Alles soll geschehen nach deinem Wort! - Die Unterstützung der Schwestern von St. Mary (CMM)


Auf dreierlei Weise gestaltet sich das Engagement unseres Bistums in Tansania. Es wurde bereits über die Unterstützung der Dispensaries - sogenannte medizinische Auffangstationen - in den Dörfern Chidya, Rondo und Luatala, sowie die Leprastation in Lulindi berichtet. Dort in der Diözese Masasi arbeitet unser Bistum eng mit der anglikanischen Kirche zusammen an der Optimierung der allgemeinen Gesundheitsversorgung. Es finden aber noch zwei weitere Bereiche unsere Unterstützung. So fördern wir ein Straßenkinderprojekt in der Hauptstadt Dar-es-Salam, eine Ju-gendkünstlergruppe mit dem Namen „Leonardo-da-Vinci“, über die an anderer Stelle berichtet werden soll. Maßgeblich ist aber auch unser Einsatz für eine schwarz-anglikanische Schwesterngemeinschaft, der „Community of St. Mary of Nazareth and Calvary“. Über diese anglikanische Ordensgemeinschaft möchten wir heute berichten und auch einen Blick werfen auf ihre Entstehung und ihre selbst gesetzten hohen Aufgaben.


Ein schwarzafrikanischer Aufbruch


Die Gründung der Gemeinschaft von St. Mary ist eng verknüpft mit der Lebensgeschichte dreier junger, schwarzer Frauen, die aufbrachen und alles hinter sich ließen. Die Gemeinschaft mit ihren Eltern, ihren Geschwistern, alles was ihnen bislang lieb und teuer war, wollten sie tauschen gegen das Leben bei den Schwestern von Kwa Mkono. Am 9. Juni 1946, am Pfingstfest, verließen May, Fidea und Jessie das Dorf Mindu im Bezirk Ruvuma und machten sich auf einen strapaziösen, sechzehntägigen Weg in die Region Tanga. Ermutigt und unterstützt durch ihre Priester sowie William Vincent Lucas, dem ersten Bischof der Diözese Masasi, hatten sie beschlossen, ihrem Leben einen besonderen religiösen Horizont zu verleihen. Sie waren fest entschlossen, der anglikanischen Schwesterngemeinschaft der „Sisters of the Sacred passion“ (CSP) beizutreten. Doch präsentierte sich ihnen das Leben dort anders als erhofft. Die hauptsächlich von weißen Schwestern geprägte Gemeinschaft bot zwar religiöse Erbauung, war jedoch in vielen Dingen von westeuropäischen Traditionen bestimmt. Schon der Lebensrhythmus der weißen Schwestern widersprach der Lebensweise der drei Schwarzafrikanerinnen. So gründeten sie, unterstützt von ihren weißen Schwestern und der Diözese, eine eigene Gemeinschaft, die in ihren Gewohnheiten den kulturellen Prägungen und Empfindsamkeiten farbiger Frauen entgegenkam. Sie nannten ihre Gemeinschaft „Community of St. Mary of Nazareth and Calvary“, abgekürzt CMM (von Suaheli: Chama Cha Mariam Mtakatifu).

1952 siedelten sie in den Süden um und lebten und arbeiteten nahe der Ortschaft Newala. Dort formierte sich die Gemeinschaft zu einer beachtlichen Größe und entwickelte das, was wir heute zu Neudeutsch Corporate Identity nennen. Angezogen und beeindruckt von der Gemeinschaft folgten viele junge Frauen dem Vorbild der Schwestern. Manche legten Gelübde ab und blieben für immer, andere nutzten nur für eine kurze Zeit den Rückzug ins religiöse Leben. Die Gemeinschaft von St. Mary wuchs und auf Bitten des Bischofs von Sansibar gründeten vier CMM-Schwestern ein weiteres Gemeinschaftshaus in Magila. Diesem sollten weitere folgen. So entschied sich die CSP, unter deren Obhut die Schwesternschaft von St. Mary noch immer stand, im Jahre 1968 für die Einsetzung einer eigenen Mutter Oberin. Zur ersten Sister Superior wurde Schwester May, eine der drei Gründerinnen, ernannt. Unter ihrer Leitung wurden Filialhäuser in den Diözesen Tanganyika und Masasi errichtet, später auch in Dar-es-Salam. Heute handelt es sich bereits um neun Häuser in fünf unterschiedlichen Diözesen Tansanias.


Visionen und Innovationen


Ihre Hauptaufgabe sieht die St.Mary-Schwesternschaft in der Arbeit mit Frauen und Kindern. Sie gilt es zu fördern, ihre Entwicklung heißt es voranzubringen in spiritueller wie materieller Hinsicht. Gerade der Mutter kommt in der afrikanischen Gesellschaft eine herausragende Position und Schlüsselstellung zu. Ihr will die Schwesternschaft beratend zu Seite stehen und Hilfestellung in Partnerschaft und Mutterschaft geben. Dabei sieht sie in der religiösen Erziehung der Kinder einen bedeutsamen gesellschaftlichen Faktor. So soll die Vermittlung christlicher Werte schon in den Kindergärten der Schwesternhäuser beginnen. Auf spielerische Art und Weise, mit Bildern und Gesang, sollen bereits die Jüngsten mit dem Evangelium in Berührung kommen. Die Frauen und jungen Mädchen lehrt die Schwesternschaft in eigenen Nähkursen den Umgang mit Nadel und Faden. Da Unterrichtsräume fehlen, sieht man sie nicht selten in Gruppen unter den Mangobäumen des Vorhofes sitzen und akribisch an eigenen Kreationen nähen - ein gutes Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe, das wiederum von Europa aus einen Rückschlag erhielt. Die vielen Kleider, die aus wohlgemeinten europäischen Altkleiderkollekten ihren Weg nach Tansania fanden, konterkarierten die Bemühungen vor Ort. Wer macht sich schon die Mühe, Kleider zu nähen, wenn sie kostenlos aus Deutschland kommen. So müssen die Schwestern stets flexibel sein und innovative Wege beschreiten, um ihre Gemeinschaft und den ihnen anvertrauen Hilfsbedürftigen ein Auskommen zu schaffen. Eine dieser Ideen, mit der sich die tansa-nischen Schwestern direkt an unser Bistum wandten, war die Gründung einer Hostienbäckerei.

