Die Idee eines Judenstaates und ihre Verwirklichung


Spricht man in Israel mit Arabern über den Nahostkonflikt und glaubt, dass man als Europäer eher die Rolle eines objektiven Diskussionspartners besäße, so wird man schnell eines Besseren belehrt. Denn an irgendeinem Punkt des Gespräches kommt die Frage nach den Gründen des Konfliktes auf, und unabänderlich geraten wir, vor allem wir Deutsche, ins Blickfeld. So werden wir zurückgelenkt bei unserer Frage nach Israel und seinen Nachbarn, auf unseren Erdteil, dessen Humanismus und Christentum wir so unendlich preisen, auf unser Land, von dem man einmal gesagt hat, dass es das Volk der Dichter und Denker sei. In der Judenfrage werden die Menschen Europas zu Mitverantwortlichen. Von hier geht ein großer Teil der Dauerkrise aus, von hier nur ist begreiflich, was sich heute im Nahen Osten abspielt, ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Israel und seinen palästinensischen Mitbürgern bzw. arabischen Nachbarn.


Die französische Revolution


Die französische Revolution sollte nicht nur eine Wende für die europäischen Völker in politischer und religiöser Hinsicht werden, sondern auch für die unter ihnen lebenden Juden.

Toleranz und Freiheit waren die großen Schlagworte; Toleranz gegenüber allen Religionen und Konfessionen, Freiheit von allen Tyranneien, seien sie politischer oder religiöser Art. Der evangelische Theologe Rabaud Saint-Etienne forderte in der Nationalversammlung „Freiheit, gleiches Recht“ für die Nichtkatholiken. Er forderte sie auch für „jenes ... nun schon achtzehn Jahrhunderte umherirrende, verfolgte Volk, das sich unsere Sitten und Gebräuche angeeignet hätte, wenn nur unsere Gesetzgebung ihm Zutritt in unsere Mitte gewährt hätte. Wir haben kein Recht, diesem Volke seine sittlichen Mängel zum Vorwurf zu machen, denn sie sind nichts als die Folge unserer eigenen Barbarei, eine Folge jener erniedrigenden Lage, zu der wir es ungerechterweise selbst verdammt haben.“

Welch ein Satz im Jahre 1789! Welch eine Forderung! Es zwingt uns noch heute Achtung und Respekt ab vor solchen Erkenntnissen bzw. Bekenntnissen damals.


So sollten auch die Juden die Rechte des Toleranzediktes ebenso genießen wie die Protestanten, Hugenotten, ja, wie die Muslime. Aber es dauerte infolge der politischen Wirren noch einige Jahre, bis aus dem Edikt auch ein allgemein gültiges Gesetz wurde. Am 27. September 1791 wurde die Gleichberechtigung der Juden rechtlich-öffentlich anerkannt. Sie waren nun vollwertige Bürger eines Staates geworden. Mit der Eroberung halb Europas durch die französischen Truppen setzte sich auch das Toleranzdenken zu Gunsten der Juden in vielen Ländern durch. Unter zum Teil dramatischen Umständen fielen die Ghettos, wurden Gesandtschaften der Juden von den verantwortlichen Regierungen empfangen, ging man auf ihre Wünsche ein, gewährleistete man ihnen Vollbürgerschaft. Ein neues Kapitel der jüdischen Geschichte schien aufgeschlagen worden zu sein. Ruhe und Frieden schienen nun auch für die Juden Europas einzutreten.


Restauration


Doch der Schein trog. Die Absetzung und Verbannung Napoleons, der Sieg über die französischen Truppen, der Wiener Kongress führten zur berühmten „Restauration“ praktisch aller durch die Revolution geänderten Zustände. Politisch erstarkten die Monarchien erneut, religiös etablierten sich wiederum kirchlich-klerikale Strukturen. Die Toleranzedikte wurden, weil angeblich von den französischen Eroberern aufgezwungen, weitgehend wieder aufgehoben. Die Juden glitten erneut ins Mittelalter zurück, wurden zum großen Teil in ihre Ghettos oder in ihre Gassen und Straßen zurückgedrängt und verloren so ihre einmal gewonnenen Rechte von neuem.


