Wachstumskirche wagen

Internationales Altkatholisches Laienforum 2004

Die Veranstaltung begann in der Linzer alt-katholischen Pfarrkirche mit einem Gottesdienst durch Bischof Bernhard Heitz. Er betonte die Bedeu-tung des Laienforums und stimmte die 40 Teilnehmer, die aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Tschechien angereist waren, auf das Thema ein. Im ersten Arbeitsblock wurden folgende Fragen analysiert: Was interessiert Journalisten an der alt-katholischen Kirche?

Im nächsten Arbeitsblock wurde in Ländergruppen die Frage erörtert: Wie schaut die Öffentlichkeitsarbeit heute in den einzelnen Ortskirchen aus? Die Ergebnisse dieser Gruppenarbeiten wurden im dritten Block mit beeindruckenden Präsentationen dem Plenum vorgestellt, wobei jede Landeskirche mit anderen Spezialitäten aufwarten konnte. In einem Impulsreferat der Schweizerin Lisbeth Borer über „Information - Kommunikation - Mission“ wurde die steigerbare Intensität der Verkündigung allen Teilnehmern ans Herz gelegt.

Eine Busfahrt nach St. Florian bei Linz mit Konzert an der Brucknerorgel in der Stiftskirche und anschließender fachkundiger Führung erfreute die Teilnehmer.

Im vierten und letzten Arbeitsblock dieses Tages wurden anregende Gespräche mit verschiedenen christlichen Vertretern der Ökumene, von römisch bis freikirchlich, bei einem typisch österreichischen „Heurigen“ unter dem Motto geführt: Was können wir von der Öffentlichkeitsarbeit anderer Kirchen lernen und was entspricht uns nicht?

Am nächsten Tag startete das Laienforum nach einer von der deutschen Gruppe gestalteten stimmungsvollen Morgenandacht mit Gruppengesprächen zum fünften Thema: Welche neuen Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit sehen wir nach den Informationen der Journalisten, anderer Ländergruppen und anderer Kirchen?

Dann kam wieder der vergnügliche Teil des Forums „zum Zug“: Mit einem lustigen Bummelzug lernten die Teilnehmer die vielen Sehenswürdigkeiten der Altstadt kennen. Im riesigen Innenraum des Domes überraschten Gesänge und ein spiritueller Tanz der tschechischen Gruppe die Teilnehmer. Eine Exkursion auf das Linzer Wahrzeichen, den Pöstlingberg, rundete den Freizeitteil ab.

Nach der Talfahrt gab es auch an diesem Tag ein arbeitsreiches Abendprogramm: Eine Gruppe bereitete die Inhalte des Abschlussgottesdienstes für den nächsten Tag vor, eine andere erarbeitete die Zusammenfassung der Ergebnisse, die links auszugsweise abgedruckt sind.

Am Abschlusstag brachte sich das Laienforum in den Sonntagsgottesdienst durch Lieder, dreisprachige Lesung, Fürbitten und (an Stelle der Predigt) einer Präsentation der Ergebnisse ein: In einem Interview, das den Mediencharakter des Forums darstellen sollte, berichteten die Ländervertreter auf die Fragen des diesjährigen österreichischen Organisators des Forums, Peter Kronewitter, welche Ergebnisse sie mit nach Hause nehmen konnten.

Einen schmackhaften Abschluss fand das Internationale Laienforum im gemeinsamen Mittagessen mit der engagierten Linzer Kirchengemeinde.

Das nächste Laienforum wird vom 11. bis 14. August 2005 in den Niederlanden stattfinden. Das Thema verspricht wiederum eine Stärkung unserer Kirche: „Kommunikation“ – Wie können wir unsere Kompetenzen besser zur Geltung bringen? Anmeldung genügt, jeder interessierte und engagierte Laie ist willkommen.