Damals wurde gerade das Endenicher Frauenkloster am Fuß des Kreuzbergs aufgelöst und Frau Dr. Brinkhues bat die dortigen Nonnen um die Überlassung einer bereits ausrangierten Hos-tienbackmaschine. Dies wurde zunächst gerne bewilligt, später aber auf Intervention Kölns vereitelt. Das Erzbistum schickte die Hostienbackmaschine zwar nach Tansania, aber zu den dortigen römisch-katholischen Benediktinerinnen in Ndanda. Man rechnete jedoch nicht mit der ökumenischen Hilfsbereitschaft auf afrikanischem Boden. Da man die Backmaschine vor Ort nicht benötigte, brachte man sie als herzliches Geschenk zu den anglikanischen Schwestern von St. Mary. Die Wege des Herrn sind unergründlich – so möchte man sagen.

Man hat viel Freude an der Hostienbackmaschine aus Endenich, die auch noch heute ihre Dienste tut. Sehr gefreut haben sich die Benediktinerinnen über ein kleines symbolisches Dankeschön von Frau Dr. Brinkhues – ein silberner Rosenkranz, den der Papst einst der Bischofsgattin bei einem Empfang im Brühler Schloss persönlich überreicht hat.

Darüber hinaus sind die Schwestern von St, Mary in fast allen diakonalen Bereichen tätig. Kranke und betagte Menschen werden besucht und gepflegt, Bedürftigen werden Nahrung und Kleidung bereitgestellt, man engagiert sich in Krankenhäusern und vor allem auch in der religiösen Vorschul- und Schulerziehung wie in der St. Mary Grundschule in Liuli. Die breite Palette christlichen Engagements wird lückenlos abgedeckt. Auch sind die Schwestern stets bemüht, sich auch selbst weiterzubilden. Sie werden z.B. angehalten, in der Schule des Bistums von Masasi die Mittlere Reife nachzuholen und sich so für eine Ausbildung als Krankenschwester zu qualifizieren. Auch das kostet Geld und will finanziert werden.


Verheißung und Entwicklung


Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Schwesternschaft von St. Mary war die Verlegung des Mutterhauses von Newala nach Kilimani Masasi im Jahre 1981. Dieser Ortswechsel brachte die Möglichkeit der Selbstversorgung mit sich. Der Bischof von Masasi war so freundlich und stellte dort den Schwestern ein großes fruchtbares Stück Farmland von 20 Morgen zur Verfügung. Auch wenn die Wasserfrage zunächst ein Problem darstellte, so konnte auch diese bald durch ein gesundes Maß an Beharrlichkeit und Hilfe von außen gelöst werden. Das Konzept der Schwestern, das vor allem auf Gottvertrauen und gegenseitiger Hilfe gründet, zieht weite Kreise. Nicht nur innerhalb Tansanias kann die Schwesternschaft Zuwachs verbuchen, auch im benachbarten Ausland besteht großes Interesse, den Schwestern von St. Mary nachzueifern. Bereits jetzt gibt es gute Kontakte zu Schwestern in Sambia, die bereits eine Vertreterin nach Newala schickten mit der Bitte, beim Aufbau einer sambischen Kommunität zu helfen. Viele Aufgaben gilt es zu bewältigen, eine Menge Fragen und Probleme müssen gelöst und Hilfe gefunden werden. Dabei ist auch unser alt-katholisches Bistum gefragt. Die Schwestern von St. Mary sind zuversichtlich, dass es weiter bergauf gehen wird. Wir vertrauen auf das Evangelium und die Verheißung des Herrn, betont Schwester Magdalene, die Mutter Oberin von St. Mary. Nicht umsonst beruft sich die Gemeinschaft auf die Worte Mariens an den Erzengel Gabriel: Siehe ich bin die Magd des Herrn. Alles soll mir geschehen nach deinem Wort (Lk 1,38).


Hilfe aus Deutschland


Nur eine starke Ökumene - die herzliche Zusammenarbeit mit den anglikanischen Schwesterkirchen in der Dritten Welt - kann Garant sein für das Gelingen von Entwicklung und Mission in Afrika. Dass dies möglich ist, zeigt wieder einmal mehr die erfolgreiche Unterstützung der St. Mary Schwesternschaft in Tansania. Mit vereinten Kräften und der Zuversicht auf die Hilfe Gottes kann dort alles gelingen - zum Wohle unserer Nächsten. Unser Bistum freut sich immer wieder sehr über das große Interesse und die Hilfsbereitschaft einzelner Gemeinden und vermittelt gern auch persönliche Kontakte zu den Menschen vor Ort. So hat sich die Gemeinde Freiburg bereit erklärt, den Schwestern von St. Mary 1000 Euro für einen dringend benötigten Wassertank zu stiften. Sehr erfreulich ist auch die Tatsache, dass eine Brieffreundschaft zwischen der CMM-Schwesternschaft und den Freiburger Alt-Katholiken geplant ist. Es ist wichtig, unseren Geschwistern in Afrika zu zeigen, dass hinter den milden Gaben und spontanen Hilfen Menschen stecken, die sich ihnen auch spirituell verbunden fühlen.


André Golob


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