. Berlis Huppertz‘ wachsendes Interesse an Döllinger seit Anfang der neunziger Jahre und sein damals begonnenes Projekt, die Transkription von etwa 4.000 Briefen und weiteren handschriftlichen Notizen etc., die er im Jahr 2004 abgeschlossen hat. Ein immenses Werk, das als Grundlage für eine wissenschaftliche Döllingerbiographie dienen soll und auch anderen Forschern zur Verfügung steht. Berlis zitierte aus einer Unterhaltung mit Huppertz, der zu ihr gesagt hatte: Wenn er Döllinger heute begegnen würde, hätte er das Gefühl, einen alten Freund vor sich zu haben, den er (aufgrund der vielen Briefe an ihn und von ihm, die er gelesen habe) sehr gut verstehe, auch in seiner Haltung und seinem Urteil über den Alt-Katholizismus, von dem er sich nicht abgewandt habe. Maßlos irritieren würde ihn allerdings Döllingers im Alter zunehmendes Unvermögen, eine einmal angefangene Arbeit zu beenden. Doch sei einem über 70jährigen auch das Recht zuzugestehen zu tun, worauf er Lust habe. Nach diesem Lustprinzip arbeite auch er, Hubert Huppertz. Die Rednerin veranlasste dies zur Bemerkung, dass dieses Prinzip sich in seinem Fall als sehr fruchtbar erwiesen habe.

Nach der Überreichung der Insignien des Preises durch Professor Visser trug der als Hochdruckchemiker an der Ludwig-Maximiliansuniversiät arbeitende Privatdozent Dr. Hubert Huppertz jun. stellvertretend für seinen Vater einen Vortrag zu „Ignaz von Döllingers Lutherbild“ vor. Darin skizzierte Huppertz Döllingers Entwicklung von einem scharfen Kritiker Luthers zu seinem wachsenden Verständnis für den Reformator, der im 16. Jahrhundert zum beredten Sprecher gegen das damalige Papsttum wurde. Dem Drängen seines Verlegers Oskar Beck, diese veränderte Sicht öffentlich zu machen, hat Döllinger nicht nachgegeben; Döllingers Anfang der fünfziger Jahre verfasste, äußerst kritische Lutherskizze wurde in römisch-katholischen Kreisen noch lange propagiert, als sie schon längst – wie sich anhand von Äußerungen Döllingers in Briefen nachweisen lässt – überholt war. Der Vortrag war ein Beleg dafür, wie wichtiges Material die von Hubert Huppertz transkribierten Briefe für die Döllinger-Forschung liefern.

Beim anschließenden Empfang konnten die Anwesenden, unter denen sich mehrere orthodoxe Priester und Gemeindemitglieder aus den Niederlanden und aus Deutschland sowie alt-katholische Gäste aus dem In- und Ausland befanden, den beiden Geehrten gratulieren.

Angela Berlis