Ansprechpartner für Deutschland ist Dr. Johannes Reintjes, Tel. 0 89/5702056, j-reintjes@gmx.de. Durch frühzeitige und breite Ankündigung erwarten wir, dass 2005 Deutschland das größte Kontingent stellt.

Johannes Reintjes



Thesen

Das Laienforum formulierte die folgenden Thesen zur Öffentlichkeitsarbeit der alt-katholischen Kirche:

1. Ziele der Öffentlichkeitsarbeit

Weil wir von der Wichtigkeit und Notwendigkeit unserer Art von Kirche überzeugt sind, wünschen wir uns eine Wachstumskirche, die in Zukunft verstärkt wirken kann. Die Informationen, die wir weitergeben, sollen das „Gesicht“ unserer Kirche zeigen. Sie sollen einladen, den Kontakt zur alt-katholischen Kirche zu suchen.

2. Zielgruppen der Öffentlichkeitsarbeit

Religiös Suchende im „luftleeren“ Raum, die von ihrer Konfession distanziert sind. Qualitatives Wachstum ist dabei zu beachten: ein Einwurzeln der neu Hinzukommenden muss ermöglicht werden, in die Mitglieder muss investiert werden. Wir sollen keine Vorurteile gegen bestimmte Menschengruppen haben. Wir dürfen uns nicht auf die Abgrenzung von der römisch-katholischen Kirche beschränken, sondern weisen auf unsere positiven Merkmale hin (Wir sind …). Wir haben auch ein Angebot für Menschen, z.B. aus protestantischen Kirchen, die sinnliche liturgische Erfahrungen suchen. Eine bedeutende Zielgruppe ist die der spirituell Suchenden ohne Konfession. Jugendarbeit ist für eine Wachstumskirche besonders wichtig. Innerkirchlich wendet sich die Öffentlichkeitsarbeit auch an die Mehrzahl der Mitglieder, die nicht regelmäßig den Kontakt in Messfeiern und Gruppen suchen.

3. Träger der Öffentlichkeitsarbeit ist jedes Kirchenmitglied

Beauftragte der Diözesen - Ansprechpartner in allen Ortsgemeinden - Jede kirchliche Gruppe - Jedes aktive Kirchenmitglied!

4. Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit: Vom Kirchen- bis zum Internet-Portal

Öffentlichkeitsarbeit muss über die gesamte Spannweite aller Kanäle laufen, vom Kirchenportal bis zum Internetportal. Es beginnt mit der deutlichen und ansprechenden Beschilderung und Kennzeichnung unserer Kirchen als „alt-katholisch“. Unsere Internetauftritte müssen zielgruppengerecht und aktuell gestaltet werden. Wichtig ist das Gespräch, der persönliche Zugang zur alt-katholischen Kirche über jedes aktive Mitglied. Der Kontakt zu Medienschaffenden (Presse, Rundfunk, Fernsehen) muss gesucht und gepflegt werden. Ansprechendes Informationsmaterial muss zur Hand sein: Faltblätter, Postkarten, Aufkleber, CD mit Bildschirmschoner...

5. Die Informationen sollen unsere „Alleinstellungsmerkmale“ herausstreichen

Wir müssen das spezifische Profil der alt-katholischen Kirche vermitteln: Synodal – demokratisch – tolerant, Gewissensfreiheit („Mit gutem Gewissen katholisch sein!“), Priesterweihe für Frauen; kein Zwangszölibat, freie Wahl des Bischofs, Wiederverheiratung Geschiedener, Eucharistie für alle, spezifische Beratungsangebote in schwierigen Lebenslagen. Wir bieten, was Römisch-Katholische sich wünschen: Die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens in Deutschland und Österreich sind bei uns erfüllt. Berichte über Erzählenswertes sollen uns als lebendige Gemeinschaften darstellen. Es kommt in einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit auch darauf an, was für unsere Adressaten interessant ist.

Wir dürfen jedoch nicht bei der Information stehen bleiben, sondern müssen den aktiven Dialog wagen, um Wachstumskirche zu werden.