Hetzschriften wurden verfasst von den klügsten Geistern unserer Geschichte. Einer der größten deutschen Philosophen, Johann Gottlieb Fichte, setzte sich für eine deutsche Nation ein, zu der aber Juden nicht gehören sollten: „Aber ihnen (den Juden) Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich kein Mittel als das: in einer Nacht ihnen alle Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee ist.“ (1807/1808) Und Ernst Moritz Arndt, der romantische Dichter, schreibt: „Da nun aus allen Gegenden Europas die bedrängten Juden zu dessen Mittelpunkt, zu Deutschland, hinströmen und es mit ihrem Schmutz und ihrer Pest zu überschwemmen drohen, da diese Überschwemmung vorzüglich von Osten her, nämlich aus Polen droht, so ergeht das unwiderrufliche Gesetz, dass unter keinem Vorwande und mit keiner Ausnahme fremde Juden je in Deutschland aufgenommen werden dürfen; und wenn sie beweisen könnten, dass sie Millionenschätze mitbringen.“ (1814) Traurige Berühmtheit erlangte vor allem das Wort des Berliner Historikers Heinrich Treitschke: „Die Juden sind unser Unglück“. Der von ihm in den „Preußischen Jahrbüchern“ entfachte sogenannten Antisemitismusstreit bewegt auch heute noch Geschichtswissenschaftler (kürzlich erschienen: Der „Berliner Antisemitismusstreit“ 1879-1881. Eine Kontroverse um die Zugehörigkeit der deutschen Juden zur Nation, München 2003).


Gegenstimmen


Gegen diese unausrottbaren Vorurteile gab es aber auch immer wieder kritische und warnende Stimmen gegen Judenhass und Judenfeindschaft. Der große Historiker Theodor Mommsen z.B. wandte sich gegen Treitschke und geißelte in seiner Schrift „Auch ein Wort über unser Judentum“ (1880) den Antisemitismus als „Missgeburt des nationalen Gefühls“. Ähnlich beurteilte Ignaz von Döllinger in seiner berühmt gewordenen Rede „Die Juden in Europa“ (1881) das Schicksal des jüdischen Volkes. Es sei „vielleicht das erschütterndste Drama der Weltgeschichte“.

Aber diese Stimmen verloren sich im Meer der Anschuldigungen und Vorurteile (eine besonders unheilvolle Rolle spielte der evangelische Hofprediger Stöcker in Berlin). Die zunächst literarische Hetze sollte bald umschlagen in konkrete Gewalttätigkeiten. Ab 1819 setzten, gleichsam in alter Tradition, Judenverfolgungen in Würzburg, Bamberg, Heidelberg und Hamburg ein. Mit dem neu aufgekommenen Ruf „Hep", d.h. „Hierosolyma est perdita" – „Jerusalem ist verloren“, wurden die Juden in ihren Häusern attackiert, aus ihren Geschäften vertrieben, viele verletzt und getötet. Die Folge war eine Emigrationswelle aus dem alten, rückständigen Europa in die neue Welt, nach Amerika.


Emanzipation


Dennoch hatte sich der Toleranzgedanke in Deutschland Gehör verschafft und setzte sich gegen alle Anfeindungen allmählich durch. Die vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen in der Arbeiterschaft, der Frauenbewegung usw. förderten auch ein Erstarken jüdischen Selbstbewusstseins. Es konnte sich umso mehr entwickeln, weil in den einzelnen Bundesstaaten das Judentum mehr und mehr gleiche Bürgerrechte zuerkannt wurde. Schon 1833 hatte Kurhessen die völlige Gleichberechtigung seiner jüdischen Bürger ausgesprochen. In Preußen unterschrieben Wilhelm I. und Bismarck 1869 am Kleinen Wannsee in Berlin das Toleranzgesetz: „Alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen und staatsbürgerlichen Rechte werden hierdurch aufgehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Teilnahme an der Gemeinde- und Landvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Ämter vom Religionsbekenntnis unabhängig sein.“ Nach der Reichsgründung 1871 wurde dieser Erlass auch Reichsgesetz.


Damit konnte der Eintritt der Juden in die bürgerliche Gesellschaft beginnen. Die Folge war eine ungeheure Bereicherung der deutschen Kultur durch jüdische Denker und Dichter, Musiker, Bildhauer und Maler, die zu künstlerischen und wissenschaftlichen Höchstleistungen in der Welt führte. Neben so bedeutenden Männern wie z.B. Ludwig Börne, Heinrich Heine, Felix Mendelssohn-Bartholdy müssen auch die jüdischen Frauen wie Henriette Herz, Rahel Levin-Varnhagen und Dorothea Mendelssohn-Veit genannt werden, in deren Salons Theologen, Philosophen und Dichter entscheidende Impulse empfingen.


In Italien wurde den Juden 1848 die Gleichberechtigung zuerkannt, eine Folge der Einigungsbestrebungen des Königs Albert und dann seines Sohnes Viktor Emanuel II. und der genialen Führer Cavour und Garibaldi. Dennoch gab es auf der Apenninenhalb-insel ein großes Ghetto, nämlich in Rom. Noch war diese Stadt Hauptstadt des Vatikans. Und die Päpste hielten ihre Juden nicht besser als die Zaren in Russland. Es war vor allem Pius IX, dessen Stellung gegenüber den Juden von extremer Feindschaft geprägt war. Für ihn waren die Juden Feinde der Christen und der zivilisierten Gesellschaft. Sie beteten seiner Überzeugung nach den Mammon an. Als Rom jedoch 1870 in die Hände der Freischärler fiel, da wurden die Tore des römischen Ghettos geöffnet, und die Juden waren freie Bürger (bis unter den italienischen Faschisten und deutschen Nationalsozialisten die letzte und endgültige Vernichtung erfolgen sollte).


Nur die Länder des Ostens hatten sich dem Emanzipationsgedanken nicht angeschlossen. Hier, vor allem in Russland, lebte der größte Teil der europäischen Juden, und hier führten sie unter härtesten Gesetzen und Bedingungen in strikt abgegrenzten Bezirken ein schier unerträgliches Leben.


Als 1881 der reformfreudige Zar Alexander II. durch ein Attentat ums Leben kam, da fiel wie selbstverständlich die Schuld dafür auf die Juden. Der Sündenbock war gefunden. Es setzten die berühmt berüchtigt gewordenen Pogrome, zu deutsch „Verwüstungen“ ein. Eine Glut von Hass und Wut ging über die sechs Millionen Juden hinweg, die keinen anderen Ausweg mehr wussten, als in panikartiger Flucht das Land zu verlassen. Und so ließen sich viele Juden in den Ländern Westeuropas nieder, in denen den Juden zwar einige Rechte zugestanden worden waren, ihr Leben aber längst noch nicht gesichert, geschweige denn ihre Würde anerkannt war. Deshalb wandten sich nun Tausende von Juden einem anderen Land zu, von dem sie erhofften, dass sie dort willkommen sein würden, Palästina, dem Land ihrer Väter. Diese Bewegung der russischen Juden nennt man allgemein die „erste Einwanderungswelle“ oder die „erste Aliya“.


Der Zionismus und die Idee vom Judenstaat


Gleichzeitig mit dem Ringen um die Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung Westeuropas, dem Auf und Ab infolge der französischen Revolution und der folgenden Restauration, gleichzeitig auch mit den ersten schrecklichen Pogromen in Russland war eine Idee innerhalb des Judentums entstanden, die für die Zukunft der Juden entscheidend sein sollte. Es war die Idee des Zionismus und damit verbunden die Idee vom eigenen Judenstaat. Zion ist ein biblischer Begriff und steht vor allem in den Psalmen für die Stadt Jerusalem, die unter König David Israels Hauptstadt geworden war. Nach dieser Stadt und diesem Land ging seit der Deportation der Juden nach Babylon im Jahre 586 v.Chr. die unauslöschliche Sehnsucht, wie sie im 137. Psalm besungen wird: „Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren. Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.“


Der Begründer der Zionssehnsucht oder des Zionismus' in der Neuzeit war Moses Hess (1812-1875). Er rief das jüdische Volk zu einer Art nationaler Wiedergeburt auf: „Trage dein Banner hoch, mein Volk, in dir ist das lebendige Korn aufbewahrt, welches, wie die Samenkörner in den ägyptischen Mumien, Jahrtausende geschlummert, aber seine Keimkraft nicht verloren hat.“


Der Verlust des Landes spielt eine entscheidende Rolle in den Gedanken dieses ersten Zionisten: „Die größte Strafe, die uns auferlegt wurde, dass wir von dem durch göttliche Vorsehung vorgezeichneten Weg abgewichen sind...ist, dass wir, seitdem wir das Land verloren haben, Gott nicht mehr als Nation durch Institutionen dienen können. Ja, unser Land ist es, was uns fehlt, um unsere Religion auszuüben.“ Der Blick des Moses Hess geht auf der Suche nach einem neuen Land bereits nach Palästina hin.


Im Pogromjahr 1882 erschien die Schrift des Juden Leon Pinsker (1821-1891) „Autoemanzipation! Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden.“ Er beklagt darin die Assimilationsbestrebungen der Juden, die im Grunde vergeblich sein müssten, weil die Juden von den anderen Völkern niemals als ein Volk anerkannt werden könnten: „So ist der Jude für die Lebenden ein Toter, für die Eingeborenen ein Fremder, für die Einheimischen ein Landstreicher, für die Besitzenden ein Bettler, für die Armen ein Ausbeuter, für die Patrioten ein Vaterlandsloser, für alle Klassen ein verhasster Konkurrent.“ Und: „Wir zählen nicht als Nation in der Reihe der anderen Nationen und haben keine Stimme im Rat der Völker, auch nicht in Dingen, die uns selbst angehen. Unser Vaterland - die Fremde, unsere Einheit – die Zerstreuung, unsere Solidarität - die allgemeine Anfeindung, unsere Waffe - die Demut, unsere Wehrkraft - die Flucht, unsere Organisation - die Anpassung, unsere Zukunft - der nächste Tag.“

Leon Pinsker ruft weiter zur Selbsthilfe auf, dazu, sich durch vorbereitende Gremien, Gruppen, ein eigenes Land zu beschaffen, wo immer dieses liegen möge. Erst später bekennt er sich unter dem Einfluss zahlreicher Zions-Gruppen zu Palästina als dem Heimatland der Zukunft.


Theodor Herzl


Der bedeutendste Vertreter des modernen Zionismus sollte ein anderer werden, Theodor Herzl, dessen Gedanken auf den Bahnen seiner Vordenker lagen, aber dessen Persönlichkeit, Einsatzfreude und Durchsetzungskraft seinen Ideen besser zum Durchbruch verhalfen als den Vorgängern.


1860 wurde er in Budapest geboren. Er fühlte sich kaum als Jude, musste jedoch zum Ende seiner juristischen Studien erkennen, dass ihm als geborenem Juden die vorgeschwebten Laufbahnen verschlossen blieben. So wurde er 1891 Pariser Korrespondent der Wiener Zeitung „Neue Presse“. Hier kam es zu dem entscheidenden Schlüsselerlebnis. Er beobachtete 1894/95 die Degradierung des jüdischen Generalstabskapitäns Alfred Dreyfuß in Paris auf Grund eines angeblichen Verrates, der sich später als völlig falsch erwies. Dreyfuß wurde zu lebenslanger Deportation auf die Teufelsinsel verbannt, nach einigen Jahren jedoch wieder rehabilitiert. Herzl erkannte den Zusammenhang zwischen der öffentlichen Entwürdigung und der Tatsache, dass der Verurteilte ein Jude war. Er musste erkennen, dass ein Jude auch in einem Land wie Frankreich vor Unrecht nicht geschützt sein würde, solange er eben ein Jude war. Unter diesen Eindrücken entstand Herzls Buch „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“, das 1896 erschien. Er warnte darin vor den vergeblichen Versuchen, sich den anderen Völkern zu assimilieren: „Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichtum und Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge angeschrieen... Wir sind also vergebens überall brave Patrioten, wie es die Hugenotten waren, die man auszuwandern zwang. Wenn man uns in Ruhe ließe! Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen. Wir sind ein Volk - der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu, wie das immer in der Geschichte so war. In der Bedrängnis stehen wir zusammen, und da entdecken wir plötzlich unsere Kraft. Ja, wir haben die Kraft, einen Staat, und zwar einen Musterstaat zu bilden. Wir haben alle Mittel, die dazu nötig sind ...“



Die Ideen Herzls wirkten zwiespältig auf die Judenschaft in Europa. Die einen klagten ihn an, er halte die jüdischen Menschen dazu an, sich wiederum als Fremde in ihren Vaterländern zu fühlen, die anderen hingen ihm begeistert an, weil sie nun ein Ziel vor Augen hatten, das „Judentum“ und den „Judenstaat“. Schon 1897 konstituierte sich der erste zionistische Weltkongress in Basel, wo das sog. Baseler Programm verabschiedet wurde: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlichen Heimstätte in Palästina.“ Herzl arbeitete unermüdlich an der Vorbereitung eines solchen damals geradezu utopisch erscheinenden Planes. Er trifft Kaiser Wilhelm II., wendet sich an den russischen Zaren, spricht mit Pius X. und versucht den Sultan Abdul Hamid II. für seine Pläne zu gewinnen.



Als im Jahre 1903 in Russland erneut Pogrome ausbrechen, Hunderte von Juden getötet werden, da greift Herzl den Vorschlag der englischen Regierung auf, Uganda als Siedlungsgebiet zu akzeptieren. Jedoch kommt es auf dem 6. zionistischen Kongress über diese Frage fast zu einer Spaltung. Die einen nehmen dieses Angebot als Notlösung an, die anderen widersetzen sich leidenschaftlich einem solchen Projekt und verlassen weinend den Kongresssaal. In den folgenden Jahren erweist sich das Programm als nicht durchführbar. Am Ende scheint doch nur wieder Palästina als Heimstatt für die Juden in Frage zu kommen. Herzl stirbt 1904 erschöpft an einem Herzleiden. Seine Gebeine werden nach Erez Israel gebracht und dort bestattet. Herzl, der Vater des modernen Zionismus, der Begründer des Judenstaates! Es werden noch Jahrzehnte vergehen, bis es zu dieser denkwürdigen Staatsgründung kommen wird.


Hans-Jürgen van der Minde


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